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Ungewöhnlicher Eingriff: Wenn Internist und Chirurg sich im Bauchraum zur gemeinsamen Operation “treffen”

Ein Rendezvous unter der Haut

Operation im Rendezvous-Verfahren: Oliver Schwarz, Leitender Oberarzt (links stehend) und Professor Schmitz (sitzend rechts) operieren gemeinsam, um das bestmögliche Ergebnis zu erreichen.© Heidekreis-Klinikum/Jens I. Kirchner
Operation im Rendezvous-Verfahren: Oliver Schwarz, Leitender Oberarzt (links stehend) und Professor Schmitz (sitzend rechts) operieren gemeinsam, um das bestmögliche Ergebnis zu erreichen.© Heidekreis-Klinikum/Jens I. Kirchner
WALSRODE - 10. März 2019 - 07:00 UHR - VON REDAKTION

Das Rendezvous-Verfahren in der Medizin hat so gar nichts Romantisches. Oliver Schwarz, Leitender Oberarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie im Heidekreis-Klinikum, erklärt: “Hier handelt es sich um eine Technik, bei der sich Internist und Chirurg geplant während einer gemeinsamen Operation im Bauchraum des Patienten ,treffen‘.” Das heißt: “Der endoskopisch tätige Kollege - in diesem Fall war es Chefarzt Professor Dr. Frank Schmitz - betrachtet den Eingriffsort von innen, ich - der Chirurg - von außen. Unser gemeinsames Ziel ist es, dass die beiden Methoden jeweils den Erfolg des anderen bei seiner Arbeit überwachen.”

Bei der jüngsten Operation, die im Rendezvous-Verfahren durchgeführt wurde, war eine Patientin von ihrem niedergelassenen Gastroenterologen ins Heidekreis-Klinikum überwiesen worden. Die Patientin hatte einen Polypen im ersten Teil des Dickdarms, der abgetragen werden musste. Der Chefarzt der Gastroenterologie Professor Schmitz führt aus: “Mein niedergelassener Kollege konnte diesen Eingriff wegen der Lage und Größe des Polypen nicht ambulant in seiner Praxis durchführen, zudem hatte eine feingewebliche Untersuchung gezeigt, dass der Polyp eine frühe Krebsvorstufe aufwies. Dadurch war uns bewusst, dass eine chirurgische Entfernung des betroffenen Darmabschnittes notwendig war.”

Gemeinsam beschlossen Chirurg Schwarz und Gastroenterologe Schmitz, dass eine ganz besonders genaue Überwachung dieser Operation unabdingbar war. Schwarz erinnert sich: “Damit weder die Klappe durch den Eingriff verletzt, noch der Polyp unvollständig entfernt wird, entschieden wir uns für die OP-Technik ,Rendezvous-Verfahren‘.”

Im Rahmen einer intraoperativen Darmspiegelung wurde durch den Chefarzt der Gastroenterologie, Professor Schmitz, der Polyp durch das Endoskop sichtbar gemacht. Das Setzen des Klammernahtgerätes - als Eingriff des Chirurgen Oliver Schwarz in Schlüsselloch-Technik mit einer Bauchspiegelung durchgeführt - konnte so durch das Endoskop von innerhalb überwacht werden.

Chirurg Schwarz: “Erst als Professor Schmitz bestätigte, dass das Klammernahtgerät genau so liegt, dass der Polyp komplett erfasst war, habe ich diesen Darmabschnitt, natürlich unter Erhalt der Klappe, durchgeführt.”

56 Minuten dauerte dieser interdisziplinäre Eingriff der beiden Fachabteilungen. Bereits nach drei Tagen habe die Patientin die Klinik - beschwerdefrei - verlassen können. Professor Schmitz und Oliver Schwarz sind “überzeugte Wiederholungstäter” in puncto Rendezvous-Verfahren: “In diesem Fall haben wir durch das Rendezvous-Verfahren unserer Patientin eine vollständige Entfernung einer direkten Krebsvorstufe mit kleinstmöglichem entfernten Gewebeverlust ermöglicht.”

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