Computer und Co.

Polen setzt ACTA-Ratifizierung aus

Warschau/Berlin (dpa) - Die Gegner des internationalen Urheberrechtsabkommens ACTA feiern einen ersten Erfolg: Die polnische Regierung hat am Freitag die Ratifizierung des Vertragswerks ausgesetzt. «Ich teile die Ansicht derjenigen, die von unvollständigen Beratungen sprechen».

Das sagte Ministerpräsident Donald Tusk in Warschau. Die Argumente der Netzgemeinde seien berechtigt. Auch in Deutschland stößt das Handelsabkommen zur Abwehr von Fälschungen (Anti-Counterfeiting Trade Agreement) auf Widerstand.

Bei den Beratungen seien Internetnutzer nicht gehört worden, bemängelte Tusk. Stattdessen seien vor allem Gespräche mit den Inhabern von Urheberrechten geführt worden. «So lange nicht alle Zweifel ausgeräumt sind, so lange wird der Ratifizierungsprozess ausgesetzt», betonte Tusk. Es müsse zudem geprüft werden, ob ACTA mit dem Landesrecht vereinbar sei. Für eine Gültigkeit des Abkommens ist die Zustimmung von Parlament und Präsident notwendig.

In Polen hatten Hacker tagelang Webseiten der Regierung blockiert, darunter auch das Internet-Angebot von Tusks Regierungskanzlei. In zahlreichen polnischen Städten gab es Demonstrationen gegen das Abkommen, auch Datenschützer meldeten Bedenken an. Der polnische Staatspräsident hat angesichts der öffentlichen Empörung die Ombudsfrau für Menschenrechte aufgefordert, das Abkommen zu überprüfen und festzustellen, ob dadurch Bürgerrechte verletzt werden könnten.

Hacker der Anonymous-Bewegung griffen am Freitag die Webseite des griechischen Justizministeriums an. Statt der Inhalte des Ministeriums wurden etwa vier Stunden lang Proteste gegen die Sparmaßnahmen der griechischen Regierung und gegen die Teilnahme Griechenlands am ACTA-Abkommen verbreitet. Die Hacker gaben der Regierung zwei Wochen Zeit, aus ACTA auszusteigen. Andernfalls sollen neue Attacken folgen.

Das nach Initiative der USA und Japans in mehrjährigen Verhandlungen 2011 fertiggestellte Abkommen sieht unter anderem vor, dass Internet-Anbieter für Urheberrechtsverletzungen von Kunden haftbar gemacht werden können. Kritiker sehen daher ACTA in einer Reihe mit Bestrebungen zur Verschärfung des Urheberrechts.

ACTA wurde am 26. Januar von der EU unterzeichnet. Die Unterschrift von Deutschland steht aus formalen Gründen noch aus, soll aber nach Angaben aus dem Auswärtigen Amt demnächst nachgeholt werden. Die Kritiker, unter ihnen die Piratenpartei Deutschland, haben für den 11. Februar zu Protesten aufgerufen.

Seitenanfang
Druckversion
Artikel mailen
Mr. Wong
Linkarena
Webnews
YiGG - Bookmark setzen
Online-Partner
.
Aktuell

Thema des Tages

Röttgens Rauswurf stößt auf Unverständnis der CDU

Berlin (dpa) - Es war das erste Mal, dass Kanzlerin Merkel einen Minister feuert. Der Paukenschlag der Kanzlerin hallt nach: An der Entlassung des NRW- Wahlverlierers Röttgen als Umweltminister wird CDU-intern Kritik laut. Nun soll Merkels Vertrauter Altmaier die Energiewende managen. »weiter
Lesen Sie auch:
»Analyse: Röttgen hinterlässt Altmaier ein schweres Erbe
»Nach Merkels Röttgen-Rauswurf rumort es in der CDU
»Porträt: Hochbegabter Musterschüler vor dem Aus
Sport

Luhukay wird offenbar neuer Trainer bei Hertha BSC

Berlin (dpa) - Der Niederländer Jos Luhukay wird offenbar neuer Trainer bei Hertha BSC. »weiter
Lesen Sie auch:
»Fortuna trotz Hertha-Einspruchs gelassen
»Hoeneß lebt seinen Final-Traum
»Löws Überraschungsplan mit Reus: Ganz vorn als Stürmer
Wetter

11 ° C - Regenschauer

»mehr Wetter
Börse
DAX
DAX 6.344,00 -0,63%
TecDAX 759,25 -0,04%
EUR/USD 1,2694 -0,17%

Quelle: Deutsche Bank / Realtime Indikation


Computer

Google erweitert Such-Funktion mit Wissens-Datenbank

Mountain View (dpa) - Google hat seine Internet-Suche um eine Datenbank mit abgesicherten Fakten, Biografien und Bildern erweitert. »weiter
Lesen Sie auch:
»Fairer Ausgleich ist möglich: Urheber und Nutzer im Netz
»Gartner: Handy-Markt zu Jahresbeginn geschrumpft
»Bei zu vielen Ebay-Geschäften droht Umsatzsteuerpflicht
Wissenschaft

Raumfahrer erreichen ISS in Rekordhöhe von 399 Kilometern

Moskau (dpa) - In einer Rekordhöhe von 399 Kilometern hat der russische Transporter Sojus mit drei Crew-Mitgliedern an der Internationalen Raumstation ISS angedockt. Noch nie sei ein solches Manöver in dieser Höhe absolviert worden, teilte die Flugleitung nach Angaben der Agentur Interfax mit. »weiter
Lesen Sie auch:
»Die «Dragon»-Raumkapsel von SpaceX
»Gelähmte steuern Roboter-Arm kraft ihrer Gedanken
»Venus bringt seltene Mini-Sonnenfinsternis