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Landwirtschaftskammer erfasst die Struktur, um erhobene Daten für die Gestaltung zu nutzen - gerade in Zeiten des Klimawandels

Eine komplette Inventur im Wald

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WALSRODE - 30. Mai 2020 - 18:00 UHR - VON REDAKTION

Im Juni 2017 beschlossen die rund 1000 privaten Waldbesitzer in der Forstbetriebsgemeinschaft Walsrode (FBG) auf ihren 15.152 Hektar Wald eine Waldinventur vornehmen zu lassen. Die WZ berichtete über den Start und den Verlauf. Nun wurden die Ergebnisse der Inventur aus den beiden Bezirksförstereien Allertal und Westenholz präsentiert. Die Ergebnispräsentationen für die Förstereien Fallingbostel und Düshorn folgen im Herbst.

Beauftragt mit der Waldinventur wurde die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK), Geschäftsbereich Forstwirtschaft. Diese Inventur ist für die Waldbesitzer eine Investition in die Zukunft. Denn die Erfassung der vorhandenen Waldstrukturen ist die Grundlage für den planvollen Umbau von Waldbeständen. Gerade in Zeiten des Klimawandels seien die erhobenen Daten wertvolle Gestaltungsinstrumente für die Waldbesitzer und ihre beratenden Förster. Zwar lassen sich mit den Inventurdaten kein Windwurf und keine Sommertrockenheit verhindern, doch helfen sie, die Waldbestände durch bessere Planungen auf solche verheerenden Risiken vorbereiten zu können. “Wir haben durch die Waldinventur nun auch schwarz auf weiß, dass es wichtig ist, die Waldbestände permanent zu pflegen und zu nutzen, damit sie stabil werden”, sagt der FBG-Vorsitzende Heiner Beermann.

Einteilung der Wald-Bestände

Doch was genau ist eine Waldinventur? Die LWK hat die Forstflächen zunächst mit dem aktuellen Liegenschaftskataster abgestimmt. Mithilfe von digitalen Luftbildern wurde der Erhebungsraum dann gemarkungsweise “vorinterpretiert”. Dabei wird die Einteilung der Wald-Bestände nach verschiedenen forstlichen und rechtlichen Kategorien vorgenommen. Mit dieser Arbeitskarte gingen dann die Forsteinrichter (Taxator) durch die Wälder. Sie ermittelten die vorkommenden Baumarten, Mischungsanteile, Alter, Leistungs- und Wertklassen und den Bestockungsgrad (Dichtstand der Bäume). Aus den erhobenen Bestandsdaten wurden der vorhandene Holzvorrat und der erwartete Zuwachs ermittelt. Insgesamt ist es eine eher “leise” Arbeit. Die Forsteinrichter haben wenige transportable Messinstrumente dabei, mit denen sie die rund 18.000 Hektar Privatwald in der Region Walsrode flächendeckend zu Fuß beliefen.

Die Daten flossen dann in das elektronische Datensystem “Wald-Kat”, wo sogar auf dem Mobiltelefon nachgelesen werden kann, welche Holzvorräte wachsen und wo welche Baumarten zu finden sind - aber auch, welche Zuwächse in den kommenden Jahren zu erwarten sind, oder wo sich Durchforstungsrückstände befinden. So können pflegende Eingriffe, Holzeinschlag und -verkauf, aber auch Pflanzungen sorgfältig geplant werden.

Einige Ergebnisse rund um die Bezirksförstereien Allertal und Westenholz waren besonders: Der Anteil der Buchen, aber auch der “Klimabaumart” Douglasie, hat sich in den vergangenen 20 Jahren stark erhöht, und es gibt rund ein Drittel mehr “Nachwuchs”-Fläche. Das zeige, dass die Waldbesitzer in den vergangenen Jahren oft in die Taschen gegriffen hätten, um ihre Wälder für den Klimawandel vorzubereiten. Denn Mischwälder und mehrere Bestandschichten geben dem Wald physische und ökologische Stabilität. Sichtbar sei auch, dass der Zuwachs an Bäumen immer höher war, als geerntet wurde.

Für einen forstüblichen Planungszeitraum von zehn Jahren lassen sich mit den erhobenen Daten nun auch waldbauliche Empfehlungen zu nachhaltigen Nutzungsmöglichkeiten, Bewirtschaftungsstrategien oder den anstehenden Waldschutzrisiken herleiten. Aber auch für die Holzernte-/Transportlogistik und die Flächenpotenziale für Umbaumaßnahmen im Rahmen naturnaher Waldbewirtschaftung geben die Ergebnisse wichtige Empfehlungen.

Wälder kompensieren Emissionen

Holz besteht zur Hälfte aus Kohlenstoff. Daher ist es ein effektiver Speicher des Treibhausgases CO2 - insbesondere dann, wenn das Holz für langlebige Produkte verwendet wird. Dafür wurde in die Waldinventur auch eine neue Datengröße aufgenommen - die Klimaschutzleistung der einzelnen Baumarten. Die Douglasie speichert laut Bericht beispielsweise 12,7 Tonnen CO2-Äquivalent, die Buche “nur” 3,2 Tonnen. Die Walsroder Waldbesitzer pflanzen zunehmend Douglasien. So bestehe Hoffnung, dass die Pro-Kopf-CO2-Emissionen der Deutschen von 11,4 Tonnen CO2-Äquivalent zunehmend durch die eigenen Wälder kompensiert werden können.

Die Wälder in der Region litten in den vergangenen Jahrhunderten unter nicht gefestigten Besitzverhältnissen, der Heide-Bauernwirtschaft mit Waldweide und Plaggennutzung und Kriegen. Aber auch heftige Stürme und neuerdings die Trockenheit sorgen dafür, dass die Waldbesitzer früher wie heute tief in die Tasche greifen müssen, damit der Wald nicht verkümmert. Heiner Beermann weiß: “Die Anstrengungen gehen weiter. Denn nun geht es darum, die Wälder für die zukünftige Generation, die Kinder und Enkelkinder, so vorzubereiten, dass sie auch in Zukunft im ökologischen Gleichgewicht wachsen.”

Bei weiteren Fragen können sich Interessierte an den jeweiligen LWK-Bezirksförster wenden: Jan-Cord Plesse (Westenholz), (05701) 9791494; Kai Hildebrandt ( Allertal), (05071) 9791813.

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