Brennpunkte

Steinigungsprozess gegen Iranerin wird «geprüft»

Die vom Tod durch Steinigung bedrohte Iranerin Sakineh Mohammadi-Aschtiani.

Teheran/Berlin (dpa) - Das weltweit kritisierte Steinigungsurteil gegen die Iranerin Sakineh Mohammadi Aschtiani wird überprüft. Der Fall werde neu aufgerollt, kündigte der iranische Außenamtssprecher Ramin Mehmanparast am Mittwoch im Staatsfernsehen an.

Nach Protesten von Regierungen und Menschenrechtsorganisationen hatte der Iran die Vollstreckung des Steinigungsurteils wegen Ehebruchs gegen die 43- Jährige bereits im Sommer vorläufig ausgesetzt. Aschtiani droht weiterhin der Tod, da sie zudem wegen Beteiligung an der Ermordung ihres Ehemanns angeklagt ist. «Ihre Strafverfolgung wegen Mittäterschaft im dem Mordfall läuft noch», erklärte der Sprecher.

Außenminister Guido Westerwelle forderte den Iran erneut zum Verzicht auf die Hinrichtung der Frau auf. «Dies ist keine Frage der Religion, sondern eine Frage der elementaren Menschenwürde», erklärte der FDP-Vorsitzende in Berlin. Westerwelle äußerte «tiefe Sorge» um das Leben der verurteilten Frau.

Neben mehreren westlichen Regierungen setzen sich auch der Vatikan und zahlreiche Prominente, darunter die Gattin des französischen Staatspräsidenten, Carla Sarkozy, für die zweifache Mutter ein. Der Iran weist Kritik aus dem Ausland als Einmischung von außen zurück.

Am Mittwoch forderte auch das Europaparlament, der Iran solle die «grausame und unmenschliche» Praxis der Steinigung abschaffen. Mit einer überwältigenden Mehrheit setzten sich die Volksvertreter für die zum Tode durch Steinigung verurteilte Iranerin ein. Die Urteile, die gegen Sakineh verhängt wurden, sollten aufgehoben und ihr Fall umfassend überprüft werden, hieß es in der Entschließung.

Mitte August hatte Aschtiani im Staatsfernsehen angeblich bereits ein Geständnis abgelegt. Sie räumte eine außereheliche Beziehung zum Cousin ihres Mannes ein und sagte, sie habe ihm geholfen, ihren Ehemann 2006 zu töten.

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