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Popkomm 2.0 oder die neue Bescheidenheit der Musik

Von Patrick T. Neumann, dpa

Klaus Wowereit (SPD) eröffnete die Berlin Music Week mit Popkomm im ehemaligen Flughafen Tempelhof.

Berlin (dpa) - Popkomm 2.0, Popkomm reloaded oder einfach nur Popkomm runderneuert? Nach der Zwangspause im vergangenen Jahr ist die Musikmesse, früher einer der größten Branchentreffs weltweit, wieder zurück.

An neuem Standort und mit neuem Konzept, aber auch mit neuer Bescheidenheit präsentiert sich die Popkomm 2010 auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Berlin-Tempelhof. Das Motto: Bier statt Sekt, Currywurst statt Kaviar.

Das passt zur Stimmung der Branche, die seit rund zehn Jahren unter schwindenden CD-Verkäufen leidet. Illegale Downloads aus dem Internet und CD-Brennerei sind daran vor allem schuld. In dieser Stimmung war die Lust auf gemeinsamen Austausch 2009 anscheinend gering - die Popkomm wurde mangels Zuspruch kurzfristig abgesagt.

Nun zeigt sich die Popkomm glücklich - wenn auch auf niedrigem Niveau: Die Messefläche sei seit Wochen ausgebucht, verkünden die Verantwortlichen stolz. Jedoch sind 470 Aussteller aus rund 20 Ländern nur etwa halb so viele wie noch in den Jahren zuvor. «Willkommen zur kleinsten Musikmesse der Welt», scherzte ein Musikmanager zur Eröffnung mit leicht erstauntem Blick.

Denn auch in den Veranstaltungshallen selbst herrscht Zurückhaltung. Die Messestände der Plattenfirmen sind funktional, nicht mehr protzig, selbst der Musik-Riese Universal ist von seinem früheren großzügigen Standkonzept abgerückt und präsentiert sich in einer eher bescheidenen Lounge. «Arm, aber sexy», der Spruch, mit dem der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) seine Stadt Berlin gern beschreibt, passt auch gut zur Popkomm.

So gibt es erstmals einen - natürlich kostenlosen - Publikumsbereich: In der ehemaligen Abflughalle des Luftbrücke-Flughafens kann jeder Live-Musik hören, den Radiomachern vom RBB (Rundfunk Berlin-Brandenburg) zuschauen oder sich über neue Musikdienste im Internet informieren.

Die Popkomm steht auch nicht mehr allein da als einzelner großer Branchentreff: Sie ist eingebettet in die erste sogenannte Berlin Music Week - eine Woche, in der sich Musiker, DJs und Clubs in der Hauptstadt präsentieren, in der aber auch Experten zum Austausch unter dem Titel All2gethernow zusammenkommen.

Und genau hier liegt ein Problem: Musikwoche, Popkomm, All2gethernow, Festival, Clubnacht - viele Bezeichnungen konkurrieren um die Aufmerksamkeit und stiften Verwirrung. Der Name Popkomm - Ende der 90er Kahre eine weltweite Marke - geht da leicht unter.

Außerdem: Die großen, publikumswirksamen Namen fehlen. Beim Kongress dominieren vor allem Branchenvertreter kleinerer und mittlerer Größe, die ganz großen Zampanos oder internationalen Player sind kaum vertreten - auch wenig Prominente: kein Peter Gabriel gibt eine Keynote, kein Bob Geldof wirbt für ein Charity-Konzert. In der öffentlichen Wahrnehmung ein Nachteil, für die nötigen Diskussionen innerhalb der Branche nicht unbedingt: In den vergangenen Jahren gab es diese Namen - Regisseur Wim Wenders, Boyband-Macher Lou Pearlman oder Smudo von den Fantastischen Vier gaben sich die Ehre - aufhalten konnte das den Niedergang auch nicht.

Beim Musikprogramm ist es ähnlich: Viele eher unbekannte Nachwuchsmusiker spielen auf diversen Berliner Bühnen - mit einigen wenigen Ausnahmen wie Wir sind Helden oder DJ Paul van Dyk. Symbolisch dazu gab es zum Start der Messe am Mittwochmorgen echte Straßenmusik: Der hessische Sänger Samuel Harfst begann das «längste Straßenkonzert der Welt» - ein Weltrekordversuch, der möglicherweise bis in die Nacht dauern sollte. Straßenmusik statt großem Konzertspektakel: «Back to the roots» eben, zurück zu den Wurzeln - noch ein mögliches Motto der Popkomm 2010.

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