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Wegen des Brexits benötigt Großbritannien demnächst ein Generalkonsulat - und das könnte in Walsrode entstehen

Briten werfen Auge auf HKK-Gebäude

Bald Generalkonsulat? Das Gebäude des Heidekreis-Klinikums bietet eine optimale Infrastruktur. Per Brief hat sich das britische Außenministerium informiert, ob die Liegenschaft womöglich als Generalkonsulat Großbritanniens infrage kommt.
Bald Generalkonsulat? Das Gebäude des Heidekreis-Klinikums bietet eine optimale Infrastruktur. Per Brief hat sich das britische Außenministerium informiert, ob die Liegenschaft womöglich als Generalkonsulat Großbritanniens infrage kommt.
WALSRODE - 01. April 2019 - 04:00 UHR - VON JENS REINBOLD

Es klingt auf den ersten Blick abenteuerlich, was in den vergangenen Tagen hinter vorgehaltener Hand von Kreistagspolitikern getuschelt worden war. Eine (vertrauliche) Mitteilung des Landrats Manfred Ostermann an die Fraktionssprecher der Kreistagsparteien hatte für Aufsehen gesorgt, darin geht es um die Nachnutzung des Krankenhauses in Walsrode.

Viele Möglichkeiten werden da aufgezählt. Ein Altenheim käme als Verwendungszweck infrage, auch ein Ableger einer Hochschule oder Universität wird ins Spiel gebracht. Doch schon etwas konkreter scheint da ein anderer Verwendungszweck zu sein. Ganz zum Schluss dieser E-Mail, die der WZ vorliegt, weist die Kreisverwaltung auf eine Anfrage des “Foreign and Commonwealth Office” - also des britischen Außenministeriums - hin, das sich nach Lageplan und Raumaufteilung des Gebäudes an der Robert-Koch-Straße erkundigt hat. In etwas gestelztem Deutsch ist darin auch die Rede davon, “ob Verantwortliche des Hospitals und des Kreisamtes Bereitschaft verbringen, uns britischen Freunden die Tür zu einer Inspektion zu öffnen?”.

Auf Nachfrage der WZ wollen sich weder Landkreis-Verantwortliche noch Walsrodes Bürgermeisterin Helma Spöring konkret zu dem Thema äußern, Spöring erklärte lediglich: “Wenn das HKK den Standort aufgibt, wären wir über eine möglichst nachhaltige Nachnutzung froh - egal ob als Generationenhaus oder als Generalkonsulat.”

Dem Vernehmen nach kommt die Nachfrage aus dem britischen Außenministerium für politische Beobachter im Landkreis gar nicht einmal so überraschend. Schon länger ist klar, dass nach dem Brexit - also dem Ausstieg Großbritanniens aus der EU - neue Strukturen entstehen müssen, um die im Ausland lebenden britischen Staatsbürger betreuen zu können. Und da im Heidekreis auch nach dem Abzug der britischen Truppen noch viele Bürger aus dem Vereinigten Königreich leben, sei es nur logisch, dass sich Verantwortliche auch im Landkreis umschauen.

Überraschend indes dürfte sein, dass dieses Generalkonsulat das einzige im Norden Deutschlands werden soll, wie es aus dem Schreiben heißt, das Sir Toby Pommeroy unterzeichnet hat. Sir Pommeroy ist “State Secretary”, also so etwas wie ein Staatssekretär im Außenministerium. Derzeit betreibt das Königreich lediglich ein Generalkonsulat - und zwar in Düsseldorf, das künftig den süddeutschen Raum abdecken könnte.

So sollen - laut Schreiben - im ersten Schritt 200 Mitarbeiter in einem solchen Walsroder Generalkonsulat ansässig werden, zudem werden auch Stellen vor Ort angeboten, etwa für Instandhaltung und Küche. Später sollen bis zu 500 Menschen in dem Gebäude arbeiten. Dabei spiele der Zeitplan für den Neubau des Heidekreis-Klinikums eine wichtige Rolle. Für eine Übergangszeit könnte zwar das britische Konsulat in Hamburg Aufgaben wie Visum-Erteilungen übernehmen, dort allerdings seien die Räumlichkeiten am Standort “Hohe Bleichen” sehr begrenzt. Deshalb wollen die Briten spätestens am 1. April 2024 das HKK-Gebäude kaufen, um bereits ein Jahr später dort den Betrieb aufzunehmen.

Der Staatssekretär schreibt weiter, dass vor allem die Infrastruktur am HKK-Gebäude für die britischen Verantwortlichen interessant sei - allem voran der bestehende Hubschrauberlandeplatz auf dem Gelände. Einen solchen benötigen Konsulate, und neue Hubschrauberlandeplätze in bebauten Gebieten genehmigt zu bekommen, sei schwierig. Zudem verfüge der Komplex nicht nur über hinreichend Räumlichkeiten und eine gut ausgestattete Großküche, sondern auch über gewisse sicherheitstechnische Vorteile, die allerdings nicht näher beschrieben werden.

Ein bisschen in die Karten gucken lässt sich das britische Außenministerium dann doch: Im Schreiben wird grundsätzlich schon einmal nach den Besitzverhältnissen des “grünen Streifens am Vorderhaus” (gemeint ist wohl der Fulde-Park) nachgefragt, gleichzeitig möchte Sir Pommeroy wissen, wie schwierig es rechtlich sei, die Robert-Koch-Straße komplett für Verkehr zu schließen. “Das Sicherheitsbedürfnis ist enorm”, heißt es in dem Schreiben, “wir werden im Einvernehmen mit den verörtlichten Offiziellen herstellen, dass große Zäune das Land des Konsulats schützen, auch Personal unter Waffen wird vorgehalten”, heißt es in dem Schreiben.

Wie das alles in Realität aussehen könnte, wollen die britischen Verantwortlichen vor Ort klären. “Dann nämlich, wenn im Land gesichert ist, wann und wie wir das Europaeische United verlassen”, lautet der Schlusssatz des Briefes.

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