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F1 in Bahrain: Gast in einem zerrissenen Land

Von Anne-Beatrice Clasmann, dpa

Als Rennfahrer verkleidete Demonstranten mit Spielzeugpistolen protestieren in Bahrain. Foto: EPA/Mazen Mahdi

Manama (dpa) - Bahrain, in dem die Formel 1 in den nächsten Tagen trotz aller Warnungen zu Gast sein wird, ist ein zutiefst gespaltenes Land.

Das Herrscherhaus von Bahrain betont zwar, es seien während des vierten Saisonrennens der Motorsport-Königsklasse keine Krawalle oder Anschläge zu befürchten. Doch friedlich ist das Klima in dem arabischen Golfstaat nicht.

Seit Beginn der Proteste im Februar 2011 sind durch die Konfrontation zwischen der mehrheitlich von Sunniten unterstützten Staatsmacht und der von Schiiten dominierten Opposition fast 50 Menschen ums Leben gekommen. Die meisten von ihnen starben bei Straßenschlachten zwischen Demonstranten und der Polizei. Immer wieder kommt es zu blutigen Zusammenstößen. In der vergangenen Woche wurden durch die Explosion eines Sprengsatzes in einem schiitischen Dorf sieben Polizisten verletzt. Kurz darauf attackierten Sunniten einen Supermarkt, der Schiiten gehört.

Am Dienstag berichteten Augenzeugen und Aktivisten, die Polizei habe während Ausschreitungen in dem Dorf Salmabad südlich der Hauptstadt Manama am Montagabend Tränengas eingesetzt. Am Dienstagmorgen beruhigte sich die Lage wieder. Aus mehreren Dörfern wurden jedoch erneut kleinere Protestaktionen gemeldet.

Der vom bahrainischen Innenministerium angeheuerte britische Sicherheitsberater John Yates hat derweil angekündigt, man werde die Sicherheitsmaßnahmen während des Rennens «unauffällig und diskret» halten. Für Fahrer, Rennställe und Fans bestehe kein Risiko. Die Sicherheitskräfte seien auch darauf vorbereitet, mögliche Aktionen von Demonstranten auf der Rennstrecke zu verhindern.

«Vereint: Eine Nation feiert», lautet das Motto der bahrainischen Behörden für den Grand Prix. Er drückt jedoch eher das Wunschdenken des Königshauses aus als die Realität. Denn viele Anhänger der Protestbewegung hatten sich dafür ausgesprochen, das Rennen erneut ausfallen zu lassen. Ihnen geht es darum, nicht den Eindruck zu erwecken, als herrsche in Bahrain wieder Alltag.

Tatsächlich brodelt es unter der Oberfläche ganz gewaltig. Die International Crisis Group veröffentlichte diese Woche eine sogenannte Risikowarnung für Bahrain. Die Experten der Denkfabrik erklärten: «Unter einer Fassade der Normalisierung schlittert Bahrain auf einen neuen Ausbruch der Gewalt zu.» Zur Begründung zitierten sie drakonische Urteile gegen Oppositionelle sowie die mangelnde Bereitschaft der herrschenden Klasse, einen politischen Dialog auf Augenhöhe mit der Opposition zu führen.

Doch der Automobil-Weltverband FIA beugte sich den Forderungen nach einer Renn-Absage nicht. Er sieht sich schlichtweg nicht in der Verantwortung, auf die politische Lage einzuwirken. «Die FIA ist eine Sportorganisation. Wir interessieren uns für den Sport», erklärte FIA-Präsident Jean Todt kühl. Formel-1-Chefvermarkter Bernie Ecclestone stellte derweil die Unabhängigkeit der Urteile von Menschenrechtlern infrage, die zu einem Bahrain-Boykott aufgerufen hatten.

Doch worum geht es eigentlich bei dem Konflikt im Golfstaat, der im Februar 2011 mit friedlichen Demonstrationen für Reformen begonnen hatte? Ermutigt von der Revolution in Tunesien hatten Oppositionelle im vergangenen Jahr versucht, mit Protesten die Umwandlung des Königreiches in eine konstitutionelle Monarchie durchzusetzen, in der nicht mehr der König, sondern das Parlament die Regierung bestimmt. Dies würde einen großen Machtverlust für die Familie von König Hamad bin Issa al-Chalifa bedeuten, der zur Minderheit der bislang privilegierten sunnitischen Muslime gehört. Denn die meisten Oppositionellen gehören der schiitischen Bevölkerungsmehrheit an.

Als die Polizei im vergangenen Februar begann, die Proteste mit Gewalt zu beenden, wurden die Forderungen der Demonstranten radikaler. Sie riefen: «Nieder mit König Hamad!» Auch die Formel 1 blieb von dem Konflikt nicht verschont. Mehr als zwei Dutzend Mitarbeiter der Rennstrecke waren im vergangenen Jahr entlassen worden, weil sie an den Protesten teilgenommen hatten. Sie seien allerdings inzwischen alle wieder eingestellt worden, versichern die Streckenbetreiber.

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