Überblick

Öffentlich-Rechtliche räumen bei Grimme-Preisen ab

Von Frank Christiansen, dpa

Düsseldorf (dpa) - Verkehrte Welt bei den begehrten Grimme- Fernsehpreisen: Während die öffentlich-rechtlichen Sender 2010 sämtliche Preise für Unterhaltung und Fiktion einheimsten, konnten die Privatsender erstmals ausgerechnet in der öffentlich-rechtlichen Domäne «Information und Kultur» zwei der fünf Preise davontragen.

Das gab das Adolf-Grimme-Institut am Mittwoch in Düsseldorf bekannt. Insgesamt gingen zehn von zwölf Grimme-Preisen in den drei Haupt- Kategorien an die Öffentlich-Rechtlichen.

Im Bereich Fiktion dominierte das ZDF mit vier von fünf Preisen: Die beiden Krimis «Kommissar Süden und der Luftgitarrist» sowie «Mörder auf Amrum» wurden ebenso ausgezeichnet wie das Drama «Ein halbes Leben» und der Dreiteiler «Die Wölfe» zur deutsch-deutschen Geschichte. Die ARD holte in dieser Kategorie einen Grimme-Preis mit dem Wirtschaftsdrama «Frau Böhm sagt nein» (WDR-Produktion) mit Senta Berger in der Hauptrolle.

In der Sparte Unterhaltung siegten die Late-Night-Show «Inas Nacht» mit Ina Müller (ARD/NDR) sowie die satirische «heute-Show» mit Oliver Welke (ZDF). 

In der Kategorie Information und Kultur gewannen das Deutsche Sportfernsehen DSF mit «Tabubruch - Der neue Weg von Homosexualität im Fußball» sowie ProSieben mit «Galileo Spezial - Karawane der Hoffnung», einer Reportage über den Kampf von Menschenrechtsaktivist Rüdiger Nehberg gegen die Frauenbeschneidung in Afrika. Weitere Preisträger sind die Reportagen «Eisenfresser» (BR/Arte/rbb) und «Tiananmen» (ARD/WDR/Arte/NDR) sowie der ZDF-Film «Henners Traum».

Mehrere Preisträger beklagten bei der Bekanntgabe, dass es immer schwieriger werde, spannende Stoffe im Programm unterzubringen. Bedauert wurde auch, dass Dominik Grafs preisgekrönter «Kommissar Süden» bereits nach zwei Folgen wegen schlechter Einschaltquoten abgesetzt worden sei. Solche Perlen des Programms hätten mehr Hege verdient, sagte der Direktor des Grimme-Instituts, Uwe Kammann.

Kammann wies aber die spektakuläre Fernseh-Schelte von Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki zurück: Herausragendes Fernsehen sei «keine Chimäre, exzellente Qualität findet sich in einem breiten Spektrum», sagte Kammann. «Reich-Ranicki hat keinerlei Kenntnis vom Programm. Deutschland muss sich dabei hinter keinem anderen Land verstecken.» Reich-Ranicki hatte 2008 den Deutschen Fernsehpreis für sein Lebenswerk überraschend abgelehnt und das Niveau der TV-Preis-Gala als «Blödsinn» kritisiert.

Den Sonderpreis Kultur des Landes Nordrhein-Westfalen erhielt der WDR für «Willi wills wissen - Wie macht der Künstler Kunst?» Der Publikumspreis geht an Arte für die «Geo»-Reportage «Die Bambusbahn von Kambodscha». Mit dem Eberhard-Fechner-Förderstipendium wurde «Der innere Krieg» des ZDF ausgezeichnet. Eine besondere Ehrung für sein Lebenswerk erhielt der Filmemacher und Produzent Alexander Kluge.

Der Adolf-Grimme-Preis wird seit 1964 jährlich an qualitativ herausragende Fernsehproduktionen verliehen. Die Preis-Verleihung ist am 26. März in Marl geplant, dem Sitz des Adolf-Grimme-Instituts. Es ist das Medieninstitut des Deutschen Volkshochschul-Verbandes.

www.grimme-institut.de

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