Computer und Co.

Reich dank Facebook: Die «Millionerds» kommen

Von Daniel Schnettler, dpa

Blick in die Facebook-Zentrale in Menlo Park, Kalifornien. Foto: Peter DaSilva / Archiv

New York (dpa) - Bei den Mitarbeitern von Facebook scheint über Nacht der Reichtum ausgebrochen: Noch ist keine einzige Aktie des Sozialen Netzwerks an der Wall Street gehandelt worden, da rollen schon die Nobelkarossen vom Firmencampus im kalifornischen Menlo Park.

Viele der insgesamt 3200 Beschäftigten haben in den vergangenen Jahren Aktien als Teil ihres Gehalts bekommen - und nun können sie Kasse machen.

Einem Fotografen der Lokalzeitung «Peninsula Press» gelang das wahrscheinlich aussagekräftigste Bild zum anstehenden Börsengang: David Ruiz drückte im richtigen Moment auf den Auslöser und erwischte einen augenscheinlich brandneuen, weißen Porsche 911, wie er am Facebook-Adressschild «1601 Willow Road» vorbeifährt. Die Reporter der Zeitung wollen auch noch einen zweiten Porsche gesichtet haben. Bei beiden Sportwagen habe noch das Preisschild im Fenster gehangen. «Es gab wohl schon einige frühe Käufer», witzelte der örtliche Porsche-Verkäufer Doug Rubi.

Die neureichen Mitarbeiter der Technologiefirmen im berühmten Silicon Valley haben schon einen Spitznamen weg: «Millionerds» - ein Wortspiel aus «Millionär» und «Nerd», wie Computerverrückte genannt werden. Es gibt sie nicht nur bei Facebook und anderen Internet-Senkrechtstartern, sondern auch bei alteingesessenen Konzernen wie Apple oder Google. Das Silicon Valley boomt, gute Mitarbeiter sind gefragt und werden entsprechend üppig bezahlt.

So wie bei Facebook. Vor allem in der Anfangszeit wurden nach Informationen der «New York Times» die Mitarbeiter üppig mit Aktien entlohnt - Bares war wohl eher knapp. Facebook ist erst seit 2009 profitabel, wie aus dem am späten Mittwoch eingereichten Börsenprospekt hervorgeht. 2008 lag der Verlust bei 56 Millionen Dollar (43 Mio Euro), 2007 waren es sogar 138 Millionen Dollar.

Doch auch später eingestiegene Mitarbeiter haben Anteile erhalten. Die nah am Geschehen sitzende «Peninsula Press» schätzt, dass etwa ein Drittel der Facebook-Beschäftigten durch den Börsengang zu Millionären werden. Bei einem angenommenen Gesamtwert von Facebook von 100 Milliarden Dollar würde für den wohlklingenden Titel schon ein Firmenanteil von 0,00001 Prozent ausreichen.

Facebook-Gründer und -Chef Mark Zuckerberg selbst besitzt 28,4 Prozent der Anteile - und stiege damit zum 28-fachen Milliardär auf. Auch die anderen Mitglieder der Chefetage werden reich, etwa Zuckerbergs rechte Hand Sheryl Sandberg. Die fürs Tagesgeschäft zuständige Managerin hält aktuell Aktien im Wert von um die 100 Millionen Dollar. Finanzchef David Ebersman kommt derzeit auf etwa 115 Millionen Dollar.

Es gibt aber auch Anteilseigner, die mehr zufällig an ihren Reichtum gelangt sind. So wie Mark Zuckerbergs Vater, der Facebook in den Anfangsjahren 2004 und 2005 finanziell unterstützt hatte - und dem sein Sohn dafür später in Aktien dankte, die heute ebenfalls um die 100 Millionen Dollar wert sein dürften.

Oder wie Graffiti-Künstler David Choe, der 2005 das neu bezogene Hauptquartier von Facebook mit großflächigen Wandmalereien verschönerte - und nach Informationen der «New York Times» vor die Wahl gestellt wurde, mit ein paar Tausend Dollar in bar oder Aktien bezahlt zu werden. Er habe sich für die Aktien entschieden, obwohl er die Idee mit dem damals noch sehr jungen Sozialen Netzwerk eigentlich als «albern und sinnlos» empfunden habe. Heute, so rechnete die Zeitung aus, müssten die Anteile rund 200 Millionen Dollar wert sein.

Allerdings ist unklar, ob Künstler Choe und andere Mitarbeiter nicht zwischenzeitlich schon Kasse gemacht haben. Auch vor dem Börsengang, der für den Sommer erwartet wird, konnten sie schon Facebook-Anteile verkaufen auf dem sogenannten Zweitmarkt. Das ist quasi das «Hinterzimmer» der Börse. Die meisten Mitarbeiter dürften jedoch an ihrem Schatz festgehalten haben.

Porsche-Verkäufer Rubi kennt jedenfalls dieser Tage nur eine Sorge, wie er seiner Lokalzeitung verriet: «Hoffentlich haben wir genügend Autos auf Lager.» Als Google 2004 an die Börse strebte, waren dem Händler die Porsche ausgegangen.

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