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Onkologischer Arbeitskreis Walsrode besteht seit 35 Jahren und kennt die Schicksale rund um Krebserkrankungen

“Der Tag wird kommen, an dem Krebs heilbar ist”

Aktuell stehe bei der Krebsbehandlung die Immuntherapie im Vordergrund. Anders als bei Chemotherapie und Bestrahlung aktiviere die Immuntherapie die körpereigene Abwehr gegen die Krebserkrankung. Foto: pixabay
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Aktuell stehe bei der Krebsbehandlung die Immuntherapie im Vordergrund. Anders als bei Chemotherapie und Bestrahlung aktiviere die Immuntherapie die körpereigene Abwehr gegen die Krebserkrankung. Foto: pixabay
WALSRODE - 11. August 2020 - 15:16 UHR - VON REDAKTION

Die Vorbereitungen waren abgeschlossen. Mit Vorträgen und Ausstellungen wollten die Verantwortlichen des Onkologischen Arbeitskreises Walsrode im Juni eine Woche lang Rückschau auf die vergangenen 35 Jahre halten, gleichzeitig aber auch den Menschen in der Region die neuesten Informationen im Kampf gegen die Krankheit geben. Doch Corona ließ die Veranstaltungen nicht zu. Gründer und Vorsitzender Dr. Sirus Adari gibt Einblick in die Forschungsarbeit für Krebsmedikamente.

Die Schlagzeilen werden seit März von der Entwicklung der aktuellen Fallzahlen von Covid-19-Infizierten bestimmt. Hat sich das auf den Umgang mit der Krankheit Krebs ausgewirkt? Muss man etwa damit rechnen, dass die fieberhafte Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus negative Auswirkungen auf die Forschungsarbeit zu Krebsmedikamenten hat? Diese Befürchtungen hat Dr. Adari, Vorsitzender des Onkologischen Arbeitskreises Walsrode, nicht. Die Erforschung von Krebs-Medikamenten laufe unbeirrt und unbeeinflusst von der Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus weiter. Anders als bei der Suche nach dem Impfstoff dauere die Entwicklung eines Medikamentes speziell bei der Krebstherapie manchmal bis zu 20 Jahre. Aktuell stehe bei der Krebsbehandlung die Immuntherapie im Vordergrund. Anders als bei Chemotherapie und Bestrahlung aktiviere die Immuntherapie die körpereigene Abwehr gegen die Krebserkrankung.

“Patienten leben heute viel länger mit einer Krebserkrankung”

Der Walsroder Mediziner ist überzeugt, “dass der Tag kommen wird, an dem Krebs heilbar ist”. Dr. Adari vergleicht es mit dem erfolgreichen Kampf gegen die Tuberkulose. Die Erfolge bei der Behandlung von Krebs zeigten sich aber auch heute schon bei der Arbeit mit den Betroffenen vor Ort. Früher hätten die Menschen bei der Diagnose Krebs den Kopf hängen lassen, das als Todesurteil angesehen. “Patienten leben heute viel länger mit einer Krebserkrankung. Wir sprechen von chronisch Krebskranken.” Trotzdem sei und bleibe es natürlich das Ziel, die Krankheit erfolgreich zu behandeln. “Aktuell sehen wir es als eine unserer wichtigsten Aufgaben an, die Betroffenen psychosozial zu betreuen”, nennt Dr. Adari ein wesentliches Ziel der Arbeit im OAK.

1985 erfolgte die offizielle Gründung des Onkologischen Arbeitskreises

Wie wichtig das für Patienten und Angehörige ist, weiß der Arzt aus eigener Erfahrung, seit seine erste Ehefrau an Krebs erkrankte. “Ich habe damals selbst erfahren, dass es nach der Diagnose und Operation praktisch keine Betreuung der Patienten gegeben hat. Es gab keine Informationen, wen man zu Fragen der Nachsorge ansprechen kann. Die Patienten waren auf sich allein gestellt.” Dr. Adari gab sich mit dem damaligen Zustand nicht zufrieden. “Das konnte so nicht weitergehen”, war für ihn klar, und er überzeugte auch seine Kollegen in den Praxen vor Ort. Im Krankenhaus wurde auf Initiative von Ursula Henke eine Selbsthilfegruppe für Brustkrebspatientinnen gegründet.

1985 erfolgte die offizielle Gründung des Onkologischen Arbeitskreises, um als Verein auch die Grundlagen zur Finanzierung der Aufgaben zu schaffen. Die Mitgliedsbeiträge (670 Mitglieder hat der OAK aktuell) und Spenden sind die finanziellen Grundpfeiler, um vorwiegend die Personalkosten für die vielen bis heute entstandenen Angebote decken zu können. Das Spendenaufkommen sei nach wie vor zufriedenstellend, auch wenn in den zurückliegenden Jahren viele Spendengelder neuen wichtigen Einrichtungen wie der Palliativstation im Krankenhaus oder dem Hospizhaus zugutekamen.

In den vergangenen 35 Jahren ist der Onkologische Arbeitskreis nicht nur im Bewusstsein der Menschen vor Ort zu einer festen Größe geworden. Dr. Adari suchte von Anfang an auch die Zusammenarbeit mit Spezialisten großer Fachkliniken wie dem damaligen Leiter des Tumorzentrums der Medizinischen Hochschule Hannover. Daraus entstand die Möglichkeit, mittwochs bei der Tumorkonferenz den Experten in Hannover Fälle aus Walsrode vorzustellen und entsprechende Therapievorschläge in der MHH oder vor Ort umzusetzen.

Natürlich gehe das nicht spurlos an ihm vorbei

Nicht nur in seiner eigenen Praxis, auch durch seine Tätigkeit im ambulanten palliativen Netzwerk und im Dorfmarker Hospizhaus ist Dr. Adari sehr eng an den Menschen und ihren Schicksalen dran. “Meine Aufgabe ist es, den Menschen beizustehen und sie und ihre Familien in dieser schwierigen Situation zu begleiten.” Natürlich gehe das nicht spurlos an ihm vorbei. Er hole sich die Kraft aus seinem Glauben. Genug Kraft, um auch mit 85 Jahren diese Vielzahl an Aufgaben für die Menschen zu erfüllen? “Ich weiß, dass es nicht selbstverständlich ist, gerade wenn ich manche meiner Patienten sehe. Ich bin dem lieben Gott sehr dankbar, dass er mir hoffentlich noch lange die notwendige Kraft gibt”, hebt der Mediziner hervor.

Die coronabedingt ausgefallene Veranstaltungswoche soll im kommenden Jahr nachgeholt werden. Neben vielen Informationen für Krebspatienten und ihre Angehörigen wird es auch ein Konzert zugunsten des Onkologischen Arbeitskreises geben. Fest eingeplant ist auch ein ökumenischer Gottesdienst in der Walsroder Stadtkirche - denn “der liebe Gott”, so Dr. Adari, habe schließlich in den zurückliegenden knapp vier Jahrzehnten stets eine schützende Hand über die größte Bürgerinitiative der Region gehalten.

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