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Serie “Wanderglück”: Von Undeloh, Niederhaverbeck oder Oberhaverbeck führen viel genutzte Wanderwege zum vielleicht prominentesten natürlichen Ausflugsziel der Region

Auf zum Wilseder Berg!

Das Herz der Lüneburger Heide: So wird der Wilseder Berg gerne betitelt und diese Ausblick gewährt die Anhöhe. Foto: Matthias Kabel
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Das Herz der Lüneburger Heide: So wird der Wilseder Berg gerne betitelt und diese Ausblick gewährt die Anhöhe. Foto: Matthias Kabel
EHRHORN - 03. Januar 2021 - 22:00 UHR - VON REDAKTION

In der Serie “Wanderglück” berichtet Autor Matthias Kabel von einer Route zum Wilseder Berg und in die Ortschaft Ehrhorn.

Höchste Erhebung im nordwestdeutschen Tiefland, Vermessungspunkt für die Kartographierung Norddeutschlands, eines der ersten Naturschutzgebiete in Deutschland, Pflichtausflugsziel unzähliger Schulklassen, “das Herz der Lüneburger Heide” oder, etwas geringschätzig, “Gipfelchen” - mit dem Wilseder Berg verbinden sich vielfältige Erinnerungen und Gedanken. Ein lohnenswertes Wanderziel ist er allemal. Von Undeloh, Niederhaverbeck oder Oberhaverbeck führen viel genutzte Wanderwege zum vielleicht prominentesten natürlichen Ausflugsziel der Region.

Vorbei an eindrucksvollen Baumriesen

Doch es gibt auch weniger bekannte Routen. Eine davon beginnt am Forstgut Einem an der Straße, die Wintermoor an der Chaussee in der Schneverdinger Ortschaft Ehrhorn mit Nieder- und Oberhaverbeck, Behringen und Bispingen verbindet. Vorwiegend durch den Wald, später auch über freies Gelände bringt der Weg den Wanderer, vorbei an eindrucksvollen Baumriesen und malerischen Bienenzäunen, bis an den Fuß des Wilseder Berges. Nur das allerletzte Stück ist so etwas wie ein Aufstieg, der aber angesichts einer Gesamthöhe des “Berges” von 169 Metern über dem Meeresspiegel kaum anstrengend ist.

Wissenswertes über Carl Friedrich Gauß

Von oben bietet sich als Belohnung ein weiter Blick über die in jeder Jahreszeit reizvolle Heidelandschaft, die bei entsprechendem Licht geradezu magisch wirkt. Bis nach Hamburg soll man von dort oben schauen können, dafür bedarf es allerdings einer besonders klaren Sicht. Dichter dran und deshalb besser sichtbar ist zum Beispiel der neue Aussichtsturm im Wildpark Lüneburger Heide. Die Bänke auf dem “Gipfel”-Plateau des Wilseder Berges sind so aufgestellt, dass der Blick beim Ausruhen oder beim Picknick in die Ferne schweifen kann. Die “Gauß-Säule”, ein Gipfelstein mit Metallkappe und Entfernungsangaben zu umliegenden Orten, sowie ein Gedenkstein mit Gauß-Porträt erinnern an Carl Friedrich Gauß, den damaligen Leiter der Sternwarte Göttingen, der im Jahr 1820 den Auftrag zur Vermessung des Königreichs Hannover von König Georg IV. erhielt und auf dem Wilseder Berg einen Vermessungspunkt installierte.

Weitere Vermessungspunkte gab es unter anderem in Hamburg und Bremen und auf den Nordseeinseln Wangerooge und Neuwerk. Auf der Rückseite des Zehn-D-Mark-Scheins war das Gauß’sche Vermessungsnetz abgebildet. Der Wilseder Berg hat nicht nur eine mathematische-geographische, sondern auch eine geologische Geschichte: Entstanden ist er in der vorletzten Eiszeit, als riesige Gletscher Unmengen an Gesteinsmaterial aus Skandinavien mit nach Norddeutschland brachten. Birken, Wacholder, Heidelbeeren, Besen- und Glockenheide wachsen an den Hängen.

Wilhelm Bode machte sich verdient mit vielen Aktionen

Um die einzigartige Landschaft zu erhalten, kaufte 1910 der Verein Naturschutzpark (VNP) auf Initiative des Egestorfer Pastors Wilhelm Bode den Wilseder Berg, den die preußische Regierung 1921 unter Schutz stellte. Bis heute ist das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide eines der ersten und größten in Deutschland. Wilhelm Bode machte sich auch durch zahlreiche andere erfolgreich umgesetzte Projekte - zentrale Wasserversorgung und Raiffeisenkasse in Egestorf, genossenschaftliches Krankenhaus in Salzhausen und vieles weitere - wie kaum ein anderer um die Region und ihre Menschen verdient. “Konflikte um sein Engagement für den Naturschutz und Beschwerden wegen seiner Amtsführung” führten 1924, so der Heimatverein Egestorf, zur Entlassung Bodes aus dem Pfarramt. Nach seinem Tod 1927 wurde Wilhelm Bodes Asche auf dem Wilseder Berg verstreut. Die Gemeinde Egestorf feierte im Jahr 2010 den 150. Geburtstag des Pastors, eine Büste an der Egestorfer Kirche erinnert an ihn.

Die Fakten zur Wanderung

Die Wanderung beginnt am Waldparkplatz beim Forstgut Einem zwischen Wintermoor an der Chaussee und Niederhaverbeck und führt zunächst am idyllisch gelegen Forstgut, das heute eine Pension ist, vorbei. Immer dem Weg folgend, mal etwas auf-, dann abwärts, erreicht man eine Weggabelung, die durch drei dort abgelegte Betonringe kaum übersehen werden kann. Die beiden von hier aus weiterführenden Wege wirken etwa gleich bedeutend, doch der rechte ist der richtige. Nun wird eine offene Fläche erreicht, die nach links hügelartig ansteigt.

Immer am Fuß dieses Hügels, bei dem es sich noch nicht um den Wilseder Berg handelt, entlang, bis zu einer Wegkreuzung. Dort geht es nach rechts zum Heidetal und nach Ober- und Niederhaverbeck. Nach links führt der Weg hoch zum Wilseder Berg, der nach kurzem Anstieg erklommen ist. Das Gipfelplateau lädt zum Gucken und Rasten ein.

Gut gerüstet ist, wer daran gedacht hat, etwas zu trinken, einen Imbiss, Fernglas und Kamera mit Teleobjektiv mitzubringen. Auch ein Schal ist wegen des oben häufig herrschenden Windes sinnvoll. Wer weiter wandern will zum einsam gelegenen Heidedorf Wilsede, folgt den Wegweisern. Das kleine Dorf mit gerade mal 29 Einwohnern, mit dem Heidemuseum “Dat ole Huus”, mit reetgedeckten alten Häusern und Schafställen, lohnt einen Besuch. Der Rückweg vom Wilseder Berg nach Einem folgt dem gleichen Verlauf wie der Hinweg. Alternativ ist ein Umweg über Niederhaverbeck möglich Einkehrmöglichkeiten gibt es - je nach Jahreszeit - in Wilsede, Oberhaverbeck und Niederhaverbeck. Im Forstgut Einem am Start- und Endpunkt der Wanderung werden Gäste von April bis November bewirtet.

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