Es ist schwieriger, über die Runden zu kommen
Einblicke ins Schausteller-Leben: Christian Webers Einnahmequelle dreht sich auf 40 Metern immer im Kreis
Walsrode. Der Platz, an dem Christian Weber (26) und sein dreiköpfiges Team seit Montag aufgebaut haben, ist der traditionelle Standort für diese Art von Fahrgeschäft. Vor vielen Jahren waren sie die Sensation auf den Jahrmärkten und Volksfesten. Nach Kinderkarussell und Kettenkarussell war die Blitzbahn der rasante Nervenkitzel. Doch nicht nur das. Die Planken rund um die Fahrbahn waren stets dicht umlagert von Jugendlichen. Die Blitzbahn war der Ort, an dem die neuesten Schlager von Drafi Deutscher oder Roy Black und vor allem Hits der Beatles oder Rolling Stones gespielt wurden. Hier war der Treffpunkt, hier standen händchenhaltende Teenager, die den letzten Groschen ausgaben, um noch eine Runde in der Blitzbahn zu drehen und dabei beschützend den Arm um die Schulter der gerade entdeckten großen Liebe zu legen.
Christian Weber kennt diese Zeiten nur aus Erzählungen seines Vaters, der letztes Jahr 63 geworden ist und natürlich immer noch als Schausteller aktiv ist. „Das hat sich alles verändert“,beschreibt der 26-Jährige die aktuelle Ausgangslage. Natürlich gehöre die Musik zu einem Fahrgeschäft dazu, aber sie sei heute nicht mehr der Magnet. „Heute fahren die Jugendlichen in die Disko, wenn sie tanzen oder Musik hören wollen“, weiß er. Und sein Freund Michael, der gerade Urlaub hat und den Einsatz auf dem Jahrmarkt nicht als Last, sondern als Lust versteht, sieht noch eine gravierende Veränderung. Früher da hätten sich die Fahrgeschäfte auf Schützenfesten bis morgens um 4 Uhr gedreht. Da sei immer was los gewesen. „Heute bist du schon fröhlich, wenn es bis 1 Uhr geht. Das ist schon die absolute Ausnahme.“
Wenn man in die Kassenbücher von vor zehn Jahren und heute schaue und dann vergleiche, was damals und was heute unterm Streich übrig bleibe, werde sich vielleicht irgendwann die Frage stellen, wie lange das ganze Sinn macht. „Aber vermutlich wird sich nichts ändern. Irgendwie wird es weiter gehen. Wir sind mit Leib und Seele Schausteller.“ Außerdem könne man so ein Fahrgeschäft nicht einfach mal verkaufen wie eine gebrauchte Immobilie.
Ob Jahrmärkte auf Dauer eine Zukunft haben? „Ich weiß es nicht, hoffe es aber schon. Wir leben von der Freude der Menschen. Wenn die sich nicht mehr freuen können, haben auch wir keine Existenzgrundlage mehr“, wird der Chef vom Hip-Hop-Express fast philosophisch.
Lesen Sie die „Ganze Seite“ in der WZ.
26 Jahre ist Christian Weber, seit sechs Jahren als Schausteller selbstständig. Den Hip-Hop-Express, mit dem er an diesem Wochenende zum erstenmal auf dem Walsroder Jahrmarkt vertreten ist, hat er von seinem Bruder gekauft.
Artikel vom 21.04.2012
























Deutsche Bank / Realtime Indikation