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Der Bomlitzer Ehrenfriedhof und seine besonderen Hintergründe: 126 Verstorbene liegen in den Ehrengräbern

Am Ende bleibt ein ewiges Ruherecht

Verwittert: Die Tafeln mit Namen auf dem Ehrenfriedhof in Bomlitz sind nicht mehr in bestem Zustand. Das Forum Bomlitz kümmert sich um diese Steintafeln. red
Verwittert: Die Tafeln mit Namen auf dem Ehrenfriedhof in Bomlitz sind nicht mehr in bestem Zustand. Das Forum Bomlitz kümmert sich um diese Steintafeln. red
BOMLITZ - 01. September 2018 - 13:00 UHR - VON REDAKTION

Ursprünglich war das Feld mit den Ehrengräbern eher am Rand des Bomlitzer Friedhofs angesiedelt. Durch verschiedene Erweiterungen liegt es heute zentral und unübersehbar in der Mitte der Anlage. Im Vorbeigehen wirken die schlichten Bodensteine unauffällig, man muss bewusst näher herangehen, um Namen und Lebensdaten zu erfahren. Einige Steine und besonders die große Gedenkplatte sind schon so verwittert, dass sie überarbeitet werden müssten.

An 126 Verstorbene wird dort erinnert, 85 davon Polen, dazu neben einzelnen Nationalitäten etwa zehn Prozent Russen und zehn Prozent aus dem damaligen Jugoslawien. Die Namen, Geburts- und Todesdaten hat der Kulturverein Forum Bomlitz aufgenommen und damit vor dem Verlust gesichert.

Als die Briten die Region befreiten, richteten sie rund um den Walter-Christoph-Platz in Benefeld das “Liberation Hospital Bomlitz” ein und übergaben es den Polen zur Selbstverwaltung. Polnische Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen aus dem gesamten Landkreis Fallingbostel konnten nun von polnischen Ärzten in polnischer Sprache behandelt werden.

Zu den ersten Patienten gehörten die Opfer des tragischen Unfalls bei der polnischen Hochzeit am 20. Mai 1945. 14 Gäste, die sich bei dieser Feier mit Methylalkohol vergifteten, verstarben am selben Tag und wurden auf dem Bomlitzer Friedhof beigesetzt. Die anderen Opfer wurden ins Walsroder Krankenhaus eingeliefert und verstarben dort. Ihre Gräber findet man auf dem Walsroder Stadtfriedhof.

Zwei Menschen, an die auf dem Ehrenfriedhof erinnert wird, verstarben am 16. April 1945, dem Tag, an dem in der Bomlitzer Region der Krieg durch die Befreiung beendet wurde. Die beiden Franzosen Charles Grandhomme und Suzanne Pointeau waren Kriegsgefangene, hatten die Freiheit vor Augen, wollten fliehen und wurden wahrscheinlich von übereifrigen SS-Soldaten erschossen. Dieselben SS-Soldaten, die nach bisherigen Informationen dafür verantwortlich waren, überlebten den 16. April ebenfalls nicht: Sie wurden bei einem letzten Gefecht bei Jarlingen von den herannahenden britischen Truppen aufgerieben und sind schließlich auf dem Borger Friedhof beigesetzt worden.

Hinter jeder Inschrift auf den Gedenksteinen des Ehrengräberfelds stehen Einzelschicksale, die allein bereits durch die Lebensdaten erste bedrückende Rückschlüsse auf die traurigen und tragischen Hintergründe ihres Todes zulassen. Warum zum Beispiel verstarben die Russinnen Tatjana Jaroschko, Nina Karuasch und Eugenia Matjukin alle am 7. September 1944? Alle drei gehören zu den wenigen Personen auf dem Ehrengräberfeld, zu denen keine Geburtsdaten bekannt sind. Starben sie bei einer Explosion in der EIBIA-Produktion, oder gehörten sie zu den 600 Frauen, die aus Auschwitz kamen und im KZ-Außenlager Sandberg in Benefeld ab dem 3. September 1944 untergebracht waren? Jede Recherche in den noch vorhandenen Archivdaten, um die sich besonders der Bomlitzer Historiker Thorsten Neubert-Preine kümmert, gibt den Opfern ein Gesicht und eine Identität zurück.

Beim Abschreiten der Bomlitzer Ehrengräber fällt nach wenigen Reihen auch eine weitere tragische Besonderheit auf: 39 der 126 Verstorbenen waren Säuglinge und wurden überwiegend nur wenige Monate, oft wenige Wochen oder sogar nur Tage alt. Die Versorgungslage war schlecht, und wenn eine ehemalige polnische Zwangsarbeiterin krank und entkräftet ihr Kind auf die Welt bringen wollte, wurde sie in das Liberation Hospital Bomlitz gebracht. Die Kinder, die nicht überlebten, wurden auf dem Bomlitzer Friedhof beigesetzt. Zu ihnen gehörten unter anderem Lili Nalewajko und Janusz Otremski, die beide am 21. August 1947 starben und nur etwa zwei Monate alt wurden.

Alle Gräber der Menschen, die während des Krieges, während ihrer Zwangsarbeit oder aufgrund der Kriegsumstände fern von ihrer Heimat in den Nachkriegsjahren in der Region Bomlitz verstarben, haben ein ewiges Ruherecht auf dem Friedhof - zur ehrenden Erinnerung und Mahnung.

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