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Mohammad Khir Darwish und Mustafa Kalaagg hoffen auf Unterstützung von Muttersprachlern

Das Ziel: Deutsch sprechen können

Können zwar fast alles lesen, aber nicht verstehen: Mohammad Khir Darwish (links) und Mustafa Kalaagg bitten um Hilfe.Foto: Scheele
Können zwar fast alles lesen, aber nicht verstehen: Mohammad Khir Darwish (links) und Mustafa Kalaagg bitten um Hilfe.Foto: Scheele
BAD FALLINGBOSTEL - 02. Oktober 2019 - 08:00 UHR - VON JOHANNA SCHEELE

“Wie oft kommt es denn vor, dass Sie etwas nicht verstehen, wenn es auf einer Tafel steht?” Die beiden Männer versuchen angestrengt, der Frage zu folgen. Nach einigem Hin und Her muss Mohammad Khir Darwish lachen. “Ich habe an eine Tafel Schokolade gedacht.” Deutsche Sprache - Schwere Sprache. Während Muttersprachlern oft gar nicht auffällt, was ein Wort alles für Bedeutungen haben kann, haben es andere mit Deutsch als Fremdsprache schwer. Die Tafel in der Schule, die Schrifttafel, die Tafel Schokolade oder die Tafel, bei der bedürftige Menschen Essen erhalten - da muss sich erst einmal jemand zurechtfinden.

Darwish und Mustafa Kalaagg fällt das oft sehr schwer. Beide leben mit ihren Familien seit rund drei Jahren in Deutschland. Zum Sprachkurs gehen beide, doch das reiche oft nicht. “Grammatik wird dort gut vermittelt, doch zuhause spreche ich Arabisch.” Mustafa Kalaagg wünscht sich Kontakt zu deutschen Muttersprachlern, um auch abseits des Kurses Deutsch in der Praxis anwenden zu können. “Und wenn zuhause mal Deutsch gesprochen wird, dann fehlt jemand, der sagt, das ist richtig oder das ist falsch.” Eine Bekannte der beiden hat sich an die WZ gewandt, “vielleicht findet sich ja jemand, der Lust und Zeit hat”.

Auch das Einkaufen hat anfangs lange gedauert - Vollmilch, fettarme Milch, laktosefreie Milch, Kondensmilch. Bis da die richtige Milch im Einkaufswagen landet, dauert es eine Weile. “Wir können das mittlerweile zwar alles lesen, aber nicht verstehen”, bringen die beiden Männer es auf den Punkt. Wenn sie nicht mehr weiter kommen, machen sie oft ein Foto von den Sätzen und hoffen, dass ein Bekannter übersetzen kann.

“Sie sprechen so schnell”, sagt er am Anfang des Gespräches leise - auch eine Sache, die für Darwish immer wieder zu Problemen im Alltag führt. Er ist ebenso wie seine Frau studierter Informatiker. Gerne würde er wieder arbeiten, doch noch scheitert es an der Sprachkompetenz. “Mein Wunsch ist es, irgendwann bei Siemens arbeiten zu können”, formuliert Darwish seinen Traum für die Zukunft. Mit seinen zwei Kindern, zwei und drei Jahre alt, ist das Paar vor einem Jahr von Düsseldorf nach Bad Fallingbostel gekommen.

Für Kalaagg war die Ankunft in Deutschland mehr als aufregend, nur eine Woche später ist sein drittes Kind zur Welt gekommen. Seit Kurzem wohnt die Familie in Bad Fallingbostel, vorher haben sie in Kroge gewohnt. “Die Menschen dort waren gut, sie haben immer mit uns geredet. Das war eine tolle Nachbarschaft.” Nur die Abgelegenheit machte immer wieder Probleme. Sein ältestes Kind ist neun Jahre alt und “spricht perfekt Deutsch und hat gerade zwei Geburtstagseinladungen bekommen”, erzählt der Vater nicht ohne Stolz. Gerade ist seine Frau wieder schwanger und das vierte Kind ist unterwegs.

Immer wieder klappt die Kommunikation nur mit einfachen Worten oder notfalls mit Händen und Füßen. Dennoch bleiben beide motiviert. Ihnen ist es wichtig, ins Gespräch zu kommen. Ob bei einem der Männer zuhause, bei einem Spaziergang oder dem gemeinsamen Einkaufen: Die beiden würden sich freuen, weitere Kontakte zu Muttersprachlern zu bekommen. Dabei kommt es weniger auf gezielte Übungen an, sondern viel mehr auf die praktische Anwendung in Gesprächen und im Alltag.

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