Überblick

Deutsche gehen immer später in Rente

Das Durchschnittsalter bei Rentenbeginn ist zwischen 2002 und 2008 von 62 auf 63 Jahre gestiegen.

Berlin (dpa) - Die Deutschen gehen später in Rente, und die derzeitigen Ruheständler sind gut abgesichert - gleichzeitig wächst jedoch das Armutsrisiko, und die Pflege der Senioren wird immer problematischer.

Das sind die zentralen Ergebnisse einer Studie über die ältere Generation, die Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) am Mittwoch in Berlin vorgestellt hat. Die bundesweite Umfrage ergab, dass es der heutige Rentnergeneration größtenteils gut geht. Die meisten gaben an, mit dem zur Verfügung stehenden Geld gut oder zumindest halbwegs auszukommen.

Der Anteil derer, die im Alter einen schlechteren Lebensstandard erwarten, hat sich allerdings im Vergleich zu 1996 von 18 auf 32 Prozent nahezu verdoppelt. Problematisch sei vor allem, dass gerade diejenigen keine private Altersvorsorge abgeschlossen hätten, die besonders darauf angewiesen wären, bilanzierte Clemens Tesch-Römer vom Deutschen Zentrum für Altersfragen (DZA). Sein Institut hatte für das «Deutsche Alterssurvey» 8200 Personen im Alter von 40 bis 97 Jahren interviewt.

Zunehmende «Versorgungsprobleme» sieht Tesch-Römer auch bei der Pflege von Alten und Kranken. Die Kinder seien für die Pflege der Eltern besonders wichtig, doch ein Fünftel der heute 40- bis 54- Jährigen habe gar keinen Nachwuchs. Auch schnelle Hilfe sei immer schwerer zu organisieren, weil der Anteil der Älteren, deren erwachsenen Kinder in der Nähe wohnen, kontinuierlich sinke.

Derzeit kümmert sich der Studie zufolge jeder siebte Arbeitnehmer zwischen 40 und 65 Jahren um einen Pflegefall. Schröder sieht darin ein positives Zeichen. Der Zusammenhalt der Generationen sei «wesentlich besser als sein Ruf».

Gleichzeitig bekräftigte die Ministerin, sie wolle noch in diesem Jahr einen Gesetzentwurf für die von ihr propagierte Familienpflegezeit vorlegen. Nach diesem Modell sollen Arbeitnehmer ihre Angehörigen bei halber Arbeitszeit pflegen können und dabei drei Viertel ihres Gehalts beziehen. Später sollen sie dann wieder voll arbeiten, bekämen aber für einen ebenso langen Zeitraum weiterhin nur drei Viertel des Lohns.

Die Deutsche Hospiz Stiftung hält das für nicht ausreichend. «Der Traum, dass allein Angehörige und Freiwillige die Herausforderung der Pflege lösen werden, wird nicht wahr werden», sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. Schon heute werde ein Großteil der Betroffenen nicht von berufstätigen Kindern gepflegt, sondern von ihren ähnlich alten Partnern. Annelie Buntenbach vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) warnte davor, die Probleme der Pflege durch die unbezahlte Arbeit von Senioren lösen zu wollen.

Der Trend zur Frühverrentung ist der Studie zufolge inzwischen gebrochen. So waren 2008 rund 33 Prozent der 60- bis 64-Jährigen erwerbstätig. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte kürzlich sogar von 40 Prozent gesprochen - inklusive aller Aushilfen und Mini-Jobber.

Diese Erkenntnisse decken sich grundsätzlich mit den aktuellen Daten der Deutschen Rentenversicherung (DRV): Danach stieg das durchschnittliche Renteneintrittsalter von 62,3 Jahren zu Beginn des Jahrtausends auf 63,2 Jahre im vergangenen Jahr. Allerdings betonte auch die DZA, dass die Erwerbsquote der Älteren noch deutlich steigen müsse. Schließlich soll die gesetzliche Altersgrenze für den Rentenbeginn ab 2012 schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben werden.

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