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Geschäftsführer Dr. Rogge, trinovis-Projektmanagerin Zoch und Stadtplaner von Luckwald stehen Rede und Antwort

HKK-Neubau: Warum fiel die Entscheidung auf “F4”?

Interaktive Veranstaltung: Die Fragen der Zuschauenden wurden live von den anwesenden Expertinnen und Experten beantwortet. Screenshot: Heuer
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Interaktive Veranstaltung: Die Fragen der Zuschauenden wurden live von den anwesenden Expertinnen und Experten beantwortet. Screenshot: Heuer
WALSRODE - 18. März 2021 - 17:12 UHR - VON MäRIT HEUER

Die Frage nach der Standortfindung bildet den Kern der Diskussion um einen möglichen Krankenhaus-Neubau im Landkreis. Bei der Live-Veranstaltung des Heidekreis-Klinikums am Mittwoch gab es Antworten - und die Möglichkeit, ab sofort eine Zusammenfassung des trinovis-Gutachtens einzusehen, um das sich zahlreiche Gerüchte rankten.

Wer sich noch immer fragt, warum ein Krankenhaus-Neubau unbedingt bei Bad Fallingbostel entstehen soll, wie diese Entscheidung zustande kam und ob irgendetwas daran “geheim” war, der kann sich die Antworten darauf nun innerhalb von 60 Minuten anhören. Die dritte Online-Live-Veranstaltung des Heidekreis-Klinikums unter dem Motto “Klinik im Dialog” drehte sich am Mittwoch, 17. März, allein um die Standortfrage, die ja bekanntermaßen die Gemüter im “Norden” und “Süden” des Heidekreises spaltet. Vor der Kamera stellten sich HKK-Geschäftsführer Dr. Achim Rogge, trinovis-Projektmanagerin Amelie Zoch und Stadtplaner Georg von Luckwald den Fragen des Moderators und der Zuschauerinnen und Zuschauer zuhause, die ihre Anliegen bei Facebook oder Youtube in Echtzeit vorbringen konnten.

Die Suche nach möglichen Flächen

Anfang Februar 2018 begann alles mit einer großen Überraschung: Das Niedersächsische Sozialministerium stellte dem Heidekreis eine millionenschwere Fördermittelsumme in Aussicht - “unter der Voraussetzung, dass wir beide Krankenhaus-Standorte an einem fusionieren”, ruft Dr. Rogge in Erinnerung. “Da stellt sich natürlich die Frage: Wo macht man das im Heidekreis?” Da sich die Politik vor Ort nicht auf einen Standort habe einigen können, sei ein Raumordnungsverfahren in Auftrag gegeben worden. An der Stelle kam Stadtplaner Georg von Luckwald ins Spiel. “Jedes Krankenhaus muss irgendwo in besiedeltes Gebiet, deshalb sind immer auch Städte und Kommunen mit im Boot”, führt von Luckwald aus, der sich als Landschaftsarchitekt aber auch mit Bebauungen außerhalb von Ortsgrenzen auskenne. Unter Berücksichtigung von Mindestgröße und Verfügbarkeit der Flächen sowie weiterer planungsrechtlicher Kriterien blieben am Ende der Suche kreisweit vier “Kandidaten” übrig: die Flächen S7 bei Soltau, D4 bei Dorfmark, F4 bei Bad Fallingbostel und W1 bei Walsrode.

Wer ist der Beste unter den Besten?

“Das hat uns gefreut”, knüpft Dr. Rogge an: “Wir hatten vier ideale Standorte, an denen wir ein neues Krankenhaus hätten bauen können. Aber wir wollten auch in die Zukunft schauen.” Fragen wie die nach künftig zu erwartenden Krankheitsbildern in der Region, nach Versorgungsbedarf und Erreichbarkeit standen im Raum, zählt Dr. Rogge einige Beispiele auf. Daher sei die Firma trinovis mit einem Gutachten beauftragt worden, um herauszufinden, welcher der vier Standorte am geeignetsten sei. Bei der trinovis GmbH handelt es sich um den bundesweiten Marktführer im Bereich von Markt-, Potenzial-, Mitbewerber- und Zuweiseranalysen sowie Arztstammdatenservices für Kliniken. “Bei diesem Gutachten hat sich ergeben, dass der Standort F4 in elf von zwölf Punkten überzeugt - teilweise mit Abstand”, resümiert Dr. Rogge. Bei der Auswertung dieser zwölf Punkte wie Erreichbarkeit oder Wirtschaftlichkeit sei dabei keiner “höher” gewichtet worden als der andere, fügt Amelie Zoch von der trinovis GmbH an. “Alle Kriterien wurden gleich bewertet.”

Mit dem Kompromiss in die breite Diskussion

Da das Thema Erreichbarkeit im Landkreis besonders diskutiert wird, ergänzt Dr. Rogge: “Eine Erreichbarkeit des Klinikums innerhalb von 30 Minuten kann man nicht für 100 Prozent der Bevölkerung garantieren - an keinem Standort.” Daher habe ein Kompromiss gefunden werden müssen. “Mit dem sind wir dann in die breite Diskussion gegangen”, erzählt der HKK-Geschäftsführer weiter und blickt zurück auf Gespräche in verschiedenen Gremien, von Aufsichts- und Beirat über Politiker und Bürgermeister bis hin zum Dialog in öffentlichen Kreistagssitzungen. “Wir haben das nicht irgendwo im stillen Kämmerlein entschieden”, betont Dr. Rogge, “und es war auch nicht etwa eine alleinige Entscheidung des Geschäftsführers”, räumt er mit derartigen Unterstellungen auf.

Gutachten als Zusammenfassung online

Auch um das Gutachten der Firma trinovis rankten sich seit der Standortentscheidung für F4 viele Gerüchte und Verschwörungstheorien - deshalb hat das Heidekreis-Klinikum den Inhalt des Gutachtens im Anschluss an die Sendung am Mittwoch veröffentlicht - in Form einer Zusammenfassung. Das Dokument ist hier einsehbar. Zuletzt warb Dr. Rogge noch einmal dafür, am 18. April zur Abstimmung zu gehen - und das Kreuz für die Realisierung eines neuen Gesamtklinikums bei NEIN zu machen.

Warum wird das Gutachten nicht eins zu eins veröffentlicht, Herr Dr. Rogge?

“Das Gutachten der Firma trinovis füllt mit etwa 400 Seiten einen ganzen DIN-A4-Ordner”, sagt HKK-Geschäftsführer Dr. Achim Rogge. Das allein sei aber kein Ausschlusskriterium dafür, das Dokument eins zu eins der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Es geht um etwas anderes: “Das Gutachten enthält viele fachabteilungsspezifische Daten des Krankenhauses”, erklärt Dr. Rogge. “Es geht niemanden etwas an, wer unsere Zuweiser in den Fachabteilungen sind oder wo wir intern unsere Stärken und Schwächen sehen.” Was nicht unter “Betriebsgeheimnis” falle, sei in der veröffentlichten Version - die immerhin auch noch 56 Seiten stark ist - einsehbar. “Wir haben alles erklärt und nichts zu verbergen”, betont Dr. Rogge. “Es geht ganz einfach um Datenschutz.”

Wurden die Menschen im Nordkreis außen vorgelassen, Herr von Luckwald?

“Eine Unterscheidung des Heidekreises in Norden oder Süden hat bei unseren Untersuchungen überhaupt keine Rolle gespielt”, stellt Stadtplaner Georg von Luckwald klar. Zunächst seien planungsrechtliche Fragen bearbeitet worden: Wo kann überall gebaut werden, wo stehen Flächen von mindestens acht, besser zehn Hektar zu Verfügung? “Wir wollten nicht mitten in der Landschaft bauen, sondern in Siedlungsnähe mit guter Infrastruktur”, erklärt von Luckwald. Als klar gewesen sei, wo ein Neubau möglich ist und wo nicht (Naturschutz-, Wasserschutzgebiete etc.), sei das Planungsteam in die Kommunen gegangen. “Wir haben gefragt, ob noch Flächen vergessen wurden und dann natürlich auch über Grunderwerb gesprochen.” Letztlich hätten sich vier Suchbereiche herauskristallisiert: S7 bei Soltau, D4 bei Dorfmark, F4 bei Bad Fallingbostel und W1 bei Walsrode. An dieser Stelle setzte dann das Gutachten der Firma trinovis an.

Warum ist Google Maps kein Maßstab für die Fahrtzeit, Frau Zoch?

“Die Anwendung Google Maps ist tageszeiten- und saisonabhängig”, führt Amelie Zoch, Projektmanagerin der Firma trinovis, aus. “Wenn ich dort eine Route eingebe, bekomme ich immer eine andere Fahrtzeit angezeigt” - je nachdem, ob es dort beispielsweise gerade einen Unfall gegeben habe oder Feierabendverkehr herrsche. “Wir haben uns für ein stabiles, tageszeiten- und saisonunabhängiges Fahrtzeitenmodell entschieden.” Dabei seien verschiedenen Straßensegmenten verschiedene Geschwindigkeiten zugeordnet, wobei unter anderem Verkehrslage und Topografie berücksichtigt würden. “Unser Routing-Algorhythmus berechnet daraus die schnellstmögliche Route vom Wohnort der potenziellen Patienten bis zur Klinik”, so Zoch.

Einen Kommentar zum Thema von WZ-Redakteurin Märit Heuer finden Sie hier.

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