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Abiturienten von 1968 trafen sich nach einem halben Jahrhundert wieder in Walsrode / Erinnerung an die Studentenbewegung

Alte Geschichte(n) und kritische Blicke auf heute

Damals war vieles anders: Das mussten die Abiturienten feststellen, die vor 50 Jahren am Walsroder Gymnasium entlassen worden waren und die diesjährige Abschlussfeier besuchten.red
Damals war vieles anders: Das mussten die Abiturienten feststellen, die vor 50 Jahren am Walsroder Gymnasium entlassen worden waren und die diesjährige Abschlussfeier besuchten.red
HüNZINGEN - 28. Juni 2018 - 12:04 UHR - VON REDAKTION

Doch, sie erkannten sich noch, die Walsroder Abiturienten des Jahrgangs 1968. Anlass der Rückkehr in die alte Heimat war die Einladung zur Entlassung der Abiturienten 2018 in der Stadthalle Walsrode. In diesem Jahr wird vielfach an 1968, an die Studentenbewegung erinnert, als auch die Walsroder Abiturienten die Hochschulen, leicht politisiert, im noch geteilten Land stürmten.

Ihren kritischen Geist haben sie sich bewahrt. “Nicht gut, dass nur Leistung prämiert wird. Wo bleiben die Ehrungen für soziales Engagement in der Schule?”, fragte eine Ehemalige, jetzt pensionierte Lehrerin, und fand Zustimmung in den Reihen der Veteranen. Damals waren sie 40 Abiturienten, die beinahe allesamt die Heidestadt zum Studium verließen und heute von Norwegen bis in die USA verstreut sind. Noch ein Vergleich fiel der kritischen Generation auf: Damals wurde nur klassische Musik gespielt, bei der Feier 2018 nur Unterhaltungsmusik aus Film und Pop. “The times they are a-changin‘”, wusste schon Bob Dylan.

Nach der Feier ging es in die Eisdiele zum Erinnerungsaustausch aus der Zeit der Musikbox. Hoch hinaus wollten sie alle, ein wenig nach den Sternen greifen, wie die Jahrgangsleiterin Schröder-Rowitz es sich für die jetzige Jahrgangsstufe in ihrer Rede erhoffte. Den “Alten” ist das im akademischen Umfeld überwiegend gelungen. Beim Revival-Treffen ab dem späten Nachmittag im Forellenhof waren die Erfolge aber keineswegs das Thema. Ein wenig alte Schulgeschichten, Steine, die so manchem wegen seiner sozialen Herkunft von den Pädagogen in den Weg gelegt worden waren, weniger das Lernen, eher ein “Update” der sozialen Kontakte mit einer gehörigen Prise Neugier auf die Biografien der ehemaligen Mitschüler standen im Mittelpunkt.

Die Heimatstadt Walsrode kam im analytischen Vergleich nicht gut weg. Von “desolater Zustand der Innenstadt” über “viel Ramsch” reichte das vernichtende Urteil. Und die Politik? Der Vietnamkrieg tobte vor 50 Jahren, der “Prager Frühling” verblühte, die Notstandsgesetze wurden verabschiedet. Politik drang nicht in den Unterricht. Im privaten Kreis auf noch zivilisierten Partys wurde aber doch über Rudi Dutschke und Co. diskutiert.

Aber wie hieß es auf den Plakaten von 1968: “Auch das Private ist politisch”. Den diesjährigen Eleven geben sie daher die Worte des kritischen Bardens Wolf Biermann auf den Weg: “Nur wer sich verändert, bleibt sich gleich.”

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