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Sternsinger-Aktion in Corona-Zeiten: Erwachsene unterstützen die Kinder und spenden Segen und Aufmunterung

Auf Abstand Nähe zu den Menschen bringen

Tradition unter ganz besondere Bedingungen und mit Maske: Die Sternsinger.Foto: Katholische Kirchengemeinde
Tradition unter ganz besondere Bedingungen und mit Maske: Die Sternsinger.Foto: Katholische Kirchengemeinde
WALSRODE - 13. Januar 2021 - 05:00 UHR - VON REDAKTION

Normalerweise berichtet die katholische Kirchengemeinde zu dieser Zeit von den Kindern, die sich als Könige verkleidet haben und die durch die Straßen ziehen. Aber ein kleines unscheinbares Virus bringt weiterhin alles durcheinander, so auch die Sternsingeraktion, die die größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder weltweit ist. Die Grundidee dabei ist, dass Kinder den Segen in die Häuser bringen und Spenden für andere Kinder sammeln, durch die in rund 100 Ländern Hilfsprogramme unterstützt werden.

Das Motto 2021 lautet: “Kindern Halt geben - in der Ukraine und weltweit”. In der Ukraine sind viele Kinder von einem oder von beiden Elternteilen getrennt, weil die Eltern im Ausland arbeiten müssen. Nach Angaben der Weltbank arbeiten rund 1,5 Millionen der etwa 44 Millionen Ukrainer als Arbeitsmigranten. Zu den Gründen zählen Armut, mangelnde Verdienstmöglichkeiten und niedrige Löhne im eigenen Land. Etwa die Hälfte der Arbeitsmigranten sind Frauen. Die meisten Eltern lassen ihre Kinder in der Heimat zurück, in der Hoffnung, nach einiger Zeit mit genügend Ersparnissen wieder zurückkehren zu können. Im Schnitt geschieht dies aber erst nach zwei bis fünf Jahren. Etwa zwei Millionen Kinder der Migranten wachsen dann bei nur einem Elternteil, bei Verwandten, in Pflegefamilien oder Heimen auf. Allerdings wird laut einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation vermutet, dass jedes fünfte Kind dauerhaft zurückgelassen wird.

Die Sternsingeraktion nimmt diese Kinder in den Blick. Sie zeigt auf, wie sehr sich die lange Zeit der Abwesenheit der Eltern auf die Kinder auswirkt, und wie sie ihnen emotional und sozial schadet. Hilfsorganisationen sollen Familien durch die Spenden in unterschiedlicher Art und Weise unterstützen und die Kinder stärken.

Wie wichtig für Kinder ein stabiles Umfeld und Halt sind, zeigt sich in der Corona-Krise an den eigenen Kindern. Auch sie leiden gerade sehr unter den vielen Einschränkungen und Kontaktverboten. Besonders traurig finden es die Sternsinger-Kinder, dass sie in diesem Jahr nicht durch ihre Gemeinde ziehen können, um den Segen an die Türen zu schreiben. Für diesen Dienst spenden sie ihre Freizeit, um soziale Projekte zu unterstützen und die Welt damit ein kleines bisschen besser zu machen. So können sie zeigen, dass auch Kinder ein Segen für andere sein können.

Normalerweise ist es üblich, dass die Sternsinger um den 6. Januar herum in die Häuser gehen und dort an den Weihnachtsbäumen Texte und Gebete sprechen, Lieder singen und anschließend den Segensspruch 20*C+M+B+21 an die Haustüren schreiben.

Auch wenn sich die Gläubigen durch den Segen gestärkt und von Gott beschützt fühlen, war es für alle selbstverständlich, dass in diesem Jahr Maßnahmen ergriffen werden mussten, durch die die Segensbringer und diejenigen, die sich den Segen wünschen, geschützt werden. Deshalb haben die Erwachsenen, die an den Kirchstandorten die Sternsingeraktion organisieren, die Aufgabe übernommen. Wichtig war ihnen einerseits, Spenden für die Hilfsorganisation zu sammeln, aber auch den Menschen den Segen zu bringen, den alle besonders in dieser Zeit gut brauchen können. Für diesen Zweck wurden an den Kirchstandorten Bad Fallingbostel, Benefeld, Visselhövede und Walsrode Informationstexte zu der Sternsingeraktion, Gebetstexte und ein Aufkleber mit dem Segensspruch in den Kirchen verteilt und unter Einhaltung der Sicherheitsabstände auch in verschiedene Haushalte gebracht. Schon bei der telefonischen Kontaktaufnahme und dann auch bei den Besuchen, zeigte sich, wie dringend die Menschen die Nähe brauchen und wie sehr sich alle nach Normalität und sozialen Kontakten sehnen. Die Organisatorinnen der Sternsinger vor Ort hoffen, dass sie den Menschen mit Abstand etwas Nähe vermitteln konnten. Und auch sie berichteten, wie gut ihnen die Gespräche und Kontakte getan haben. Trotzdem haben allen die fröhlichen Kinder gefehlt, die als Segensspender von Haus zu Haus ziehen.

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