Lokales

/lokales/achtung-wild_10_111781922-21-.html/ / 1

Wenn das Tier vor’s Auto springt, was ist nach dem Unfall zu tun?

Achtung, Wild!

Artikelbild
WALSRODE - 04. Oktober 2019 - 14:32 UHR - VON REDAKTION

In Deutschland passiert statistisch gesehen alle zweieinhalb Minuten ein Wildunfall. Wie kann man vorbeugen und was ist zu tun, wenn es zum Unfall gekommen ist? Dazu weiß die Jägerschaft Fallingbostel Rat.

Im ländlichen Bereich sei jederzeit mit Wild im Verkehr zu rechnen, sagt Hans-Jörg Schmidt, mitverantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit in der Jägerschaft, denn schließlich habe der Mensch seine Straßen und Wege durch den Lebensraum der Tiere erschlossen. Die Wildwechsel bestünden teilweise sogar schon seit mehreren hundert Jahren. Durch das Verkehrszeichen “Wildwechsel” wird auf solche Stellen hingewiesen - nicht ohne Grund. An solchen Stellen fresse - “äse” - das Wild gern am Straßenrand oder wechsele die Straßenseite. Insbesondere Neubaustraßen stellten daher eine besondere Gefahrenstelle dar.

Zu gewissen Zeiten im Jahr komme wechselndes Wild häufiger vor. Dazu werde meist die dunkle Jahreszeit (Herbst/Winter) genannt, die jetzt anbricht. Doch warum ist das so? Im Herbst schwindet das saftige Grün, die Landwirte mähen ihre Wiesen, ernten Feldfrüchte und dreschen die Getreidefelder. “Von jetzt auf gleich verlieren die Jungtiere ihre Kinderstube und ihren Spielplatz”, so Schmidt. Hohes, schützendes Getreide, das bis gerade eben noch Nahrung und Unterschlupf bot, sei plötzlich nur noch leeres Stoppelfeld. Der Jäger spreche diesbezüglich von einem “Ernteschock”, den das Wild erleide.

Glücklicherweise würden nicht alle Getreidesorten und Feldfrüchte zeitgleich geerntet. So ziehe dann das Wild in seinem Revier von einem Getreideschlag zum nächsten oder in den Wald - das Wild “wechselt”. Besonders in der Morgen- und Abenddämmerung müssten Verkehrsteilnehmer daher vorausschauend fahren. Schwerpunkte für Wildunfälle seien die Zeiten zwischen 4 und 7 Uhr morgens sowie zwischen 17 bis 23 Uhr in den Abendstunden.

Ein weiterer Grund für die Wildwechsel sind laut Hans-Jörg Schmidt die Brunft- und Paarungszeiten des Wildes. Dabei gehe es um Revierkämpfe und Brunftplätze, die die Hirsche dazu veranlassten Rivalen zu vertreiben und weibliche Stücke zu erobern.

Was ist nun zu tun, wenn Wild auf der Straße erkannt wird? “Als Fahrer sollte man im ländlichen Bereichen mit Wald und Feldern die Geschwindigkeit anpassen, denn nur so schafft man eine realistische Voraussetzung, um überhaupt einen Zusammenstoß zu

vermeiden”, sagt Schmidt. Der Bremsweg bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h auf trockener Fahrbahn betrage bereits 55 Meter. Bei entsprechender Witterung (Regen, Schnee) und ungünstigen Straßenbedingungen (zum Beispiel Laub auf der Straße) verlängere sich der Bremsweg weiter.

“Haben Sie Wild auf der Straße erkannt, verringern Sie Ihre Geschwindigkeit und vermeiden Sie Fernlicht”, rät Schmidt. “Nutzen Sie die Hupe, um auf sich aufmerksam zu machen und das Tier zu erschrecken. Rechnen Sie mit weiteren Tieren, die ebenfalls auf die Fahrbahn treten können.”

Oft wollten Autofahrer dem Wild ausweichen, um einen Zusammenstoß zu vermeiden. Eine Kollision mit einem Wildtier sei jedoch weitaus weniger gefährlicher und schädlicher als ein Ausweichen in den Gegenverkehr oder die Fahrt gegen einen Baum. Hinzu komme, dass der Fahrer nicht wissen könne, in welche Richtung das Tier fliehe. “Halten Sie stattdessen das Lenkrad fest und bremsen Sie, um so eine kontrollierte Kollision einzuleiten”, sagt Schmidt.

Wie wird der Schaden am Fahrzeug dann reguliert? Die durch die Kollision mit einem Wild entstandenen Fahrzeugschäden können durch die Teil- beziehungsweise Vollkaskoversicherung abgedeckt sein - aber nur, wenn die Police dies ausweise, so Schmidt. So gebe es immer noch Teilkasko-Policen, die die Schadensregulierung von der Art des Wildtiers abhängig machten. Diese Teilkasko-Versicherungen zahlten nur dann, wenn der Schaden durch einen Zusammenstoß mit Haarwild entstanden ist. “Prüfen Sie Ihre Versicherungspolice dahingehend, bei welchen Tierarten von der Versicherung ein Wildschaden anerkannt wird”, rät das Jägerschaftsmitglied. Für Schäden durch Nutztiere sei übrigens der Halter des am Unfall beteiligten Tieres verantwortlich.

Damit die Versicherung den Schaden nach einem Wildunfall auch zahle, sei eine Anerkennung des Unfallgeschehens als Wildunfall notwendig. Dazu benötigten Betroffene entsprechende Belege, die sie sich von der Polizei oder vom Jagdpächter ausstellen lassen können. “Außerdem sollten Sie den Unfall und die Schäden fotografisch dokumentieren. Melden Sie den Wildunfall schnellstmöglich Ihrer Versicherung”, so Schmidt. Es könne vorkommen, dass die Versicherung einen Gutachter beauftrage, um das Unfallfahrzeug beschauen zu lassen. “Belassen Sie daher die Unfallspuren am Fahrzeug, bis die Anerkennung als Wildunfall vorliegt.”

Kommentare

Noch keine Kommentare vorhanden.
Diese Beitragsdiskussion wird moderiert. Die Redaktion behält sich das Recht vor, eingereichte Kommentare zu löschen, wenn diese gegen den Verhaltenscodex verstoßen. Ihr Kommentar sowie Ihr vollständiger Name werden in der Beitragsdiskussion veröffentlicht. Einzelne Kommentare können zur Veröffentlichung in der Walsroder Zeitung verwendet werden.
Lesen, was gefragt ist. Wissen, was gemeint ist.
Mit WZ+ die volle Artikelvielfalt erleben. Von Heidjern, für Heidjer.