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Funde werden jetzt ausgewertet und können den Wandel der Landschaft aufzeigen

Handwerkersiedlung am Fluss

Das Grabungsteam mit Studenten, Praktikanten und ehrenamtlichen Helfern aus Deutschland, dem Iran, China, Nigeria und Syrien besuchte auch die Kreisarchäologie.Foto: Imke Brandt
Das Grabungsteam mit Studenten, Praktikanten und ehrenamtlichen Helfern aus Deutschland, dem Iran, China, Nigeria und Syrien besuchte auch die Kreisarchäologie.Foto: Imke Brandt
VERDEN - 10. September 2018 - 11:59 UHR - VON REDAKTION

Auch in diesem Jahr hat ein Archäologen-Team in den Äckern bei Holtorf Ausgrabungen durchgefürt. Sechzehn internationale Grabungshelfer erforschten unter der Leitung von Imke Brandt vom Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung in Wilhelmshaven eine Siedlung der Germanen von vor rund 2.000 Jahren. Im Vorjahr gruben sie Verhüttungsöfen, kleine Werkstatthütten und einen Brunnen aus und erbrachten den Nachweis, dass hier nicht nur Bauern, sondern auch spezialisierte Handwerker lebten. Diesmal wollten sie das Verhältnis zum nahegelegenen Flusslauf erforschen.

“Da, wo jetzt die Bäume stehen, war der Fluss”, so Imke Brandt, “auch wenn man heute nichts mehr sieht”. Geomagnetische Messungen und Bohrungen haben den Flusslauf nachgewiesen. “Wir wissen nur noch nicht, ob das die Aller oder die Weser war”, so die Expertin weiter. “Aber das werden wir hoffentlich mit Unterstützung der Universität Hamburg feststellen. Jetzt wollen wir erst einmal herausfinden, ob der Fluss auch wirklich offen lag, als die Leute hier siedelten.”

Dafür haben ihre Helfer einen Grabungsschnitt angelegt, der mehr als einen Meter tief hinabreicht. Auch wenn man auf den ersten Blick nur Sand sieht, erläutert die Fachfrau, dass hier der Uferbereich war, an dem die Leute ihr zerbrochenes Geschirr entsorgt und in den Schlamm getreten haben. “Das war eine Punktlandung, die genau die zentrale Frage beantwortet hat”, so die Projektverantwortliche Dr. Annette Siegmüller, ebenfalls vom Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung in Wilhelmshaven. “Wir wissen jetzt, dass die Handwerkersiedlung tatsächlich am Fluss lag und nicht an einem verlandeten Altarm. Das ist mehr, als wir erhofft haben.” Ende September war die Ausgrabung abgeschlossen, jetzt werden die Funde bereinigt, konserviert, restauriert und zum Schluss wissenschaftlich ausgewertet.

Zusammen mit den Ergebnissen von Geophysik, Geomagnetik und bodenkundlichen Bohrungen versprechen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse zu Handelsstrukturen und Warenströmen bei den Germanen der römischen Kaiserzeit.

Angestoßen hat diese Forschungen ein Hobbyarchäologe: Der Grasberger Gerald Neumann sucht seit Jahren in enger Zusammenarbeit mit der Kreisarchäologie systematisch Äcker im Landkreis Verden ab und hat dabei schon so manche Fundstelle entdeckt, die vorher nicht bekannt war. Auch die Germanensiedlung bei Holtorf hat er aufgespürt. “Es war ein Glücksfall, dass das Wilhelmshavener Institut für historische Küstenforschung, immerhin eine renommierte Forschungseinrichtung des Landes Niedersachsen, Interesse an den Funden gezeigt hat”, so Kreisarchäologin Dr. Jutta Precht. “Jetzt werden nicht nur die Funde ausgewertet, sondern die Wilhelmshavener können mit ihren High-Tech-Methoden auch den Wandel der Landschaft und die Bedeutung der Flüsse als Verkehrswege erforschen. Ein Gewinn für die Kreisarchäologie und ein Thema, das auf breites öffentliches Interesse stößt”, so die Kreisarchäologin weiter. “Leider konnten wir in diesem Jahr keine Führung über die Ausgrabung anbieten. Letztes Jahr war der Andrang riesengroß. Wenn dieses Jahr wieder so viele Interessierte gekommen wären, hätten wir sie in den kleinen Grabungsschnitten gar nicht unterbringen können”, so Dr. Precht. Stattdessen plant sie zusammen mit Grabungsleiterin Imke Brandt einen Vortrag, den sie Ende des Jahres im Erbhof Thedinghausen halten wollen. Der genaue Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben.

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