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Die Friseure und Friseurinnen im Heidekreis warten - auf staatliche Hilfen und einen Lichtblick

Friseurbetriebe am Limit

Die Saloninhaber und Mitarbeiter plagen finanzielle Sorgen: Wenn nicht bald staatliche Hilfe auf den Konten eintreffen, sieht es düster aus für die Friseurbranche. Foto: Jacqueline Macou - Pixabay
Die Saloninhaber und Mitarbeiter plagen finanzielle Sorgen: Wenn nicht bald staatliche Hilfe auf den Konten eintreffen, sieht es düster aus für die Friseurbranche. Foto: Jacqueline Macou - Pixabay
WALSRODE - 09. Februar 2021 - 15:10 UHR - VON JOHANNA SCHEELE

Haare wachsen im Schnitt 1,2 Zentimeter im Monat. Seit Mitte Dezember sind die Friseursalons geschlossen. Gerade bei Kurzhaarfrisuren macht sich das nun bemerkbar. Doch immer öfter beobachten auch Friseure im Heidekreis professionell “frisch” geschnittene Frisuren. Was sagen Saloninhaber zur Schwarzarbeit, dem finanziellen Druck und der aktuellen Situation?

Seit fast zwei Monaten stehen die Stühle im Salon Mefisto in Walsrode verwaist vor den Spiegeln. Daniela Eilert verbringt nun die Tage nicht mehr damit, mit Scheren und Rasierern zu hantieren, sondern mit dem Telefon. Es sind ihre Kunden, die anrufen und vor allem auf eines hoffen: einen neuen Haarschnitt. Seit Dezember werden also Termine immer wieder verschoben, in der Hoffnung, dass es doch irgendwann klappt mit dem Friseurbesuch. Doch bis es so weit ist und die Politik Lockerungen zulässt, muss Daniela Eilert sich mit den Köpfen ihres Übungsmodells und ihrer Tochter zufriedengeben. Immerhin gebe es in Online-Seminaren neue Inspiration, und die Zeit könne genutzt werden, um neue Frisuren und Farben auszuprobieren.

“Viele Kollegen stehen mit dem Rücken zur Wand, und die Hilfen kommen spät bis gar nicht”, ordnet Obermeisterin der Friseurinnung Soltau-Fallingbostel, Gabriela Tonn, die aktuelle Lage ein. Seit Montag sollen auch die Friseure Überbrückungshilfe III beantragen können. Doch abrufbar sei die Internetseite noch nicht gewesen. Während für Januar und Februar die Salons bezuschusst werden dürften, könnte es für Dezember schlecht aussehen. Das liege besonders an den zwei “Großkampftagen” vor der Schließung, an denen der Umsatz ordentlich stieg, erklärt Gabriela Tonn.

Weniger Lohn und kein Trinkgeld

Auch im Salon von Bettina Bissel war an den beiden Tagen einiges los, und bis spät am Abend wurden noch Haare gestutzt und in Form gebracht. Nun sind die zehn Mitarbeiter in Kurzarbeit, und für den Salon gibt es insgesamt 14 Wochen keine Einnahmen in den vergangenen Monaten. Dabei seien die Mitarbeiter sogar doppelt gestraft. Der Tariflohn der Friseure und Friseurinnen ist nicht hoch, normalerweise erhalten die Mitarbeiter allerdings noch Trinkgeld der Kunden. Nun brechen in den meisten Fällen bis zu 40 Prozent des Lohns und das komplette Trinkgeld weg. Somit sei es nicht überraschend, dass die Mitarbeiter todunglücklich sind und nicht nur arbeiten wollen, sondern auch müssen. Immerhin: Die Zweithaarversorgung geht weiter, und den erkrankten Personen kann so weitergeholfen werden”, erklärt Bissel, die ebenfalls ein Perückenstudio betreibt. Jetzt wird in den zwei Salons in Walsrode und Hodenhagen alles wieder so organisiert, dass am 15. Februar der Betrieb wieder aufgenommen werden kann.

Noch den gesamten Februar geschlossen?

Nach der Ministerpräsidenten-Konferenz am Mittwoch, 10. Februar, sollte mehr Klarheit herrschen, ob die Salons wieder Kunden empfangen dürfen. Gabriela Tonn vermutet, dass die Läden noch den gesamten Februar geschlossen bleiben. Sie wird erst wieder Termine an ihre Kunden vergeben, wenn sie sicher weiß, dass sie wieder öffnen darf. “So prekär die Situation gerade ist, ist es doch so, dass die Politik etwas richtig gemacht hat, denn die Zahlen gehen zurück”, sagt die Obermeisterin, die einen Laden in Düshorn betreibt.

Schlechte Vorbilder

“Die Schwarzarbeit boomt, und vielen ist scheinbar nicht klar, wie gefährlich das ist”, erklärt Tonn. Ihre Kollegin Daniela Eilert weiß, dass Schwarzarbeit schon immer ein Thema war. “Ich finde, wir sollten uns alle an die Regeln halten”, sagt Eilert klar. Tonn ärgere sich über “Vorbilder wie Fußballer oder Politiker”. “Körpernahes Gewerbe ist gerade generell verboten”, sagt das Mitglied des Landesinnungsverbands. Das sollte auch für Personen, die bei der Bundeskanzlerin arbeiten und ihr nun die Haare stylen, gelten.

Gesundheitsamt musste nicht nachverfolgen

Seit Anfang Mai, als die Salons nach dem ersten Lockdown wieder öffnen durften, müssen die Betriebe die Kundendaten sammeln, um im Falle einer Infektion Kontakte nachverfolgen zu können. Im Salon Mefisto ist das nicht vorgekommen. Gabriela Tonn hat Zahlen für ganz Deutschland: 22 Friseure seien infiziert gewesen, und 14 hätten sich durch einen Kunden angesteckt, das entspreche einer prozentualen Quote an Infektionen in Salons, bei der zwei Nullen hinter dem Komma stünden. Tonn ist überzeugt von dem erarbeiteten Hygienekonzept. “Unter den Bedingungen können wir arbeiten, damit können wir überleben.”

Bis die Salons wieder öffnen dürfen, wenden sich die Friseure mit ihren Bitten an die Politik: Ohne staatliche Hilfen werde es schwierig, schon jetzt seien einige Konten leer. Ein Zeichen des stillen Protests bleibt. Von sonntags ab 8 Uhr bis montags um 8 Uhr sind die Betriebe hell erleuchtet. Mit der Aktion “Licht an” versuchen die Salons, auf die Situation des Friseurhandwerks aufmerksam zu machen.

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