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Infektpatienten sollen sich unbedingt vor einem Arztbesuch mit der Praxis in Verbindung setzen. Unterdessen werden Schutzanzüge und Desinfektionsmittel auch im südlichen Heidekreis knapp.

Hausärzte appellieren an Patienten

Besondere Herausforderung für Hausärzte: In der Coronakrise müssen sich die niedergelassenen Mediziner, vor allem aber auch die Patienten umstellen. Menschen mit Infekten sollten vor einem möglichen Arztbesuch anderweitig Kontakt zu den Praxen aufsuchen. Foto: bmf-foto.de - stock.adobe.com
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Besondere Herausforderung für Hausärzte: In der Coronakrise müssen sich die niedergelassenen Mediziner, vor allem aber auch die Patienten umstellen. Menschen mit Infekten sollten vor einem möglichen Arztbesuch anderweitig Kontakt zu den Praxen aufsuchen. Foto: bmf-foto.de - stock.adobe.com
WALSRODE - 23. März 2020 - 14:28 UHR - VON JENS REINBOLD

Das Coronavirus schafft Unsicherheit - auch bei den Patienten in den Hausarztpraxen. Die Mediziner müssen sich auf die neue Herausforderung einstellen und bitten ihre Patienten darum, sich an die Maßgaben zu halten. Dazu gehört auch: Erst mit den Ärzten telefonieren oder E-Mails schreiben, bevor man die Praxisräume betritt.

Die Fallzahlen von am Coronavirus erkrankten Menschen steigen im Heidekreis derzeit nur leicht - der Druck auf die Hausärzte hingegen nimmt spürbar zu. Hygienemittel und Schutzausrüstung werden knapp, und die Organisation des Praxisbetriebs wird deutlich komplizierter. Vor diesem Hintergrund appellieren die mehr als 100 niedergelassenen Ärzte im südlichen Kreisgebiet an Infektpatienten: Sie sollen vor Besuchen in den Sprechstunden Kontakt zu den Praxen aufnehmen, entweder telefonisch oder auch per E-Mail. Insbesondere gilt das für Patienten, die Zeichen von Atemwegsinfektionen aufweisen.

Wir versuchen, alles zu verschieben, was zu verschieben ist.”

Einer dieser Ärzte ist Dr. Jens Schlake. In seiner Gemeinschaftspraxis am Großen Graben in Walsrode ist der Andrang in der Regel groß. “Zu Spitzenzeiten sind schon mal 50 bis 60 Patienten gleichzeitig in der Praxis”, sagt er, seit einigen Tagen jedoch sind es deutlich weniger. “Wir versuchen, alles zu verschieben, was zu verschieben ist”, erklärt Dr. Schlake, der etwa Routineuntersuchungen zu den aufschiebbaren Behandlungen zählt.

Kittel, Handschuhe, zertifizierter Mundschutz - alles Mangelware

Es sind eben andere Zeiten - und in Hinblick auf Atemwegsinfektionen ist Vorsicht die Mutter der Porzellankiste bei den Hausärzten. Vor allem natürlich, wenn es darum geht, andere Patienten und auch die Belegschaft nicht mit dem Virus zu infizieren, aber es geht auch um Ressourcen. “Wir haben nur noch drei Schutzausrüstungen”, sagt der Mediziner, “und in anderen Praxen sieht es auch nicht anders aus.”

Kittel, Handschuhe, zertifizierter Mundschutz - alles Mangelware. “Die Materialien sollen nun wieder von der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen verteilt werden, und auch der Landkreis hat Hilfe zugesagt”, so Dr. Schlake, der sich allerdings aktuell an der Knappheit der Materialien orientieren muss. Gleiches gilt auch für Desinfektionsmittel. “Seit acht Wochen gab es da keine Lieferungen mehr”, sagt Dr. Schlake, “selbst bei einer vorausschauenden Vorratshaltung sind diese Mittel bald verbraucht.” Und auch deshalb gilt eben: Am besten keine Patienten, die mit dem Coronavirus infiziert sind, in die Praxisräume zu lassen. Nur sieht man dies den Patienten eben nicht an.

Einteilung in vier Gruppen

Genau deshalb sei die Kontaktaufnahme im Vorfeld eines Arztbesuches so wichtig. Und wie es dann weitergeht mit diesen Infektpatienten, entscheiden die Mediziner dann von Fall zu Fall. “Es gibt klare Richtlinien vom Robert-Koch Institut, welche Patienten getestet werden sollen”, erklärt Dr. Schlake. In vier Gruppen sind die möglicherweise am Coronavirus Erkrankten dabei eingestuft. In der ersten Gruppe sind eben jene, die direkt Kontakt mit nachweislich Infizierten hatten. Sie werden ebenso getestet wie jene Menschen, die aus Risikogebieten kommen und über typische Symptome klagen. Sie erhalten nach Telefonat mit dem Arzt einen Termin im Corona-Testzentrum, das am Heidekreis-Klinikum angesiedelt ist.

“Der Hausarzt behandelt die Patienten weiter.”

Zur “Patientengruppe 3” gehören jene Menschen mit Symptomen, die Kontakt mit Kontaktpersonen hatten, also sozusagen “über eine Ecke” infiziert worden sein könnten. “Da gibt es derzeit noch unterschiedliche Auslegungen, wie mit ihnen verfahren werden soll”, sagt Dr. Schlake. Mittlerweile sollen auch sie mehr und mehr getestet werden. Weiterhin keine Abstriche genommen werden bei Patienten, die Symptome wie etwa Atemwegsbeschwerden, Fieber und Husten haben: Für Patienten aller vier Gruppen gilt: “Der Hausarzt behandelt sie weiter”, so Dr. Schlake, wie das im Einzelfall geschieht, das entscheidet der Mediziner, der etwa auch symptomlindernde Medikamente nach telefonischer Beratung aufschreiben kann.

Coronatests? “Da sind wir weltweit führend.”

Was die Tests angeht, sieht Dr. Schlake die Republik gut aufgestellt. “Da sind wir weltweit führend”, sagt er. Tatsächlich liege der “Flaschenhals” bei den Laboratorien, die die Tests auswerten. Sechs Stunden dauert ein Testdurchlauf mittels eines Geräts, das allerdings zahlreiche Abstriche zeitgleich erfassen kann; für den Heidekreis kümmert sich ein Labor in Hamburg um diese Auswertungen.

Dr. Schlake selbst hat übrigens die Einschränkungen erlebt, die eine häusliche Quarantäne mit sich bringt. Vor 14 Tagen war er gemeinsam mit seiner Frau, der Walsroder Frauenärztin Dr. Bettina Kerkhoff, zum einem Ärztekongress nach Österreich gefahren. Anschließende Tests auf das Coronavirus verliefen bei beiden negativ, trotzdem hatten sie sich selbst vorsorglich eine häusliche Quarantäne auferlegt; in diesen Tagen wird Dr. Schlake seine Arbeit nun wieder aufnehmen - “natürlich unter Einhaltung aller Hygienemaßnahmen”, wie er betont.

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