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Der Weltfilmclub präsentiert am Dienstag “7 Tage in Entebbe” im Capitol-Kino Walsrode

Als Deutsche wieder Juden selektierten

Maschine gekapert: Wilfried Böse (gespielt von Daniel Brühl) und Brigitte Kuhlmann (Rosamund Pike).red
Maschine gekapert: Wilfried Böse (gespielt von Daniel Brühl) und Brigitte Kuhlmann (Rosamund Pike).red
WALSRODE - 07. Oktober 2018 - 20:00 UHR - VON REDAKTION

Am Dienstag, 9. Oktober, zeigt der Weltfilmclub im Walsroder Capitol-Theater den Film “7 Tage in Entebbe”. Beginn ist um 20.15 Uhr.

Am Morgen des 27. Juni 1976 hebt der Air-France-Flug 139 vom Flughafen “Ben Gurion” bei Tel Aviv mit dem Ziel Paris ab. An Bord befinden sich die Deutschen Wilfried Böse (Daniel Brühl) und Brigitte Kuhlmann (Rosamund Pike), Terroristen der “Revolutionären Zellen”, und zwei Mitglieder der “Volksfront zur Befreiung Palästinas”. Sie kapern die Maschine und nehmen die 258 Passagiere und zwölf Besatzungsmitglieder als Geiseln, um so die Freilassung palästinensischer Gefangener in Israel zu erpressen. Das Flugzeug wird nach mehreren Zwischenlandungen nach Entebbe/Uganda umgeleitet, wo sich die Entführer mit ihren Geiseln im Flughafengebäude verschanzen und mit deren Erschießung drohen, um die israelische Regierung zur Erfüllung ihrer Forderungen zu zwingen.

Der Politthriller des brasilianischen Regisseurs José Padilha verknüpft mehrere Perspektiven. Da sind die deutschen Entführer, die trotz des Hintergrunds deutscher Geschichte die Regierung des Staates Israel bekämpfen wollen, woraus sich eine Dynamik zwischen ihnen und ihren palästinensischen Komplizen entwickelt, die wiederum nicht diese historische Belastung haben, sondern ausschließlich die aktuelle Auseinandersetzung im Nahostkonflikt führen. Dann ist da die israelische Regierung, uneins, ob sie dem Weg von Premierminister Jitzchak Rabin, mit Verhandlungen eine friedliche Lösung herbeizuführen, oder dem des Verteidigungsministers Schimon Peres folgen soll, der trotz hoher Risiken auf eine militärische Operation setzt. Ergänzt werden diese Perspektiven durch die einer jüdischen Geisel, die von den Deutschen schon während des Holocaust in ein KZ deportiert worden ist. Und da sind die jungen israelischen Soldaten im Konflikt zwischen dem modernen Leben im Staat Israel und der allgegenwärtigen Bedrohung sowie die historische Besonderheit, dass ein Soldat des israelischen Militärkommandos der Bruder des derzeitigen Ministerpräsidenten ist.

Eingebettet wird die Handlung in einen theatralen Rahmen, den Padilha immer wieder visuell und akustisch mit der Handlung verschränkt und in dem eine Tanztruppe das Stück “Echad Mi Yodea”, das auf einem Lied zum Pessachfest, an dem Juden die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei feiern, aufführt. Was zunächst wie ein Fremdkörper in dem Film wirkt, mündet zum Schluss in einem packenden Finale, einer zentralen Metapher des Films über die Selbstzerfleischung Israels, das sich im andauernden Verteidigungskampf gegen äußere Feinde befindet.

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