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Besucher zeigten sich gespannt auf das achte Sommerkonzert in der Stadtkirche / “Die Offenbarung” von Robert Schneider

Bach-Kompositionen und Roman vereint

Ein Team beim Sommerkonzert: Holger Brandt und Werner Schäfer bei der Abstimmung des Programms “Bach 333”.
Ein Team beim Sommerkonzert: Holger Brandt und Werner Schäfer bei der Abstimmung des Programms “Bach 333”.
WALSRODE - 28. August 2018 - 16:04 UHR - VON MäRIT HEUER

Die Sommerkonzert-Besucher wissen, dass Kantor Holger Brandt immer mal wieder auch ganz neue Musiker und andere Ideen in die Veranstaltungsreihe integriert. Vergangenen Sonntag war es die Zusammensetzung von Orgelspiel und Lesung.

Brandt selbst trat als Organist und Freund von Bach-Kompositionen in den Mittelpunkt. Er sprach bei der Begrüßung von einer Idee, die er schon lange im Hinterkopf gehabt habe. Der 333. Geburtstag von Johann Sebastian Bach (1685-1750) sei für ihn der richtige Zeitpunkt, um die Musik mit “Die Offenbarung”, einem Roman von Robert Schneider, in Verbindung zu bringen. Denn darin geht es um ein vermeintliches Werk von Bach, das durch Zufall gefunden wurde.

Robert Schneider, Jahrgang 1961, ist ein österreichischer Schriftsteller. Er hat den Roman 2007 veröffentlicht, der derzeit auch sein jüngster ist. Vorausgegangen war ein abgebrochenes Studium in Theaterwissenschaft, Kunstgeschichte und Komposition. Schneider arbeitete als Fremdenführer und Organist. Mit “Schlafes Bruder” hat Schneider Einzug gehalten in die Geschichte bekannter Schriftsteller. Es folgten sechs weitere Romane, die allerdings nicht den Stellenwert erreichen konnten.

Bei “Die Offenbarung” geht es um eine tragische Figur - einen Komponisten. Jakob Kemper ist ein gescheiterter und auch gekränkter Musikforscher, der die Orgel in der Naumburger Wenzelskirche spielt. Die Kirche gibt es wirklich und auch die Orgel, erzählte Holger Brandt. Johann Sebastian Bach und Gottfried Silbermann, der bedeutendste Orgelbauer der Barockzeit, hätten der Geschichte der Orgel zufolge einst die Prüfung derselben übernommen. Mit diesen historischen Fakten hat Schneider die Spur zum Roman mit Raffinesse aufgenommen. Das Leben eines gescheiterten Mannes gerät durch den spektakulären Fund eines Bach-Werkes aus den Fugen. Der Roman selbst spielt dagegen erst in der DDR-Zeit, wobei der Hauptteil in der Zeit der Wende zu sehen ist. Für die Lesungen stand Pastor Werner Schäfer zur Verfügung.

Eingestimmt auf das fortlaufende Programm wurden die Zuhörer mit einem Ursprungswerk von Johann Ernst Prinz von Sachsen-Weimar für Streicher, das von Johann Sebastian Bach umgeschrieben worden war: “Concerto G-Dur BWV 592”. Danach folgte die Lesung mit der Feststellung von Jakob Kemper, dass sein Leben eine einzige Kränkung gewesen sei und seine Bemühungen zum Scheitern ausgelegt waren. Die “Sonate G-Dur BWV 530” folgte, die das großartige Können des Organisten zum Ausdruck bringt. Einst hatte Bach das Werk für seinen Sohn Johann Friedemann als Unterrichtsmaterial geschrieben. Mit der linken Hand wird das eine Soloinstrument gespielt, mit der rechten ein weiteres und mit den Füßen noch eines, wie das Cello. Vivace, Lente und Allegro - und zwischendurch die Lesungen. Das kränkelnde Kind Jakob Kemper muss lernen, die Schwerkraft zu überwinden, indem es über die Emporbrüstung läuft, die Strafe wäre dann die Schwerelosigkeit mit dem freien Fall.

Für Organist Holger Brandt gehört zu einem Programm mit Bach-Werken auf jeden Fall auch eine Choralbearbeitung, sodass die Zuhörer auch in diesen Genuss kamen. Aus den sogenannten Leipziger Chorälen wurde gespielt. Als großes Werk von Bach sieht Holger Brandt “Fantasie und Fuge g-moll BWV 542”. Ein Stück in der musikalischen Weltliteratur, das die Zuhörer begeisterte und für stehenden Applaus sorgte.

Wer mehr von Holger Brandts Orgelspiel möchte, hat Ende des Jahres die Möglichkeit, sich den Hörgenuss nach Hause zu holen - mit einer aufgenommenen CD.

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