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Von Kopf bis Kralle gecheckt: Große Jahresinventur beim Weltvogelpark Walsrode

Den Zollstock gezückt

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WALSRODE - 16. Januar 2020 - 22:00 UHR - VON REDAKTION

Vom weltgrößten Greifvogel, dem Andenkondor, bis zum winzigen Kolibri will jeder gefiederte Schützling gut im Auge behalten sein. Deshalb werden jährlich alle Vogelarten im Weltvogelpark Walsrode auf Herz und Nieren durchgecheckt, bevor es am 21. März zur Saisoneröffnung wieder in den Einsatz geht. Und das erfordert einen großen Aufwand, denn der Tierpark beheimatet mehr als 4000 Vögel aus 650 Arten - und ist damit der größte Vogelpark der Welt.

Mit der jährlichen Inventur checkt die zoologische Abteilung, bestehend aus Tierärzten, Biologen und Tierpflegern, ob die verschiedenen Vögel gesund sind und in ihren Volieren und Freiflughallen noch ausreichend Platz haben. Basierend auf den Zahlen wird anschließend auch die Futtermenge kalkuliert. Rund sechs Wochen dauert es, bis Biologen, Tierärzte und -pfleger Schnäbel, Federn und Gewicht aller Bewohner geprüft, dokumentiert und festgehalten haben. Dabei ist die Inventur im Vogelpark auch immer eine kleine Herausforderung: Während sich ein Ara mit Nüssen verhältnismäßig schnell auf eine Waage locken lässt, sieht das bei großen oder gar für den Menschen gefährlichen Vögeln ganz anders aus. Dann wird getrickst. Zunächst stellt sich ein Tierpfleger allein auf die Waage, lockt danach den Greifvogel, wie zum Beispiel einen Andenkondor oder Marabu, mit Futter in seine Arme und wiegt sich erneut. Das macht auch das Wiegen von großen Vögeln möglich. Ein Andenkondor kann bis zu 15 Kilogramm wiegen.

Es wird jedoch nicht nur gewogen, sondern auch gemessen - wie zum Beispiel die Flügelspannweite oder Krallenlänge bei den Marabus. Marabus sind imposante Vögel aus der Familie der Störche. Ihre Spannweite von rund drei Metern reicht fast an die des größten Greifvogels der Welt heran: den Andenkondor mit 3,25 Meter Spannweite.

“Vögel von einer solchen Größe zu vermessen, bedarf einiger Erfahrung. Durch die tägliche Arbeit entwickelt sich eine enge Vertrauensbasis zwischen Tier und Pfleger. Hinzu kommen die gewohnte Umgebung und die regelmäßigen Abstände, in denen die Untersuchungen durchgeführt werden. So stellen wir sicher, dass das Wohl von Mensch und Vogel immer im Fokus steht”, erklärt dazu Janina Ehrhardt, Pressesprecherin des Weltvogelparks.

Auch die Untersuchung der Vögel in der Regenwald- oder Freiflughalle gestaltet sich oft schwierig, da viele verschiedene Arten auf einem großen Gebiet leben. Dort ist die Inventur aber besonders wichtig, um den Vogelbestand genau nachvollziehen zu können. Überraschungen manchmal dennoch, wenn sich Paare bilden und unerwartet im Dickicht für Nachwuchs sorgen. Für das erfahrene Tierpflegerteam ist das jedoch kein Problem. “Unsere Besucher können gern selbst ihr Know-how testen, wenn im Laufe der Saison die Anzahl der roten Sichler in der Freiflughalle zunimmt. Das dunkle Gefieder der Jungtiere enttarnt sie schnell zwischen den leuchtend rot durchgefärbten Erwachsenen. Denn es dauert einige Gefiederwechsel, bis sich das Gefieder der Jungtiere ebenso leuchtend rot färbt”, erklärt Ehrhardt.

Dank des erfolgreichen Nachzuchtprogramms des Weltvogelparks können jedes Jahr neue Vögel bei den gefährdeten Arten gezählt werden. Ein großer Erfolg waren die aus Australien stammenden Palmkakadus - und das gleich dreifach. “Jedes Jahr können wir Jungtiere bei gefährdeten Arten verzeichnen, was für die ausgesprochen gute Arbeit unserer Biologen spricht”, freut sich Ehrhardt Die schwarz gefiederten Vögel mit nackter Gesichtshaut seien etwas ganz Besonderes, da sie zu den am schwierigsten zu züchtenden Papageienarten zählen. Der Weltvogelpark sei laut Park eigenen Aussagen einer von zwei Zoos in Deutschland, die diese außergewöhnliche Papageienart überhaupt zeige.

Spätestens Ende Februar ist das große Vermessen und Zählen beendet.

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