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Dr. Olaf Weber-Beermann: Wie weit der Weg zur Klinik ist, ist für die weitere Behandlungsdauer und die Heilung irrelevant

Entfernung “spielt überhaupt keine Rolle”

Letzte HKK-Veranstaltung vor dem Bürgerentscheid: Dr. Achim Rogge, Dr. Florian Gal, Sebastian Zinke und Dr. Olaf Weber-Beermann werben noch einmal für ein “Nein” am Sonntag. Screenshot: Scheele
Letzte HKK-Veranstaltung vor dem Bürgerentscheid: Dr. Achim Rogge, Dr. Florian Gal, Sebastian Zinke und Dr. Olaf Weber-Beermann werben noch einmal für ein “Nein” am Sonntag. Screenshot: Scheele
WALSRODE - 15. April 2021 - 12:55 UHR - VON JOHANNA SCHEELE

“Guten Abend an alle wünscht auch der Störenfried aus Neuenkirchen.” Das schreibt ein Facebooknutzer am Mittwochabend in die Kommentarspalte. Die Antwort: “Hier stört doch niemand. Überall, wo man offen kommentieren und diskutieren kann, sind andere Meinungen auch willkommen.” Es sind versöhnliche Töne nach emotionalen Debatten der vergangenen Wochen. So gab es dieses Mal sogar viel Lob für einen Gast der HKK-Veranstaltung.

Die Stimmung, die am Mittwochabend in der Kommentarspalte bei Facebook herrscht, kann fast als harmonisch beschrieben werden. Das war nicht immer so bei den vergangenen sechs “Klinik im Dialog”-Veranstaltungen. Doch dieses Mal sind die Diskussionen konstruktiver als bisher. Besonders an Dr. Olaf Weber-Beermann richten sich auch lobende Worte für seine klare Ausdrucksweise. Er ist niedergelassener Facharzt im Heidekreis und hat somit einen ganz anderen Blickwinkel auf das Thema HKK-Neubau.

Ohne Klinikum - weniger Hausärzte?

Ohne Ausbildungsangebot in einem Klinikum gibt es auch kaum Niederlassungen in der Gegend, stellt Dr. Weber-Beermann bereits in den ersten Minuten klar. Ärzte ließen sich lieber dort nieder, wo es eine kompetente stationäre Versorgung mit breitem Angebot gibt. Thema der siebten Veranstaltung des Heidekreis-Klinikums ist “Überall gut versorgt - medizinische Versorgung im Heidekreis”. Neben dem Facharzt sitzen Dr. Achim Rogge, HKK-Geschäftsführer, der Chefarzt der Psychiatrie und Psychotherapie Dr. Florian Gal sowie der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Sebastian Zinke auf dem Podium.

Die Erfahrung in der Behandlung ist ausschlaggebend

“Die Standortdebatte geht am Bedarf der Bevölkerung vorbei”, erklärt Dr. Weber-Beermann mit ruhigen Worten. Patienten suchen sich die Klinik aus, bei der sie “das Gefühl haben, kompetent und umfassend versorgt zu werden”. Bei Erkrankungen im Bereich Gefäßchirurgie und Neurologie bleibe Ärzten im Heidekreis derzeit aber auch keine andere Möglichkeit, als an andere Kliniken zu verweisen. “Die Qualität der medizinischen Versorgung ist abhängig davon, wie gebündelt man die Leistung macht”, sagt der Internist. Meint: Je mehr Hüften in einer Klinik operiert werden, desto besser ist dabei die Versorgung.

Pro Patient weniger Pflegekräfte

Dr. Weber-Beermann sagt auch, dass es aus wissenschaftlicher Sicht “überhaupt keine Rolle spielt”, wie weit der Weg zum Krankenhaus ist. Denn die Entfernung habe keinen Einfluss darauf, ob die Personen überleben und wie schnell sie die Klinik gesund verlassen können. Er selbst habe einige Jahre auf Norderney praktiziert. Jeder, der nicht auf der Insel behandelt werden konnte, musste aufwendig ans Festland gebracht werden. Auch aus dieser Zeit kann er sagen: “Die Betonung liegt auf einer guten Klinik nicht auf der Entfernung.”

Deutschland habe eine der höchsten Krankenhausdichten in Europa, ebenso mit die meisten Krankenpflegekräfte, erklärt Dr. Weber-Beermann. Das “Verrückte durch die vielen kleinen Kliniken” sei jedoch, dass es pro Patient weniger Pflegekräfte gebe als in vielen anderen Ländern. Im Ranking liege Deutschland nur auf Platz 25.

In Zukunft breiter aufstellen

Neben den bisherigen Fachabteilungen sollen auch im Heidekreis Gefäßheilkunde, Neurologie und die Gerontopsychiatrie ihren Platz finden. Für Letzteres ist auch Dr. Gal angetreten, er ist Spezialist für ältere Menschen, die an psychischen Erkrankungen leiden.

Doch auch ganz aktuell zeige die Pandemie Grenzen auf - besonders in der Intensivmedizin. “Primär ist der Standort Walsrode mit Corona-Patienten belegt. Wir sind angehalten, für Patienten mit Corona ein ganz anderes Pflegeteam vorzuhalten”, erklärt Dr. Rogge. Mit zwölf Betten in Walsrode stoße man so schnell an den Rand der Kapazitäten. Mit einer Zusammenführung könnten “annähernd 30 Betten” vorgehalten werden, auch räumlich wäre die Versorgung einfacher.

Alles von vorn?

Zuletzt ein politischer Blick auf die Dinge: Sebastian Zinke erklärt, dass die bisherigen Planungen für den Standort Bad Fallingbostel neun Monate gedauert hätten. Das müsste bei einem aus Sicht der Initiatoren erfolgreichen Entscheid alles noch einmal wiederholt werden. Doch dann liege das Projekt im Heidekreis zeitlich hinter denen anderer Landkreise, und die Finanzierung sei nicht gesichert.

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