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Im Weltvogelpark in Walsrode gibt es nicht nur Flamingos, Kolibris und andere gefiederte Tiere - auch Faultier Bilbo ist dort zuhause

Bilbo, der Bewohner ganz ohne Gefieder

Gestatten, Bilbo das Faultier. Zusammen mit den Kleinschmetterlingen, die in seinem Fell wohnen, pflegt er eine ganz besondere Freundschaft. Foto: Weltvogelpark Walsrode
Gestatten, Bilbo das Faultier. Zusammen mit den Kleinschmetterlingen, die in seinem Fell wohnen, pflegt er eine ganz besondere Freundschaft. Foto: Weltvogelpark Walsrode
WALSRODE - 02. August 2021 - 16:13 UHR - VON REDAKTION

Im Weltvogelpark haben es sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die Federn geschrieben, den Gästen bei ihrem Besuch die spannende Welt der Vögel näher zu bringen - es gibt immerhin über 10.000 bekannte Vogelarten, und jede Vogelgruppe hat eine ganz eigene Anpassung an ihren Lebensraum und eine besondere Geschichte zu erzählen. Besonders das Thema “Fliegen” fällt beim Gedanken an Vögel natürlich sofort ein: Welche Vögel können fliegen, warum können sie das, welche von ihnen haben das Fliegen wieder abgeschafft und gibt es auch andere Tiere, die fliegen können?

Schmetterlinge im Weltvogelpark

Ja, die gibt es - und genau aus diesem Grund sind im vergangenen Jahr Schmetterlinge im Park eingezogen. Diese sind ebenfalls wahre Flugkünstler, die nach ihrer Umwandlung von der Raupe zum Schmetterling von Blüte zu Blüte fliegen, um an ihre Nahrung, den süßen Blütennektar, zu kommen. Dabei bestäuben sie, ähnlich wie Loris und Kolibris, viele Pflanzenarten und spielen eine wichtige Rolle beim Erhalt gefährdeter Pflanzen.

Wieso ein Faultier?

Aber was hat das mit dem Faultier Bilbo zu tun, das zwischen Kolibri, Flamingo und Pinguin im Weltvogelpark lebt? Die Welt der Tiere ist in vielerlei Hinsicht miteinander vernetzt: Das Fell der Faultiere ist ein kleines, eigenes Ökosystem und dient unter anderem als Wohnung für Kleinschmetterlinge. So entsteht eine Symbiose zwischen Faultier und Schmetterling. Sogenannte “Faultiermotten” haben sich auf das Leben im Fell der Faultiere spezialisiert, wo sie sich von Hautsekreten und dort wachsenden Algen ernähren. Die Weibchen legen ihre Eier in den Exkremente der Faultiere ab. Dort können sich die aus den Eiern schlüpfenden Raupen von Pflanzenresten und Bakterien ernähren. Nach der Umwandlung suchen die fertigen Falter erneut das Fell eines Faultieres auf.

Eine vorteilhafte Beziehung

Auch die Faultiere gehen bei dieser besonderen Freundschaft nicht leer aus - so liefern die Faultiermotten wichtige Nährstoffe für die im Fell wachsenden Algen, die bei der Fellpflege von den Faultieren als fettreiche Zusatznahrung mit aufgenommen werden und ihrem Fell zudem die grüne Tarnfarbe geben, mit der sie im Blätterdach der Bäume in ihrem Lebensraum, den Regenwäldern Südamerikas, fast komplett unsichtbar werden.

Es wird romantisch

Wenn sich zwei Faultiere miteinander paaren, dann bringen sie dabei übrigens Schmetterlinge zum Fliegen - was wirklich sehr romantisch klingt, ist tatsächlich Realität. Wenn sich Faultiere näherkommen, dann nutzen die Kleinschmetterlinge diesen Moment nämlich gern dazu, um ihre Wohnung zu wechseln - so werden neue Lebensgemeinschaften gebildet und auch der Genpool wird vergrößert.

Der Name ist Programm

Und was gibt es noch Spannendes über das Faultier zu berichten? Der Name des Tieres ist Programm. Faultiere pflegen einen faulen Lebensstil. Sie ruhen und schlafen viele Stunden am Tag und bewegen sich nur sehr langsam fort. Aufgrund der energiearmen Pflanzennahrung sind sie Weltmeister im Energiesparen. Es kann einen Monat dauern, bis ihre Nahrung verdaut ist. In der Regel müssen sich Faultiere auch nur einmal in der Woche erleichtern. Das ist ein riesiger Unterschied zu den meist quirligen Vögeln, so haben Faultiere auch den langsamsten Stoffwechsel aller Säugetiere.

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