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Kindertagesstätten im Heidekreis beteiligen sich an landesweiter Aktion / Deutliche Kritik von Ver.di und Paritätischem Verein Heidekreis

Neues Kita-Gesetz: “Ja - aber nicht so”

Fachpraxis zu wenig berücksichtigt: Die Novellierung trifft nicht die Punkte, die in den Augen der Fachkräfte wichtig sind. Fotomontage: Paritätischer Verein Heidekreis
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Fachpraxis zu wenig berücksichtigt: Die Novellierung trifft nicht die Punkte, die in den Augen der Fachkräfte wichtig sind. Fotomontage: Paritätischer Verein Heidekreis
WALSRODE - 08. März 2021 - 10:00 UHR - VON REDAKTION

Die fünf Kindertagesstätten des Paritätischen Vereins Heidekreis beteiligen sich an der landesweiten Aktion gegen die Pläne der Niedersächsischen Landesregierung zur Novellierung des Kita-Gesetzes. Gute Qualität in der frühkindlichen Bildung und Erziehung erfordere als Grundlage ein zeitgemäßes Kita-Gesetz. Der jetzt vorgelegte Entwurf sei für alle pädagogischen Fachkräfte eine große Enttäuschung und dürfe so nicht Gesetz werden, heißt es in gemeinsamen Erklärung. Und noch weitere Kindertagesstätten beteiligen sich an der Protestaktion. An einer regionalen Videokonferenz nahmen kürzlich Erzieherinnen und Erzieher aus 66 Kindertagesstätten teil. “Sie reagierten sauer, da der aktuelle Gesetzentwurf immer noch die wichtigsten pädagogischen Notwendigkeiten negiert”, erklärt Ver.di-Sprecher und langjähriger Kita-Landeselternvertreter Heinz-Dieter “Charly” Braun.

Seit 27 Jahren warten Fachkräfte, Eltern, Kinder und Träger niedersächsischer Kitas auf die Reform des Gesetzes. Die Anforderungen für eine qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung haben sich inzwischen erheblich verändert. Die Herausforderungen an die Einrichtungen nehmen stetig zu. Doch das neue Gesetz enthält keine der schon lange geforderten Veränderungen der Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel eine Verbesserung des Fachkraft-Kind-Schlüssels in Kindergartengruppen und die damit verbundene Verbesserung der Arbeitsbedingungen der pädagogischen Fachkräfte.

Kleine Gruppengrößen haben sich bewährt

In einem Schreiben aus Kita und Hort Grünstraße in Walsrode heißt es dazu: “Gerade die (vor allem für Eltern) sehr fordernde Zeit der Lockdown-Notgruppen hat andererseits auch deutlich gemacht, wie viel mehr an Qualität das Arbeiten mit weniger Kindern pro Fachkraft ermöglicht.” Die Gesellschaft sei schon seit Langem im Wandel, was sich auch in Veränderungen in den familiären Situationen zeige. Eine vertrauensvolle Bindung der Kinder an die betreuenden Fachkräfte in den Einrichtungen sei nötiger denn je, doch müsse sich das endlich in einem angemessenen Personalschlüssel zeigen. Im aktuellen Kita-Gesetzentwurf seien keine Verbesserungen vorgesehen. “Wir bitten dringend darum, im Gesetz Folgendes festzuschreiben: pro Kindergartengruppe drei sozialpädagogische Fachkräfte, deutlich mehr Zeit für Vorbereitung, Elternarbeit und mehr Freistellungszeit für Leitungsaufgaben. Wir sind enttäuscht, da wir davon ausgingen, dass dieser Umstand nicht nur allgemein bekannt ist, sondern auch in der neuen Gesetzesvorlage ihren Niederschlag finden würde.”

Die Paritätischen Kindergärten ergänzen: Die Situation, dass 25 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren mit unterschiedlichen Familiensprachen, Interessen, Bedürfnissen und Ressourcen ganztägig von nur zwei Fachkräften betreut und in ihrer Entwicklung gefördert werden, müsse dringend verbessert werden. Diese Maßnahmen seien besonders wichtig, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, den Arbeitsplatz wieder attraktiv zu machen, Fachkräfte zu gewinnen und auf Dauer in der Kita zu halten. Auch das Recht auf einen integrativen Kita-Platz fehle. Eine inklusive Ausrichtung der Angebote der frühkindlichen Bildung sei demnach nicht vorgesehen.

Der Fokus solle nicht auf “kostenneutral” liegen

Gemeinsam mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Niedersachsen setzen sich auch die Verantwortlichen der Kitas im Heidekreis für eine stufenweise Einführung der dritten Kraft in den Kindergartengruppen ein, für eine Erhöhung der Freistellungszeiten für Kita-Leitungen, für eine Erhöhung der Vorbereitungszeiten für pädagogischen Fachkräfte, für eine inklusive Ausrichtung der frühkindlichen Bildung, gegen die Absenkung der fachlichen Standards beim pädagogischen Personal sowie für eine Refinanzierung und gesetzliche Festschreibung von Fachberatung. “Wir fordern die Politik auf, die Novellierung des Kita-Gesetzes zu wirklich qualitativen Verbesserungen zu nutzen und sich nicht auf kostenneutrale Verwaltungsanpassungen zu beschränken. Die Bildungschancen unserer Kinder können nicht kostenneutral verwirklicht werden.” Jeder Cent, den die öffentliche Hand in die Bildung investiere, lohne sich jedoch.

Damit das neue Kita-Gesetz nicht ohne Berücksichtigung der Forderungen aus der Fachpraxis im Landtag verabschiedet wird, planen nicht nur die paritätischen e Kitas Aktionen wie zum Beispiel eine Postkartenaktion mit Unterschriften an den Kultusminister in Niedersachsen, Grant Hendrik Tonne.

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