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Aufatmen in Frankreich - Portugal unter Schock

Der Türke Hamit Altintop (r) jubelt über seinen Treffer gegen Belgien.

Frankfurt/Main (dpa) - Frankreich feiert die sportliche Auferstehung der «Equipe tricolore», England jubelt über «Enfant terrible» Wayne Rooney und Schalke 04 freut sich auf Holland-Knipser Klaas-Jan Huntelaar - nur Portugal zittert vor dem «Sturzflug in die Hölle».

Das 0:1 in Norwegen versetzte die Fans in einen Schockzustand, aus dem sich die «Grande Nation» mit dem 2:0 in Bosnien-Herzegowina wieder befreite. «Das tut so gut!», titelte das Sportblatt «L'Équipe».

Trainer Laurent Blanc, nach der 0:1-Auftaktpleite gegen Weißrussland noch am Boden zerstört, frohlockte: «Ich spüre sehr viel Freude. Das kann der Aufbruch gewesen sein.» Real Madrids Karim Benzema (72.) und Chelseas Florent Malouda (78.) - einer von immerhin sieben WM-«Sündern» in der Startelf - sorgten für das ersehnte Erfolgserlebnis. «Wir haben ein ganz anderes Gesicht gezeigt. Ich hoffe, das ist der Beginn eines großen Abenteuers», sagte Abou Diaby vom FC Arsenal. Die Zeitung «Le Figaro» warnte jedoch: «Das ist nur der Beginn des Wiederaufbaus. Bloß kein Triumphgeschrei!»

Dazu gibt es in Portugal derzeit überhaupt keinen Grund. Nach dem Auftakt-4:4 gegen Zypern und der ersten Länderspiel-Niederlage gegen Norwegen durch ein Tor von Erik Huseklepp (21.) muss der WM-Vierte von 2006 um die Direkt-Qualifikation für die EURO 2012 zittern. «Unsere Lage ist besorgniserregend», stellte der für den gesperrten Carlos Queiroz zum Interimschef beförderte Co-Trainer Agostinho Oliveira fest. «Der Alptraum geht weiter», titelte «Diario Digital».

Die Medien in Portugal rechnen nun mit einer schnellen Trennung von Queiroz, der von der nationalen Antidopingbehörde wegen Behinderung der Arbeit für sechs Monate gesperrt wurde. Als sein Nachfolger wird bereits der frühere Nationalspieler Paulo Bento gehandelt. «Die Tage von Queiroz sind gezählt», schrieb die Zeitung «Correio da Manha». Und Mittelfeldspieler Tiago erklärte: «Natürlich wirkt sich die Affäre um Queiroz negativ auf uns aus. Diese Seifenoper muss so schnell wie möglich beendet werden.»

Unbeeindruckt vom Wirbel um sein Privatleben beendete Englands Stürmerstar Wayne Rooney beim 3:1 in der Schweiz seine einjährige Torflaute im Trikot der «Three Lions». Mit seinem Führungstreffer leitete der Angreifer von Manchester United den zweiten Sieg im zweiten Spiel ein und erlangte prompt wieder Heldenstatus. «Ein echter Profi!», lobte das Boulevardblatt «Daily Mail» den 24-Jährigen, der trotz des Trommelfeuers der Boulevardpresse im Vorfeld wegen angeblicher privater Eskapaden im Rotlichtmilieu cool und abgezockt aufspielte. «Rooney stand unter Druck, aber er hat sehr gut gespielt», lobte Nationaltrainer Fabio Capello.

Katzenjammer herrschte dagegen bei den Eidgenossen. «Dieses England wird die EM mühelos erreichen - für die Schweizer ist das Turnier derzeit weit, weit weg», schrieb der «Tages-Anzeiger». Trainer Ottmar Hitzfeld räumte ein: «Die Engländer haben klug auf Konterchancen gewartet und das Spiel sicher nach Hause gebracht.» Beim Gruppen-Kontrahenten Bulgarien warf Trainer Stanimir Stoilow nach dem 0:1 gegen Montenegro das Handtuch.

In der Türkei ist die Euphorie nach dem 3:2 gegen Belgien und vor dem Duell mit Deutschland am 8. Oktober groß. «Ich freue mich schon auf die Partie in Berlin in ein paar Wochen», sagte Trainer Guus Hiddink. «Trotz einiger Rückschläge und verteilter Geschenke haben wir gewonnen. Die körperliche und mentale Reaktion der Spieler macht mich stolz», meinte der Holländer. Er weiß allerdings, dass Hamit Altintop und Co. gegen die DFB-Auswahl zulegen müssen: «Wir wussten, dass wir gewinnen, wenn wir unser Spiel durchziehen. Aber wir müssen schlauer werden», erklärte Hiddink.

Italiens WM-Versager versöhnten die Tifosi mit einem 5:0- Schützenfest gegen die Färöer Inseln - dem höchsten Länderspielsieg seit 23 Jahren. «Die Begeisterung wächst», stellte Trainer Cesare Prandelli nach dem Sechs-Punkte-Start zufrieden fest. Gefeierter Mann wie schon beim 2:1-Auftakterfolg in Estland war Rückkehrer Antonio Cassano. «Eine Cassano-Show», titelte «Tuttosport». Und Ex-Star Roberto Baggio lobte: «Cassano hat die Rückennummer 10 verdient.»

Mit einem Doppelpack beim mühevollen 2:1 gegen Finnland bewahrte der Neu-Schalker Klaas-Jan Huntelaar Vize-Weltmeister Niederlande vor einem Ausrutscher. Der Torjäger, der am Mittwoch in Gelsenkirchen offiziell vorgestellt wurde, hatte schon zum Auftakt beim 5:0 in San Marino dreimal ins Schwarze getroffen. «Es ist schön zu spielen und Tore zu schießen. Das hat in den vergangenen zwei Spielen gut geklappt. Es war eine überragende Woche. Hoffentlich kann ich am Freitag daran anschließen», sagte der 27-Jährige vor seinem Bundesliga-Debüt mit Schalke in Hoffenheim.

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