Lokales

/lokales/brgerinitiative-in-walsrode-will-mit-sachargumenten-fr-ein-nein-beim-brgerentscheid-zum-heidekreis-klinikum-werben_10_112005276-21.html/ / 1

Initiatoren wollen “korrekten Kenntnisstand vermitteln”, das Thema präsenter machen und für die Fragestellung sensibilisieren

Bürgerinitiative in Walsrode will mit Sachargumenten für ein “Nein” beim Bürgerentscheid zum Heidekreis-Klinikum werben

Die ersten Plakate hängen bereits: Die Bürgerinitiative möchte das Thema “Bürgerentscheid” präsenter machen - und setzt darauf, dass die Bürger ihren Argumenten folgen und bei der Abstimmung am 18. April mit “Nein” stimmen - und damit gleichzeitig für die Fortführung der Neubauplanungen am Standort in Bad Fallingbostel. Foto: Hillmann
Die ersten Plakate hängen bereits: Die Bürgerinitiative möchte das Thema “Bürgerentscheid” präsenter machen - und setzt darauf, dass die Bürger ihren Argumenten folgen und bei der Abstimmung am 18. April mit “Nein” stimmen - und damit gleichzeitig für die Fortführung der Neubauplanungen am Standort in Bad Fallingbostel. Foto: Hillmann
WALSRODE - 23. März 2021 - 15:49 UHR - VON JENS REINBOLD

Wie wichtig die Abstimmung im Rahmen eines Bürgerentscheides über die Zukunft des Heidekreis-Klinikums am 18. April sein könnte, ist offenbar noch nicht bei allen Menschen angekommen. Eine Bürgerinitiative in Walsrode hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Menschen zu informieren, aber auch zu motivieren, an der Abstimmung Mitte April teilzunehmen.

Es ist schon ziemlich bemerkenswert, was sich derzeit im südlichen Heidekreis tut. In fast allen Kommunen bilden sich Bürgerinitiativen, die nicht gegen, sondern für etwas sind, das ohnehin greifbar nahe zu sein scheint: ein neues zentrales Krankenhaus am Standort “F4” in Bad Fallingbostel, das die medizinische Versorgung des Heidekreises für die Zukunft sichern soll.

Gründung vor anderthalb Wochen

Auch in Walsrode hat sich vor etwas mehr als einer Woche eine Initiative gegründet. Die Mitglieder sind getrieben von der Befürchtung, dass der Bürgerentscheid am 18. April diese Riesenchance zunichtemachen könnte. Nicht, weil die besseren Argumente fehlen würden oder eine Mehrheit im Heidekreis das Vorhaben ablehne, sondern weil wichtige Informationen zum Entscheid bisher nicht überall angekommen seien und die Menschen am 18. April womöglich aus Behäbigkeit nicht von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen könnten. Und dann ist ja da auch noch die etwas verquere Fragestellung, die ein Kreuz beim “Nein” erfordert, wenn das neue Klinikum in Bad Fallingbostel errichtet werden soll.

Fünfköpfiges Team in der ersten Reihe

“Wenn wir jetzt nichts machen, dann könnte es schlecht aussehen”, fasst Mitinitiator Lars Böttcher die Ausgangsmotivation des fünfköpfigen Teams zusammen. Martin Plesse, Marcel Kirschner, Robert Juhas und Mechthild Exner-Herforth gehören ebenfalls zum Organisationsteam, allesamt sind nicht nur gut vernetzt, sondern pflegen auch eher den gepflegten Ton. Krawallmacherei, Polemik und auch Aktionismus liegen ihnen fern. Wenn sie erklären, was sie vorhaben, geht es deshalb auch kaum um die “Gegenseite” vom Bürgerbegehren, “wir stellen allerdings fest, wie schmal der Kenntnisstand der Bevölkerung ist”, sagt Kirschner, “wir wollen aufklären und einen korrekten Kenntnisstand vermitteln”. Martin Plesse, Fraktionssprecher der Walsroder Bürgerliste, ergänzt: “Und das völlig überparteilich, denn es geht um die Sache, und die ist uns total wichtig.”

Damit einher geht das Ansinnen, die Menschen zu motivieren, zur Abstimmung zu gehen - und dabei sei die Vermittlung der Wichtigkeit der Entscheidung der entscheidende Hebel. “Das Interesse für das Thema scheint teils nicht vorhanden”, hat Juhas festgestellt - aber auch schon eine leichte Trendwende vernommen, seit sich überall in den südlichen Regionen des Landkreises Menschen zu Wort melden; sei es in Bürgerinitiativen oder auch in sozialen Netzwerken. “Da kommt nun Bewegung rein”, findet Juhas, der bereits länger als Moderator auf der Facebook-Seite “EIN Heidekreis-Klinikum in Bad Fallingbostel - Wir sind EIN Heidekreis!” für seine Sache argumentiert.

Für komplizierte Fragestellung sensibilisieren

Mechthild Exner-Herforth hat sich vorgenommen, “die Argumente sachbasiert nach vorne zu bringen”. Bei vielen Bürgern sei ja bezüglich der Heidekreis-Diskussionen inzwischen eine Art Filter vorgeschaltet, “wir müssen versuchen, dass wir die Menschen offen auf die Argumente blicken lassen können”, deshalb gelte es nun, aktiv auf die kommenden vier Wochen zu schauen, “und dabei geht es nicht um Schlammschlachten”. Und dann ist da ja noch die Sache mit der etwas komplizierten Fragestellung im Bürgerentscheid. “Die Beantwortung funktioniert nicht intuitiv”, sagt Exner-Herforth, wer mit “Ja” stimme, sei eben nicht für den Standort F4, sondern gefährde womöglich die zukunftsfeste Sicherung der medizinischen Versorgung im Heidekreis, “das muss den Menschen genau erklärt werden”, findet sie.

Die Grenze in den Köpfen

Marcel Kirschner wundert sich als “Zugereister” vor allem über die verhärteten Fronten entlang der alten Kreisgrenzen. “Ich komme aus Sachsen”, sagt der Lehrer, aber er habe den Eindruck, dass die frühere Kreisgrenze aus den 1970er Jahren sehr stabil in manchen Köpfen vorhanden sei und das Zusammenwachsen der Bundesrepublik in den 1990er Jahren erheblich schneller funktioniert habe. “Ich habe diese Grenze im Heidekreis ganz lange nicht wahrgenommen”, er empfinde diese Grenze in den Köpfen als “befremdlich und schade”, sagt er.

“Wir wollen begeistern”

Der Blick der Bürgerinitiative geht vor allem nach vorne. “Wir wollen begeistern”, sagt Böttcher, “und wir stehen allen offen - auch Menschen aus dem Norden.” Denn im Kern gehe es um eine gute Gesundheitsversorgung für den gesamten Heidekreis - und die beträfe alle Bürger des Landkreises.

Und das plant die Initiative konkret:

Die ersten Plakate mit dem demonstrativen “Nein” zum Bürgerbegehren hängen bereits, weitere Bauzaun- und Laternenplakate sollen an stark frequentierten Bereichen folgen. Für die Kaufmannschaft stellt die Bürgerinitiative Din-A-1-Plakate bereit, die gut sichtbar im Schaufenster oder vor der Eingangstür positioniert werden könnten. Außerdem wollen die fünf Organisatoren mithilfe weiterer Personen in der zweiten Reihe direkt auf die Menschen zugehen. So sind in Walsrode oder an den Dorfläden in den Orten Informationsstände geplant.

Auch eine andere gewaltige Aufgabe haben sich die Initiatoren gestellt: Sie wollen an die 30.000 Menschen des Stadtgebiets händisch Informationsmaterialien verteilen und - wenn es möglich ist - dabei mit den Bürgern an der Haustür ins Gespräch kommen. Zudem wollen sie Ortsvorsteher und auch Vereine mit ins Boot holen. “Wir hoffen, dass die Menschen ins Gespräch kommen, dass das Thema präsent wird”, sagt Mitinitiator Robert Juhas.

Finanzielle Zuwendungen des Heidekreis-Klinikums erhalten die Initiatoren übrigens nicht, bislang sind sie für die Materialien in Vorleistung gegangen. Wer möchte, kann die Initiative allerdings unterstützen. Dazu wurde extra ein Konto bei der Kreissparkasse Walsrode eingerichtet. Name: Lars Böttcher, IBAN: DE09 2515 2375 0045 3732 14. Da die Gruppe nicht als gemeinnützig anerkannt ist, können allerdings keine Spendenbescheinigungen ausgestellt werden. Nach Ende der Initiative werden überschüssige Mittel dem Heidekreis-Klinikum für den Bereich Kinder, Kunst und Palliativ weitergereicht.

Unterstützung erhoffen sich die Initiatoren vor allem aber auch auf einem anderen Feld: Für diverse Aktionen werden Helfer gesucht. Interessenten können über die Webseite www.bi-krankenhaus-walsrode.de Kontakt aufnehmen.

Kommentare

Noch keine Kommentare vorhanden.
Diese Beitragsdiskussion wird moderiert. Die Redaktion behält sich das Recht vor, eingereichte Kommentare zu löschen, wenn diese gegen den Verhaltenscodex verstoßen. Ihr Kommentar sowie Ihr vollständiger Name werden in der Beitragsdiskussion veröffentlicht. Einzelne Kommentare können zur Veröffentlichung in der Walsroder Zeitung verwendet werden.