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Pulitzer-Jury findet keinen Roman preiswürdig

Manning Marable, Autor der Biografie «Malcolm X: A Life of Reinvention», wurde posthum der Geschichtspreis zuerkannt. Foto: Pulitzer Prize Board

New York (dpa) - Eine der höchsten Auszeichnungen in der US-Literatur, der Pulitzer-Preis für den besten Roman, wird in diesem Jahr nicht vergeben.

Die Stiftung konnte sich nach eigenen Angaben auf keinen der drei Kandidaten in der Endrunde einigen. US-Verleger und der Buchhandel reagierten am Dienstag verärgert und nannten die Entscheidung in Twitter-Nachrichten unter anderem «eine Beleidigung». Die Pulitzer-Auszeichnung treibt den Verkauf des ausgewählten Titels üblicherweise an und stellt den Preisträger auf die Ebene von früheren Gewinnern wie Ernest Hemingway, William Faulkner und Philip Roth.

Nach Informationen aus dem «Pulitzer Prize Archive» hat die Stiftung zuletzt im Jahr 1977 auf die Vergabe ihres Romanpreises verzichtet. Damals hatte die Stiftung ihr Veto gegen den von der Jury ausgewählten Titel «The River Runs Through It» («Aus der Mitte entspringt ein Fluß») von Norman Maclean eingelegt. 1984 widersprach die Stiftung der Wahl der Juroren ebenfalls, strich den Preis aber nicht komplett, sondern vergab ihn an einen anderen Romanautor.

Chancen auf den diesjährigen Pulitzer-Preis hatten nach der Bekanntgabe der Stiftung an der Columbia Universität in New York der in München geborene US-Schriftsteller Denis Johnson mit dem bisher noch nicht ins Deutsche übersetzten Kurzroman «Train Dreams». Zu den Hoffnungsträgern zählten auch seine junge Kollegin Karen Russell mit ihrem Roman «Swamplandia!» sowie der 2008 gestorbene Autor David Foster Wallace. Sein letzter Roman «The Pale King» blieb durch den Freitod des überaus talentierten Autors mit 46 Jahren zunächst unvollendet, wurde dann aber vom Verlag vervollständigt.

In Johnsons «Train Dreams» beschreibt ein Tagelöhner das Leben im amerikanischen Westen vergangener Zeiten. «Swamplandia!» schildert den Kampf einer exzentrischen Familie um ihren Vergnügungspark in den Sümpfen von Florida. Wallace hatte sich in «The Pale King» die Eintönigkeit und Bürokratie im amerikanischen Berufsleben vorgeknüpft.

Die amerikanische Dramatikerin Quiara Alegriá Hudes gewann mit ihrem Bühnenstück «Water by the Spoonful» den Pulitzer-Preis in der Kategorie Drama. Ihr Werk schildert die Sinnsuche eines Veteranen des Irakkrieges. Der New Yorker Historiker Manning Marable (1950-2011) kommt posthum zu Ehren. Seine politische Biografie des schwarzen Bürgerrechtlers Malcolm X, «Malcolm X: A Life of Reinvention», war kurz nach seinem Tod im April vergangenen Jahres erschienen und wurde jetzt von der Jury für den Geschichtspreis ausgewählt. Der Pulitzer-Preis für die beste Biographie 2012 geht an John Lewis Gaddis für das Porträt eines weltreisenden Diplomaten: «George F. Kennan: An American Life».

Gewinnerin in der Kategorie Poesie wurde Tracy K.. Smith mit ihrer Gedichtesammlung «Life on Mars». Der Komponist Kevin Puts bekam für sein Werk «Silent Night: Opera in Two Acts» den Musikpreis. Die Oper war im November 2011 am Minnesota Opernhaus in Minneapolis uraufgeführt worden und handelt von einer spontanen Waffenpause von Schotten, Franzosen und Deutschen im Ersten Weltkrieg. Die Pulitzer-Preise sind mit jeweils 10 000 Dollar (7000 Euro) dotiert.

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