Überblick

Mercedes mustert Schumi aus - Hamilton macht das Rennen

Von Jens Marx und Christian Hollmann, dpa

Erfolg war der Traumpaarung Michael Schumacher und Mercedes nicht beschieden. Foto: Peter Steffen

Berlin (dpa) - Rekordweltmeister Michael Schumacher hat nach drei Frust-Jahren keine Zukunft mehr im Silberpfeil und steht womöglich vor der endgültigen Formel-1-Rente.

Der 43-Jährige wird beim Werksrennstall des deutschen Autobauers vom kommenden Jahr an durch den 16 Jahre jüngeren Lewis Hamilton ersetzt. «Ich hatte drei schöne Jahre beim Mercedes-F1-Team, die leider sportlich nicht so gelaufen sind, wie wir uns das alle gewünscht hatten», kommentierte Schumacher in der Pressemitteilung seines Noch-Arbeitgebers, für den er in den kommenden sechs Rennen auf Abschiedstournee gehen wird.

Ein Abschied für immer? «Das ist heute einfach kein Thema», sagte seine Managerin Sabine Kehm am Freitag der Nachrichtenagentur dpa zu einem möglichen Wechsel. Lange dauern dürfte es aber nicht, bis die Spekulationen blühen. Bei Sauber wird der Platz von Sergio Perez frei, der als Hamilton-Ersatz zu McLaren geht. Und auch der Name von Schumachers Ex-Team Ferrari wird fallen. Für die Scuderia hatte Schumacher 2006 ebenfalls in Sao Paulo sein letztes Rennen vor seinem Rücktritt bestritten. «Wie üblich kommentieren wir keine Gerüchte», erklärte ein Ferrari-Sprecher der dpa.

Konkurrent Mercedes hakte das Unternehmen mit dem Teamplayer Schumacher, der sich stets vor seine Mannschaft stellte, letztlich unter fehlgeschlagen ab. Man habe seine Ziele in der Formel 1 mit ihm nicht erreicht. «Damit war eine Voraussetzung für eine Vertragsverlängerung nicht mehr gegeben», sagte Vorstandschef Dieter Zetsche in Paris der Zeitung «Die Welt».

Die Anforderungen an Hamilton, Weltmeister von 2008 mit Glamour-Faktor und Unruhe-Potenzial, sind eindeutig. «Über die Erwartung, die man an seinen Nachfolger Hamilton hat, gibt es im Daimler-Konzern nur ein Wort: gewinnen!», sagte Zetsche.

Dazu muss aber auch das Auto stimmen. Und das gab in den vergangenen drei Jahren auch für Schumachers Teamkollegen Nico Rosberg nicht mehr her als einen Sieg. Schumacher ließ sich daher lange Zeit mit einer Entscheidung. Die Aussichten auf Erfolg schienen nicht überzeugend zu sein. «Früher im Sommer hätte er unterschreiben können», versicherte Managerin Kehm dem britischen Sender BBC. Er tat es aber nicht. Mercedes eilte die Zeit davon, der Fahrermarkt wurde dünner und dünner. Hamilton stand womöglich auch kurz vor einer Verlängerung bei McLaren, das ihm dem Vernehmen nach aber nicht genug Geld geboten haben soll.

Sein Vertrag bei Mercedes, das auch noch das künftige Engagement von Niki Lauda als Aufsichtsratsvorsitzender bekanntgab, soll dem Briten nun ein ordentliches Salär bescheren. Medienberichten zufolge beläuft sich das Volumen auf 75,5 Millionen Euro für drei Jahre. Im Gegensatz zu seiner Zeit bei McLaren hoffen Hamilton und sein Manager Simon Fuller, der auch David Beckham und die Spice Girls zu seinen Klienten zählt, bei den Silberpfeilen auch auf eine lukrativere Privatvermarktung.

«Es ist für mich jetzt die Zeit gekommen, eine neue Herausforderung anzunehmen», sagte Hamilton in der Mercedes-Mitteilung, «und ich freue mich, ein neues Kapitel damit zu beginnen, für Mercedes AMG Petronas zu starten.» Sein künftiger Mitstreiter tat seine Freude bereits kund. «Sehr cool, dass Lewis mein neuer Teamkollege wird», twitterte Nico Rosberg: «Das wird eine weitere große Herausforderung.» Kein Wort zu Schumachers bevorstehendem Abschied.

Der siebenmalige Weltmeister war 2010 nach einer dreijährigen Pause in die Königsklasse des Motorsports zurückgekehrt. Von Erfolg war seine Zeit bei dem Team aber nicht geprägt. Nach 91 Siegen und 68 Pole Positionen in seiner ersten Laufbahn von 1991 bis zu seinem ersten Rücktritt 2006 schlugen von 2010 bis jetzt null Siege zu Buche. Immerhin gelang ihm in diesem Jahr beim Klassiker in Monaco die Bestzeit in der Qualifikation.

Aufs Podium kam Schumacher nur einmal: Beim Großen Preis von Europa wurde er im Juni in Valencia Dritter. Ohne weiteren Sieg abtreten zu müssen, täte Schumacher weh. «Das wäre schon schade, klar, ich würde schon gerne noch das eine oder andere Highlight erleben», hatte er in Spa vor seinem 300. Formel-1-Rennen in einem dpa-Interview gesagt.

Vor allem zu Beginn dieser Saison hatte sich Schumacher jedoch auch mit einer bemerkenswerten Pannenserie herumplagen müssen. Schumacher stand aber stets zu seiner Mannschaft, kein Wehklagen, keine öffentliche Vorwürfe. Von dem in seiner ersten Karriere einst so verbissen und unterkühlt wirkenden Schumacher war trotz anhaltender Erfolglosigkeit nichts zu sehen. Und das, obwohl nicht Mercedes, sondern vor allem er die öffentliche Kritik abbekam, wenn es mit dem nicht selten stotternden Silberpfeil wieder nicht lief.

«Seine Energie und sein Einsatz haben nie nachgelassen, auch dann nicht, wenn unsere Resultate nicht unseren Erwartungen entsprachen», lobte Teamchef Ross Brawn, der Wegbegleiter bei allen sieben Titeln Schumachers. Er fügte hinzu: «Es war und ist ein Vergnügen, mit Michael zusammenzuarbeiten.» Am Abend des 25. November wird die Zusammenarbeit Vergangenheit sein. Wie schon vor sechs Jahren nimmt Schumacher in Sao Paulo Abschied.

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