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Spinner erobert den Geißbock-Club

Von Dietmar Fuchs, dpa

Toni Schumacher (l) und Werner Spinner vor dem weißen Plastik-Geißbock. Foto: Henning Kaiser

Köln (dpa) - Der Vertrauensbeweis von 91,4 Prozent Zustimmung für das neue Kölner Führungstrio war beeindruckend. Werner Spinner, Toni Schumacher und Markus Ritterbach haben indes eine Mammutaufgabe vor sich, um den Bundesliga-Premierenmeister in ruhiges Fahrwasser zu führen.

Spinner tat gleich etwas von hohem Symbolwert. Er hievte den weißen Plastik-Geißbock hoch und schleppte die Skulptur über das Podium, um ein besonderes Fotomotiv möglich zu machen: Der neue Chef des 1. FC Köln packt an, eroberte die Herzen von fast 4400 Menschen mit einer emotionalen Bewerbungsrede im Sturm. «Mit diesem Votum haben Sie den ersten Schritt zur Vereinigung des Vereins unternommen», rief er seinen Wählern zu.

Nach 162 Tagen Vakanz seit Wolfgang Overaths Rücktritt ging ein Ruck durch den sportlich notleidenden und finanziell angeschlagenen Verein. Aufbruchstimmung: 91,4 Prozent sagten Ja zu Spinner und seinem Stellvertreter-Duo Toni Schumacher/Markus Ritterbach. Die Opposition um den ehemaligen FC-Manager Karl-Heinz Thielen hatte null Chance, wurde mit Buhrufen bedacht.

Es wartet indes ein Berg von Problemen auf das neue Triumvirat an der Spitze des 58 000-Mitglieder-Clubs: Die Profimannschaft soll den fünften Abstieg verhindern, Chefcoach und Sportdirektor müssen gefunden, die Finanzen geregelt werden. «Ich bin kein Heilsbringer und kann keine Wunder bewirken», ließ der 63 Jahre alte ehemalige Bayer-Topmanager Spinner wissen. Und kündigte an, den FC in seiner Gesamtheit neu zu disziplinieren.

«Wir bringen ein paar klare Regeln auf den Tisch. Diese Regeln werden wir diskutieren, damit es auch Regeln sind, die von allen akzeptiert werden können. Und dann setzen wir diese Regeln um. Das ist ganz einfach. Man muss nur konsequent sein» - unverblümt machte Spinner klar, dass Auffälligkeiten wie bei den Profis Slawomir Peszko, Miso Brecko und auch FC-Idol Lukas Podolski künftig unterbunden werden sollen. Spinner: «In diesem Verein fehlt es an Disziplin.» Man brauche «klare Worte und nicht hintenrum, wie es in diesem Verein üblich ist».

Spinner will Mitspieler sein. «Das Wichtige ist, dass man alles in Teamarbeit und mit allen Gremien zusammen macht. Im 1. FC Köln ist sehr viel Substanz» - das war es, was die Rekordzahl der fast 4400 Stimmberechtigten hören wollte. Spinner traf jeden Ton - besonders, als er versprach, dass es «keine halsbrecherischen Verträge mit hohen Abfindungen» mehr geben werde.

Spinners Ziele sind klar: Er will die schlechte Außendarstellung verbessern, er will die Geldangelegenheiten des unter finanziellem Dauerdruck stehenden Vereins in den Griff bekommen, den Dialog suchen und die Befugnisse des Präsidenten beschneiden: «Der hat eine Macht wie sonst nur ein Diktator einer Bananenrepublik. Das darf es in diesem Verein nicht geben. Arroganz ist hier pures Gift.»

Das Zukunftsvorbild des neuen FC-Chefs heißt Toni Schumacher: «Er steht für den Hunger nach Erfolg.» Da applaudierten sie im Stehen, obwohl Kölns Torhüter-Ikone die Stimmung dämpfte, als er festhielt: «Es ist wirklich die schwierigste Zeit, die der Verein durchmacht.»

Schumacher war sichtlich gerührt, als er, vor fast genau 25 Jahren nach seinem Enthüllungsbuch («Anpfiff») rausgeschmissen, sein Comeback im FC-Ehrenamt gesichert wusste: «Es ist ein gutes Gefühl, wieder zu Hause zu sein.» Sechs, sieben Prozentchen mehr «hätte ich schon gern gehabt. Aber ich habe mich riesig gefreut, das hat gut getan.» Ein Nein «hätte ich mir nie verziehen».

Jetzt wollen Spinner, Schumacher und der Kölner Karnevalsfunktionär Ritterbach bei Schaefer anklopfen, ob er als Trainer weitermacht. «Er hat die Ansprache an die Mannschaft, er weiß, wie es geht. Aber man muss seine Meinung respektieren. Wir werden ihn fragen, aber die Entscheidung wird er fällen», sagte Schumacher.

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