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BBS und Betriebe unterstützen junge Menschen erfolgreich bei der Berufsausbildung

Flüchtlinge meistern hohe Hürden auf Weg zum Gesellenbrief

Gratulation bei der Freisprechungsfeier im März: Saad Alali Alabdullah, Mario Smorra (Klassenlehrer BBS Walsrode), Jawad Dakhllala (Auszeichnung als Jahrgangsbester) und Sabawoon Alami (von links).Foto: BBS Walsrode
Gratulation bei der Freisprechungsfeier im März: Saad Alali Alabdullah, Mario Smorra (Klassenlehrer BBS Walsrode), Jawad Dakhllala (Auszeichnung als Jahrgangsbester) und Sabawoon Alami (von links).Foto: BBS Walsrode
WALSRODE - 23. Juni 2020 - 14:00 UHR - VON REDAKTION

Vor knapp fünf Jahren kamen sie ohne deutsche Sprachkenntnisse zu Fuß in den Heidekreis: drei junge Menschen aus Syrien beziehungsweise Afghanistan. Nun haben sie ihren Gesellenbrief als Elektroniker in der Tasche. Eine Erfolgsgeschichte mit hohen Hürden.

“Nichts ist unmöglich unter der Sonne”, lautet ein in syrisches Sprichwort, und es war der erste Gedanke von Saad Alali Alabdullah bei der Freisprechung Anfang März nach erfolgreich bestandener Gesellenprüfung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik. “Es war so ein gutes Gefühl. Uns fiel ein Stein vom Herzen”, erinnern sich Sabawoon Alami und Jawad Dakhllala.

Vor nicht einmal fünf Jahren strandeten Saad Alali Alabdullah, Jawad Dakhllala und Sabawoon Alami als “Unbegleitete minderjährige Ausländer” (UMA) zu Fuß und ohne deutsche Sprachkenntnisse im Heidekreis. Ihre gute Schulbildung aus den Heimatländern Syrien und Afghanistan erleichterte ihnen den Neuanfang. Gezielte Förderung und Unterstützung durch die Berufsbildenden Schulen Walsrode krönten die drei im Frühjahr mit dem Gesellenbrief zum Elektroniker. Belohnt wurde diese Leistung mit der Übernahme durch die jeweiligen Ausbildungsbetriebe Elektro Rose, Bomlitz, und Ohlendorf Technik, Bad Fallingbostel.

“Wir fühlten uns durch die BBS von Anfang an gut unterstützt”, resümieren alle drei. Begleitende Hilfen gab es immer wieder von den Lehrkräften Jürgen Dunecke (Region des Lernens) und Angela Freitag (Jobstarter-Projekt “Heidekreis digital”). Einen wichtigen Grundstein legte die fachliche und die große menschliche Unterstützung von Klassenlehrer Mario Smorra für die erfolgreiche Ausbildung.

Auf die Frage nach der größten Herausforderung antworteten alle drei im Einklang: “Die Sprache.” Diese Hürde, vor allem in der Berufsschule, schien im ersten Ausbildungsjahr fast unüberwindbar. Die Fachsprache brachte die Schüler mit ihrem begrenzten deutschen Sprachschatz immer wieder an Grenzen. “Der Wissensstand und die genauen Sprachkenntnisse dieser Schüler waren schwer einschätzbar”, erinnert sich Klassenlehrer Mario Smorra. Die vielen persönlichen Gespräche mit den Auszubildenden und den Betrieben brachten jedoch immer schnelleren Fortschritt. Die intensive Geduldsphase führte dank des Klassenlehrers zu Erfolgserlebnissen bei den Schülern. “Was die drei Jungs erreicht haben, ist eine große Leistung, und sie haben gezeigt: Es ist machbar”, blickt Klassenlehrer Smorra auf die Ausbildungszeit zurück.

Das hat absoluten Vorbildcharakter für viele Jugendliche, die nach Deutschland geflüchtet sind und sich Gedanken um eine mögliche Perspektive in diesem Land machen. Das Durchhaltevermögen der jungen Facharbeiter trug Früchte: “Ab dem zweiten Ausbildungsjahr wurde es langsam alles leichter”, betonen Sabawoon Alami und Jawad Dakhllala und ermutigen damit andere Geflüchtete durchzuhalten. Mittlerweile haben alle auch den Führerschein erworben und stehen mit beiden Beinen im Berufsleben.

Große Unterstützung erhielten die drei Auszubildenden auch aus ihren Ausbildungsbetrieben. Alle Fragen wurden geduldig von Kollegen und Inhabern beantwortet. Zudem gab es freitags immer noch eine extra Lerneinheit für die Schule.

Yil Ohlendorf und Andreas Rose sind ebenfalls froh, die sprachlich schwierigen Anfänge auf sich genommen zu haben, denn es sei “immer leichter geworden, je mehr sie verstanden”. Sie beobachteten zudem großes fachliches Interesse, Tatkraft und Kundenfreundlichkeit. “Wir sind sehr stolz auf die Leistungen während der gesamten Ausbildungszeit und natürlich über die guten Prüfungsergebnisse. Und wir freuen uns, ihnen eine berufliche Perspektive in unseren Betrieben geben zu können.” Durch die abgeschlossene Ausbildung ist nun auch ein dauerhaftes Bleiberecht in greifbare Nähe gerückt.

Für Fragen rund um die duale Berufsausbildung steht Axel Otterstätter, (05161) 6060, zur Verfügung. (re)

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