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Sarkozys Minister zur Bettencourt-Affäre verhört

Paris (dpa) - In der französischen Steuer- und Spendenaffäre hat erstmals ein Kabinettsmitglied von Präsident Nicolas Sarkozy ausgesagt. Arbeitsminister Eric Woerth stellte sich am Donnerstag in einer fast achtstündigen Vernehmung Fragen der Ermittler.

Nach Angaben seines Anwalts wies er alle Anschuldigungen zurück. Woerth steht unter anderem unter Verdacht, im Haus von L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt eine illegale Bargeldspende in Höhe von 150 000 Euro für Sarkozys Wahlkampf angenommen zu haben. Der Vermögensverwalter der 87 Jahre alten L'Oréal-Erbin, Patrice de Maistre, der Woerth den Umschlag überreicht haben soll, war 2008 von dem Minister mit einem Orden der Ehrenlegion ausgezeichnet worden. Er hatte zudem Woerths Frau Florence in der Vermögensverwaltung der Bettencourts angestellt.

Woerth bestreitet, dass er dabei seinen Einfluss geltend gemacht habe oder es eine Gegenleistung gewesen sein könne. Sein Mandant habe niemals darauf hingewirkt, dass seine Frau von de Maistre eingestellt wird, sagte Woerths Anwalt nach der Vernehmung. Der Minister, der früher Haushaltsminister war, habe lediglich einmal in einer banalen Unterhaltung mit de Maistre über den Beruf seiner Frau gesprochen. Auch habe Woerth energisch verneint, jemals illegale Spenden angenommen zu haben.

Unterdessen werden immer mehr Details aus den Ermittlungen bekannt, die den Eindruck erwecken, Bettencourt habe sich im Zustand geistiger Verwirrtheit von ihrem Fotografen-Freund François-Marie Banier finanziell ausnehmen lassen. Bettencourts Krankenpflegerin Henriette Youpatchou beschrieb eine Szene, in der die alte Dame Banier einen Scheck in Höhe von 183 Millionen Euro ausstellte. «Anschließend hat sie mich gefragt, ob das viel Geld sei», berichtete die Krankenschwester. «Sie hatte keine Vorstellung vom Wert des Geldes», sagte sie.

Ein anderes Mal habe Bettencourt über Banier geklagt: «Er verlangt zu viel Geld. Eines Tages wird André (Bettencourts Mann) es merken.» Die alte Dame sei zumindest phasenweise 2008 sehr verwirrt gewesen. So habe sie beispielsweise nicht mehr gewusst, wo ihr Schlafzimmer sei. Zudem habe sie auch lange nach dem Tod ihres Mannes mehrfach gebeten, ihn zum Abendessen zu holen.

Eine Haushälterin Bettencourts erinnerte sich laut Vernehmungsprotokoll, wie die L'Oréal-Erbin kurz vor einem Treffen mit Präsident Nicolas Sarkozy auf Anraten ihres Vermögensberaters die Sätze auswendig lernte, die sie ihm zu sagen hatte: «Ich habe Sie für Ihre Wahl gerne unterstützt und werde Sie auch weiter persönlich unterstützen. Allerdings habe ich schwere Probleme mit meiner Tochter, die Folgen für L'Oréal und damit für die Wirtschaft des Landes haben können.»

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