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Viele Vögel bereiten sich darauf vor, Nachwuchs aufzuziehen - teilweise mit dem Bau kunstvoller Nester.

Eiersegen im Weltvogelpark

Der Webervogel geht auf Nummer sicher: Um dem Weibchen zu imponieren, baut das Männchen gleich mehrere Nester. Foto: Weltvogelpark
Der Webervogel geht auf Nummer sicher: Um dem Weibchen zu imponieren, baut das Männchen gleich mehrere Nester. Foto: Weltvogelpark
WALSRODE - 16. April 2022 - 18:00 UHR - VON REDAKTION

Die Brutzeit der Vögel steht wieder kurz bevor: Auch im Weltvogelpark Walsrode bereiten sich viele Vögel aktuell mit dem Bau von teils kunstvollen Nestern auf ihren Nachwuchs vor. Um bei gefährdeten Vogelarten den Nachwuchs besonders zu schützen, werden dabei viele Nester von den Tierpflegerinnen und Tierpflegern regelmäßig ganz behutsam kontrolliert.

Ideale Bedingungen für die Aufzucht

Mit insgesamt mehr als 4000 Vögeln aus 650 verschiedenen Arten und von allen Kontinenten ist der Weltvogelpark Walsrode nicht nur der größte Vogelpark der Welt, sondern auch der Geburtsort vieler Jungvögel. “Die Vögel fühlen sich bei uns besonders wohl. Hier schaffen wir für die Tiere die idealen Bedingungen, die sie zum Aufziehen ihrer Jungvögel benötigen”, freut sich Janina Ehrhardt, Pressesprecherin des Parks. “Einige Vogelarten, wie zum Beispiel Hornvögel, Geier, Störche und Pinguine, sind momentan besonders aktiv beim Nestbau oder bebrüten schon die ersten Eier. In spätestens vier bis sechs Wochen schlüpfen die Vogelbabys: Das ist immer wieder ein Highlight für uns, aber auch für die Besucherinnen und Besucher des Parks”, sagt Ehrhardt.

Balzverhalten bei männlichen Vögeln

Bei den kunstvollen Nestern geht es aber nicht nur um den Schutz des Nachwuchses, sie dienen auch einigen männlichen Vögeln dazu, den Weibchen zu imponieren. Dieses Balzverhalten kommt unter anderem bei Webervögeln vor, die oftmals gleich mehrere Nester bauen, um sicherzugehen, dass eines dem Weibchen auch sicher gefällt. Bei Störchen wiederum sind ebenfalls die Männchen für den Nestbau zuständig, da die Weibchen erst später aus dem Winterquartier zurückkommen.

Hoch hinaus wollen beim Nestbau übrigens besonders die Greifvögel: Falke und Adler bauen genauso wie Störche einen Horst auf Erhöhungen, etwa Telefonmasten, Dächern oder hohen Bäumen. Das Besondere: Kleine Singvögel nisten sich sogar in Löchern des Adlerhorstes mit ihrer Brut ein. Und das, obwohl Adler eigentlich ihre Fressfeinde sind. Einige Eulen, zum Beispiel Bartkauze, bauen überhaupt keine eigenen Nester. Sie brüten auf dem Waldboden oder bedienen sich nicht mehr genutzter Nester anderer Vögel. Das Weibchen bleibt während der gesamten Brutzeit bei den Eiern und verlässt das Nest nicht. So schützt die Eulenmutter automatisch ihre Brut vor Fressfeinden. Das Männchen kümmert sich in der Zeit liebevoll um das Weibchen und versorgt es mit Futter.

Der ideale Start ins Leben

Um dem frisch geschlüpften Vogelnachwuchs einen idealen Start ins Leben zu garantieren, werden die Vogeleltern stets von den Tierpflegern und Tierpflegerinnen des Parks unterstützt. Beispielsweise, wenn es Streit unter den Tieren gibt oder die Vogeleltern noch zu unerfahren sind. Aktuell wird deshalb der Nachwuchs der Brillenpelikane und Paradiesvögel per Hand gefüttert. Wer sich den Nachwuchs vogelfreundlich aus der Nähe anschauen möchte, kann das im Weltvogelpark tun. In der Jungtierstation werden momentan Hühnerküken in warmen Brutkästen aufgezogen.

So kann den Vögeln im eigenen Garten während der Brutzeit geholfen werden

Auch im eigenen Garten kann man den Vögeln das Nisten erleichtern. Der Weltvogelpark Walsrode gibt Tipps:

Nistmaterial bereitstellen

Wer den Vögeln beim Nestbau helfen möchte, kann im Garten Nistmaterial bereitstellen. Die meisten Gartenvogelarten nutzen kleine Zweige, Moos und Blätter. Für Haussperlinge und Stare hingegen kann zusätzlich Heu und für Schwanzmeisen feine Schafswolle ausgelegt werden.

Futter bereitstellen

Maisknödel, Sonnenblumenkerne und Co. sind für Vögel schmackhaft. Allerdings gibt es in der Brutzeit Einschränkungen, die zu beachten sind: Das harte, trockene Wintervogelfutter ist für Jungtiere schädlich. Am meisten hilft man den Vögeln mit energiehaltigem Futter wie kleinen Wildkräutersamen und frischem oder Insektenfutter.

Abstand halten

Bauen die Vögel im Garten ihr Nest, können sie während der gesamten Brutzeit beobachtet werden - vom Nestbau über das Schlüpfen der Küken bis hin zum Ausfliegen der jungen Vögel. Zu nahe dürfe man den Nestern dabei nicht kommen: Fühlt sich ein Vogel zu sehr bedroht, kann es passieren, dass er sein Nest verlässt und nicht zurückkehrt. Für die Brut wäre das fatal. Der Naturschutzbund rät zu einem Abstand von mindestens zehn Metern. Ein Fernglas ist bei der Vogelbeobachtung sehr zu empfehlen.

Über Vogelschutz sprechen

Nester üben eine Faszination auf Kinder aus. Dennoch gilt: Abstand halten, auch für neugierige kleine Vogelbeobachter. Eltern erklären ihren Kindern am besten, dass die Eier beobachtet, aber auf keinen Fall angefasst werden dürfen. Das Hautfett kann die Eierschale undurchlässig für Sauerstoff machen. Die Gefahr besteht, dass die Vogeleltern ihre Eier abstoßen.

Verlassene Nester und Jungtiere beobachten

Was tun, wenn ein scheinbar hilfloses Jungtier außerhalb des Nestes auf dem Boden liegt? Am besten beobachten. Meistens handelt es sich um flügge Jungvögel, die ihre ersten Erkundungstouren außerhalb des Nestes wagen. Sie stehen mit ihren Eltern weiterhin durch Bettelrufe in Verbindung. Dieser Prozess ist ganz natürlich. Wenn die Tiere jedoch nach zwei bis drei Stunden noch immer allein sind, sollte eine Auffangstation oder Vogelpflegestation kontaktiert werden. Auch ein scheinbar von den Eltern verlassenes Nest sollte nicht berührt und vorerst nur beobachtet werden. Kommt die Vogelmutter nicht zurück, sollten auch hier Auffangstationen oder Vogelpflegestationen informiert werden.

Schutzzeiten beachten

Vom 1. März bis 30. September gilt die offizielle Vogelschutzzeit. In dieser Zeit sollen die Vögel die Möglichkeit haben, in Ruhe zu brüten und den Nachwuchs zu versorgen. Es ist in dieser Zeit verboten, geschützte Bäume zu fällen und Gehölze, wie beispielsweise Hecken, zurückzuschneiden. Form- und Pflegeschnitte an Bäumen, Hecken und Sträuchern sowie Rasenmähen sind erlaubt - Ausschau nach Nestern sollte jedoch gehalten werden. Falls ein Nest entdeckt wird, sollte die Gartenarbeit in diesem Bereich eingestellt werden.

Vor Katzen schützen

Nistkästen, Futter und Nistmaterial sollten außerhalb der Reichweite von Katzen angebracht werden. Bestenfalls sind im Garten dornige Büsche angepflanzt, in denen sich Vögel verstecken können und die Katzen fernhalten. Freilaufende Katzen sollten zwischen April und Juni bestenfalls gar nicht oder nur unter Beobachtung ins Freie. Ein weiterer Tipp ist der Harfenstrauch. Für Menschen geruchslos, hält der Duft Katzen fern.

Nistkästen

Für viele Vögel wird es immer schwieriger, geeignete Brutplätze zu finden. Nistkästen schaffen Abhilfe und erleichtern die Brutzeit für Vögel wie Meisen, Stare und Sperlinge. Ob dreieckig, viereckig, oval - der hölzerne Nistkasten kann selbst gebaut oder gekauft werden. Anleitungen dafür gibt es unter anderem auf der Homepage des Nabu unter www.nabu.de. Im Herbst auf zwei bis drei Metern Höhe angebracht, können Vögel dort auch über die Winterzeit warmen Unterschlupf finden.

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