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Vor 70 Jahren wird die katholische Kirche in Walsrode eingeweiht - Rückblick Teil II

37 Jahre Warten auf eigenes Gotteshaus

Im Jahr 1951: Einweihung der Notkirche durch Bischof Dr. Machens mit seinem Sekretär Heinrich Pachowiak und Pater Alkuin Heibel (von rechts). Foto: Kirchenarchiv St. Maria Walsrode
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Im Jahr 1951: Einweihung der Notkirche durch Bischof Dr. Machens mit seinem Sekretär Heinrich Pachowiak und Pater Alkuin Heibel (von rechts). Foto: Kirchenarchiv St. Maria Walsrode
WALSRODE - 28. Juni 2021 - 22:00 UHR - VON REDAKTION

Die Region des heutigen Heidekreises ist seit der Reformation mehrheitlich protestantisch geprägt. Katholiken spielten bis ins 19. Jahrhundert keine nennenswerte Rolle. Das begann sich allmählich durch das Aufblühen der 1815 gegründeten Pulverfabrik in Bomlitz zu ändern, die immer mehr Fachkräfte aus den unterschiedlichsten Teilen Deutschlands hier her holte. Schließlich entstanden so auch immer wieder Pläne zum Bau einer Kirche. Nach dem der damalige Pater Moeller zum 1. November 1949 von seinem Abt die Abberufung ins Kloster Grüssau-Wimpfen erhalten hatte, war er bei seiner Abreise so auch zuversichtlich, dass es bald zum Bau einer Kirche mit Jugendheim kommen würde.

Am 24. Juli 1950 der erste Spatenstich für den Neubau

Der neue Seelsorger in Walsrode war Erzpriester Felix Wolff (1892-1958), der sich aufgrund der großen Raumnot zügig mit dem Kirchenbauprojekt auseinandersetzte und beim Bonifatius-Verein nach der in Aussicht gestellten finanziellen Unterstützung fragte. Es bedurfte aber beharrlicher Nachfragen, da auch 70 andere Gemeinden ein eigenes Gotteshaus wünschten. Die außergewöhnlich hohe Zahl an katholischen Flüchtlingen in der Region dürfte aber letztlich den Ausschlag gegeben haben, dass die Walsroder Gemeinde vom Verein und dem Bischof die Zusage für die Finanzierung der neuen Kirche erhielt. So konnte am 24. Juli 1950 der erste Spatenstich für den Neubau auf dem Grundstück an der Sunderstraße ausgeführt werden.

“Da pacem, Domine in diebus nostris”

Die offizielle Grundsteinlegung feierte die Gemeinde am 15. Oktober 1950 mit zahlreichen Ehrengästen. Aus Hildesheim wurde der päpstliche Hausprälat und Domkapitular Dr. Wilhelm Offenstein (1889-1964) geschickt, der im Bistum für die “Integration der zugewanderten Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten” verantwortlich war. In seiner Ansprache hob er das gute Verhältnis der beiden Konfessionen hervor. “Schon zur Zeit des braunen Regimes und des Bombenkrieges hätte man Schulter an Schulter gestanden”, stellte der Prälat fest. Er dankte dafür, dass nach dem Krieg “die evangelisch-lutherischen Landeskirche die Türen ihrer Gotteshäuser für die vielen heimatvertriebenen Katholiken” öffnete, und brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass “dieses gute und herzliche Einvernehmen [...] auch in Zukunft bestehen bleiben” möge. Danach vollzog er die Grundsteinlegung “mit den traditionellen drei Hammerschlägen zu den Worten: “Da pacem, Domine in diebus nostris. Herr, gewähre uns Frieden in unseren Tagen”.

Besonders großzügig zeigte sich Direktor Classen

Mit der Erstellung der endgültigen Pläne für die neue Kirche war der Architekt Bernhard Lippsmeier (1885-1958) betraut worden, der schon seit den 1930er Jahren katholische Kirchenbauten entworfen hatte. Stilistisch orientierte er sich am sogenannten Neuen Bauen, das einfache Formen und eine kostengünstige Realisierung der Bauten vorsah. Die meisten Kirchen dieses Architekten entstanden nach dem Krieg um 1950, als er für den Bonifatius-Verein tätig war. Den Bau führten lokale Handwerksbetriebe aus, so das Baugeschäft Karl Ahrens, der Zimmermeister Heinrich Wiechers, der Elektromeister Walter Bierstedt, der Tischlermeister Heinrich Söder, der Glasermeister Walter Quessel, der Installateurmeister Bernhard Lukaszewski und der Dachdeckermeister Willi Thiemann. Um die Kosten niedrig zu halten, leisteten zahlreiche Gemeindemitglieder “ungezählte freiwillige Arbeitsstunden”. Auch die Katholiken in Bomlitz und Benefeld, die zur Walsroder Gemeinde gehörten, brachten sich beim Bau der Notkirche mit ein. Besonders großzügig zeigte sich Direktor Classen, der mit seiner Frau Sybilla einen Großteil der Kosten für den Kirchturm übernahm und eine der drei Glocken stiftete, die der “Rosenkranzkönigin” geweiht wurde. Die zweite Glocke stifteten F. O. Bintz, H. Baltzer und J. Wirth, sie erhielt die Aufschrift “Ruf zum Gebet all unsere Toten in Heimat und Fremde”. Die dritte Glocke war dem zweiten Schutzpatron der Kirche, dem Apostel Judas Thaddäus, gewidmet und wurde von Dietrich Schweinbarth (1901-1976) aus Walsrode und R. Burkardt aus den USA finanziert.

Den Festgottesdienst hielt der amerikanische Pater Alkuin Heibel

Nach nicht einmal einjähriger Bauzeit stand am 24. Juni 1951 die Weihe durch Bischof Machens bevor. Der weite Platz vor der neuen Kirche konnte die große Zahl der Gäste kaum aufnehmen. In seiner Begrüßungsrede führte Erzpriester Wolff aus, dass die Gemeinde 37 Jahre nach dem Kauf des Platzes warten musste, “bis sie ein eigenes Gotteshaus erhielt. 95 Prozent der Gemeinde seien Vertriebene, sie haben ihren irdischen Besitz verloren, nun haben sie wieder ein Gezelt Gottes, wo sie den heißen Durst ihrer Seele stillen können.” Daraufhin vollzog der Bischof den Weiheakt der “Rosenkranzkirche” (Maria der Rosenkranzkönigin). Nachdem “auch das Innere des Gotteshauses den bischöflichen Segen” erhalten hatte, durfte die Gemeinde in die Kirche eintreten, die sofort völlig überfüllt war. Es gab lediglich 300 Sitzplätze.

Den Festgottesdienst hielt der amerikanische Pater Alkuin Heibel von der Benediktinerabtei Mount Angel in Oregon, die einen bedeutenden finanziellen Beitrag zum Bau der Kirche geleistet hatte. In der Festpredigt dankte Bischof Machens “dem Heiligen Vater, der als eine der ersten zu bauenden Kirchen Walsrode vorsah.” Dankenswerterweise fand “der Ruf des Papstes [...] jenseits des Ozeans seinen Widerhall bei den amerikanischen Glaubensbrüdern”, betonte der Bischof.

Die Kirche in Walsrode ist zu klein

Nach dem Tod von Erzpriester Wolff im November 1958 begann Bischof Heinrich Maria Janssen (1907-1988) die geistliche Versorgung in der Region neu zu ordnen. Zunächst gliederte er Anfang 1959 die Kapellengemeinde Benefeld aus der Walsroder Gemeinde aus und verknüpfte sie mit den in Visselhövede zu betreuenden Katholiken. Auch der Hodenhagener Teil wurde von Walsrode abgetrennt und mit Schwarmstedt verbunden. Trotz der Verkleinerung der Kirchengemeinde blieb die Kirche in Walsrode zu klein, sodass die Gemeinde unter ihrem neuen Pfarrer Hubert Gregor (1903-1972) einen umfangreichen Umbau ins Auge fasste. Die Pläne dafür erstellte der Architekt Theo Scholten († 1981) aus Obernhausen, der schon die katholischen Kirchen in Fallingbostel und Benefeld entworfen hatte. Anfang November 1962 begannen die Bauarbeiten, die dann aber bis zum März 1963 aufgrund des langen und harten Winters unterbrochen werden mussten. Das Gotteshaus wurde deutlich verlängert und breiter ausgebaut, der Altarraum erweitert und höher gezogen. Darüber hinaus erhielt die Kirche im hinteren Teil eine bis unter das Dach gezogene Konche (Apsis), die als Taufkapelle dient, und einen mächtigeren Turm mit Kupferdachspitze.

So konnte am 14. Dezember 1963 Weihbischof Heinrich Pachowiak (1916-2000) eine vollständig gewandelte Kirche weihen, die seither den Titel “Sankt Maria vom heiligen Rosenkranz” führt und zur Pfarrkirche erhoben wurde. In seinem Schlusswort resümierte der Weihbischof, dass “die alte Notkirche [...] ein Provisorium” war “und Provisorien seien oft ungemein dauerhaft. Hier aber sei es anders gewesen. Der wachsenden Gemeinde wegen mußte etwas geschehen.” Heute erinnert nur noch der in der Außenmauer befindliche Grundstein von 1950 an die vor 70 Jahren eingeweihte Notkirche.

Thorsten Neubert-Preine

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