Wissenschaft

Forscher finden «Super-Erde» in bewohnbarer Zone

Von Till Mundzeck, dpa

Die Handout-Illustration der Universität Göttingen zeigt die "Super-Erde" GJ667Cc. Foto: Universität Göttingen

Washington/Göttingen (dpa) - Auf der Suche nach einer Schwester der Erde sind Astronomen auf eine sogenannte Super-Erde in einem System mit drei Sternen gestoßen. Die Entdecker halten den fernen Planeten für den bislang besten Kandidaten für lebensfreundliche Bedingungen.

Die potenziell bewohnbare «Super-Erde» in einem nahen Sternsystem um eine Zwergsonne in gerade der richtigen Entfernung für gemäßigte Temperaturen, bei denen Wasser flüssig wäre, wie die Forscher im Fachblatt «The Astrophysical Journal Letters» schreiben. Flüssiges Wasser gilt als Grundvoraussetzung für Leben wie wir es kennen. Hinweise auf die Existenz von Wasser oder gar Leben haben die Forscher auf dem sogenannten Exoplaneten bislang allerdings nicht gefunden.

Doch Hauptautor Guillem Anglada-Escudé von der Carnegie-Institution in Washington ist sich sicher: «Dieser Planet ist der neue beste Kandidat für Bedingungen, die flüssiges Wasser und vielleicht Leben erlauben, wie wir es kennen», urteilt der Forscher, der inzwischen an der Universität Göttingen arbeitet, in einer Mitteilung. Der nun entdeckte Planet hat mindestens 4,5 Mal soviel Masse wie unsere Erde und umkreist seinen Heimatstern in nur 28 Tagen. Damit steht er seinem Stern sehr viel näher als die Erde der Sonne. Dennoch soll es auf der Super-Erde nach Berechnungen der Astronomen ähnlich warm sein wie auf unserem Heimatplaneten. Denn seine Sonne ist ein sogenannter Zwergstern der M-Klasse, der deutlich schwächer strahlt als unsere Sonne. Insgesamt bekomme die neu entdeckte Super-Erde etwa zehn Prozent weniger Licht ab als die Erde von der Sonne, berichten die Astronomen.

«Super-Erde» - das ist kein Qualitätsurteil. Sondern mit diesem Begriff bezeichnen Astronomen solche Exoplaneten, die größer, aber nicht sehr viel größer sind als die Erde und wahrscheinlich wie sie aus Gestein bestehen. Dies steht im Gegensatz zu den jupiterähnlichen Planeten, die gigantische Gaskugeln sind wie der größte Planet unseres Systems. Der nun entdeckte extrasolare Planet (Exoplanet) ist nicht die erste Super-Erde, die Astronomen aufspüren. Auch in der bewohnbaren Zone anderer Sterne haben Forscher wiederholt Exoplaneten aufgespürt.

Insgesamt sind mit verschiedenen Methoden bislang mehr als 750 Planeten bei anderen Sternen gefunden worden. Neuere Berechnungen gehen sogar davon aus, dass es in der Milchstraße mehr Planeten gibt als Sterne. Lebenszeichen gibt es bislang allerdings von keinem.

Der Heimatstern der nun entdeckten Super-Erde trägt die Katalognummer GJ 667C und ist 22 Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernt. Er gehört damit zu unserer kosmischen Nachbarschaft. Nach Analysen der Forscher hat er noch mindestens einen weiteren Planeten, der den Stern in nur 7,2 Tagen umrundet. Möglicherweise besitzt er sogar noch eine weitere Super-Erde sowie einen großen Gasplaneten, die ihn in größerem Abstand umkreisen.

Die Forscher stießen auf die Planeten durch ein regelmäßiges Hin- und Hertaumeln des Zwergsterns, das entsteht, wenn die Schwerkraft seiner Begleiter an ihm zerrt. Der taumelnde Stern bewegt sich mal von der Erde weg und dann wieder auf sie zu. Dadurch erscheint sein Licht mal ein klein wenig röter und dann wieder blauer - so wie sich die Sirene eines herannahenden Feuerwehrautos immer heller anhört, die eines sich entfernenden dagegen zunehmend dunkler. Über diesen Dopplereffekt haben sich die meisten der bislang entdeckten Exoplaneten verraten.

Die Entdeckung bei GJ 667C überraschte die Astronomen jedoch. Denn die Zwergsonne gehört zu einem Dreifachsternsystem, das im Vergleich zu unserer Sonne nur wenige schwerere chemische Elemente wie Eisen, Kohlenstoff und Silizium besitzt, aus denen Gesteinsplaneten wie die Erde aufgebaut sind. «Dieser Stern wurde als ziemlich unwahrscheinliche Heimat für Planeten angesehen», erläuterte Ko-Autor Steven Vogt von der Universität von Kalifornien in Santa Cruz in einer Mitteilung seiner Hochschule. M-Klasse-Zwerge wie GJ 667C gehören zu den häufigsten Sternen in der Milchstraße. «Die Entdeckung dieses Planeten, so nah und so früh, legt nahe, dass es in unserer Galaxie nur so wimmelt von Milliarden potenziell bewohnbaren Gesteinsplaneten.»

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