Überblick

Positiver WM-Abschluss für deutsche Basketballer

Von Lars Reinefeld, dpa

Jan-Hendrik Jagla (r) umspielt den Jordanier Ayman Idais (l).

Kayseri (dpa) - Versöhnlicher WM-Abschluss für Deutschlands Basketballer: Das Team von Bundestrainer Dirk Bauermann gewann in Kayseri sein letztes Gruppenspiel gegen Jordanien deutlich mit 91:73 (40:33) und beendete die Weltmeisterschaft in der Türkei damit auf dem fünften Gruppenplatz.

Das Achtelfinal-Ticket hatte die jüngste deutsche Mannschaft, die je bei einer WM dabei war, bereits am Vortag durch eine unnötige 88:92-Niederlage nach Verlängerung gegen Angola verspielt. Für die hochgepriesene Generation um Center Tibor Pleiß bedeutete das Verpassen der Endrunde den ersten Dämpfer.

Coach Bauermann war dennoch nicht böse und meinte nach dem Erfolg zum Vorrunden-Ende: «Das war sehr versöhnlich. Die Mannschaft hat sich nochmal toll zusammengerauft und sich mit einer tollen Leistung aus dem Turnier verabschiedet.»

Gegen Jordanien zeigten die deutschen Riesen noch einmal einen couragierten Auftritt, mit dem sie sich den Frust von der Seele spielten. Vor allem Pleiß drehte zum Turnier-Ende noch einmal auf und war mit 23 Punkten bester Werfer. «Wir haben nochmal alles gegeben. Schade, dass es vorbei ist», sagte Pleiß.

Am Abend zuvor hatte im deutschen Lager noch blankes Entsetzen geherrscht. Bauermann stand in der Kabine vor einem Team, das wie ein Häufchen Elend wirkte und Sturzbäche an Tränen vergoss. «Ich wusste auch nicht, was ich denen sagen sollte», gestand der 52-Jährige, der in seiner langen Trainerkarriere schon vieles mitgemacht hat. Doch die Niederlage gegen den zehnfachen Afrikameister war sicherlich eine der überflüssigsten seiner Laufbahn und stellte erstmals das tatsächliche Leistungsvermögen der «jungen Wilden» infrage.

«Wir haben gezeigt, dass es auch ohne Dirk Nowitzki geht», hatte Co-Kapitän Jan-Hendrik Jagla nach dem Sieg gegen Vize-Europameister Serbien gesagt. Gegen Angola zeigte sich, dass dies eben noch nicht der Fall ist. Als es im Entscheidungsspiel darauf ankam, war niemand da, der die Führungsrolle übernehmen konnte. «Sicherlich hätten wir die Jungs noch mehr führen müssen», meinte Jagla.

Doch der 29-Jährige konnte in der hektischen Schlussphase das deutsche Spiel ebenso wenig lenken, wie Spielmacher Steffen Hamann oder Team-Oldie Demond Greene. «Wir haben im Zimmer gesessen und uns angeschwiegen, weil wir wussten, was wir falsch gemacht haben», beschrieb Hamann die Stimmung in der Nacht danach.

Ohne eine starke, führende Hand, die in der Vergangenheit immer Nowitzki gereicht hatte, waren auch die «jungen Wilden» überfordert. Dem Toptalent Pleiß merkte man an, dass er mit seinen 20 Jahren verständlicherweise noch kein Weltniveau verkörpert. Robin Benzing und Elias Harris konnten in der Türkei bei allem Potenzial insgesamt nicht nachweisen, dass sie tatsächlich vor einer großen Zukunft in der NBA stehen.

Von den Jungen überzeugten gegen Angola einzig der Bonner Tim Ohlbrecht (17) und Philipp Schwethelm (12). Der WM-Debütant von den Eisbären Bremerhaven war es auch, der sich nach dem Ausscheiden als einer der ganz wenigen stellte. «Das ist der bitterste Moment in meinem Leben», sagte der 21-Jährige mit tränenerstickter Stimme.

Bauermann stellte sich dennoch demonstrativ vor seine junge Mannschaft. «Natürlich tut diese Niederlage verdammt weh. Diese junge Generation hat aber noch ein morgen, ein übermorgen und ein überübermorgen», sagte der Bundestrainer, der trotz des Ausscheidens nicht zur Disposition steht.

Bei der EM in Litauen, wenn Nowitzki und Chris Kaman wieder dabei sind, werden wir «neu angreifen und versuchen, uns erneut für Olympia zu qualifizieren», versprach Bauermann. Beim DBB haben sie trotz des ersten Vorrunden-K.o.'s seit 24 Jahren den Glauben an ihre «jungen Wilden» nicht verloren. Der Verband bewirbt sich deshalb um die Europameisterschaft 2015. Dann haben Pleiß und Co. mehr Erfahrung und vielleicht mit Nowitzki auch letztmals eine helfende Hand.

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