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110 Jahre Kreisfeuerwehrverband im Heidekreis: Hoffnung auf die große Feier im Jahr 2022 zum 112. Geburtstag

Auch in der Krise eine starke Gemeinschaft

Früher Schwerstarbeit: Ein großes Problem in der Anfangszeit der Freiwilligen Feuerwehren war auch die unterschiedliche, oft nicht zusammenpassende Ausrüstung der einzelnen Ortswehren. Die Gründung des Verbandes war so auch ein großer Schritt in Richtung Vereinheitlichung.Foto: Jens Führer
Früher Schwerstarbeit: Ein großes Problem in der Anfangszeit der Freiwilligen Feuerwehren war auch die unterschiedliche, oft nicht zusammenpassende Ausrüstung der einzelnen Ortswehren. Die Gründung des Verbandes war so auch ein großer Schritt in Richtung Vereinheitlichung.Foto: Jens Führer
WALSRODE - 16. November 2020 - 22:00 UHR - VON REDAKTION

Trifft man in diesen Tagen den ersten Vorsitzenden des Kreisfeuerwehrverbandes Heidekreis, Thomas Ruß, wirkt er etwas betrübt. Im November war eigentlich eine ganz besondere Versammlung des Kreisfeuerwehrverbandes geplant: Der Verband feiert nämlich in diesem Jahr seinen 110. Geburtstag. Doch wie auch in vielen anderen Lebenslagen machte die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung. “Die Gesundheit unserer Einsatzkräfte und damit auch die Funktionsfähigkeit der Feuerwehren haben oberste Priorität. Daher haben wir uns schon sehr frühzeitig zur Absage der Versammlung entschieden”, so Ruß.

Zum Rahmen der Versammlung hätte auch die Verkündigung einer Jubiläumsfeier im Jahr 2022 gehört. “112 Jahre - das ist ein guter Anlass für ein Jubiläum mit Feuerwehrbezug”, so der erste Vorsitzende augenzwinkernd. “Außerdem verkürzen wir so die Wartezeit bis zum nächsten “richtigen” Jubiläum, dem 125-jährigen Bestehen im Jahr 2035.” Auch die vergangenen 110 Jahre des heutigen Kreisfeuerwehrverbandes Heidekreis waren zwischendurch immer wieder von großen Krisen, unter anderem zwei Weltkriegen, geprägt. Doch trotz allem hat eine der ersten größeren Bürgerinitiativen bis heute Bestand.

Pflichtfeuerwehren Anfang der 1900er-Jahre

Bereits 1902 wurden alle Städte und Gemeinden von Amtswegen verpflichtet, eine Feuerwehr einzurichten. Für diese Feuerwehren wurden Bürger der jeweiligen Kommune zum Dienst verpflichtet, im Übrigen eine Handhabe, die bis heute vom Gesetzgeber vorgesehen ist, wenn sich nicht ausreichend Freiwillige finden. Mit aktuellem Stand ist dies in vier Kommunen in Deutschland der Fall.

Die Pflichtfeuerwehren Anfang der 1900er-Jahre funktionierten aber nicht immer zuverlässig, sodass trotzdem die große Gefahr bestand, bei einem Feuer sein Hab und Gut zu verlieren. So ist es wohl auch nicht verwunderlich, dass damals viele Männer der Mittelschicht die Initiative zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr in ihren Ortschaften ergriffen. Darunter waren Kaufleute, Firmeninhaber, Bänker und Grundbesitzer sowie alle, die sich für das Feuerlöschwesen begeisterten.

Allerdings gab es damals noch keine einheitlichen Regeln und Normen, sodass sich die Feuerwehren untereinander oft nicht helfen konnten, da zum Beispiel unterschiedliche Schlauchkupplungen verwendet wurden, die nicht zueinander passten. Daraufhin schlossen dich die Freiwilligen Feuerwehren zu Feuerwehrverbänden zusammen, um eine Vereinheitlichung zu erreichen.

Die Gründung in Soltau

Die ersten Freiwilligen Feuerwehren im heutigen Heidekreis wurden in Soltau, Munster und Walsrode gegründet und schlossen sich nach und nach dem am 26. Juli 1868 in Harburg gegründeten Niedersächsischen Feuerwehrverband an. Um einen Kreisfeuerwehrverband zu gründen, musste es erst mehr Freiwillige Feuerwehren in einem Kreis geben. 1910 war es im Kreis Soltau soweit. Am 4. Juli 1910 wurde im Büro des Landrates Dr. von Rappard an der Harburger Straße 2 in Soltau von den Hauptmännern der Freiwilligen Feuerwehren Bispingen, Heber, Hützel, Munster, Schneverdingen und Soltau sowie der Freiwilligen Feuerwehr der Firma Carl Breiding & Sohn aus Soltau der Kreisfeuerwehrverband Soltau gegründet. Zweck des Verbandes war laut Satzung “die Förderung und Ausbildung des Feuerlöschwesens sowie die Hebung und Pflege des kameradschaftlichen Geistes”. Dies sollte durch die “Einführung möglichster Gleichmäßigkeit in der Organisation und Leitung der Feuerwehren, durch Abhalten von Feuerwehrtagen und durch Vorführung von Feuerwehrübungen” erreicht werden. Dieser Verbandszweck steht heute noch in zeitlich angepasster Form in der Satzung des Kreisfeuerwehrverbandes Heidekreis.

Vier Jahre später, im Juni 1914 - kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges - wurde auch der Kreisfeuerwehrverband Fallingbostel gegründet. Mangels fehlender Unterlagen ist nicht bekannt, welche Freiwilligen Feuerwehren von Anfang an dabei waren. Vermutlich waren es die zu dieser Zeit bestehenden Freiwilligen Feuerwehren Rethem, Walsrode, Fallingbostel, Ahlden, Schwarmstedt, Vorbrück, Buchholz, Bierde und Eilte.

Vom Krieg bis zur heutigen Zeit

In den Zeiten des Nationalsozialismus wurde die Feuerwehr unter staatlicher Führung gleichgeschaltet, sodass Feuerwehrverbände keine Berücksichtigung fanden. Nach dem Ende des Krieges kam ihnen allerdings eine wichtige gesellschaftliche Rolle sowie beim Wiederaufbau zu, sodass die beiden Verbände Soltau und Fallingbostel bereits Anfang der 1950er-Jahre wiedergegründet worden sind.

Nach der Kreisreform im Jahr 1977 schlossen sich auch die beiden Kreisfeuerwehrverbände zum 1. Januar 1980 zum gemeinsamen Verband Soltau-Fallingbostel zusammen und waren auch hierbei einer der Vorreiter im nun gemeinsamen Landkreis. Erster Vorsitzender wurde zu dieser Zeit Dieter Schwarze aus Hodenhagen. Im Jahr 1996 folgte ihm dann Hermann Völker (Essel) auf diesem Posten nach. Weitere Vorsitzende waren Uwe Quante (Soltau) und Hartmut Staschinski (Hademstorf). Seit 2018 ist Thomas Ruß (Munster) als erster Vorsitzender im Amt. Seit der Umbenennung des Landkreises Soltau-Fallingbostel in Heidekreis firmiert auch der Kreisfeuerwehrverband seit dem Jahr 2011 unter seinem heutigen Namen. Was sich in 110 Jahren nicht geändert hat, ist der Sinn und Zweck des Kreisfeuerwehrverbandes, nämlich die Förderung des Feuerschutzes sowie die Pflege des Gedankens - und zwar im gesamten Landkreis.

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