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Ein Schüler und eine Studentin stellen ihre Sicht auf die Standortdebatte im Landkreis dar

HKK-Neubau: Wie denken junge Leute darüber?

Bald mit anderer Nutzung verbunden? Der Standort des Heidekreis-Klinikums in Soltau. Foto: Hillmann
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Bald mit anderer Nutzung verbunden? Der Standort des Heidekreis-Klinikums in Soltau. Foto: Hillmann
WALSRODE - 25. März 2021 - 16:16 UHR - VON MäRIT HEUER

Wer die Diskussionen um die Standortentscheidung für ein neues Klinikum im Heidekreis verfolgt, sieht überwiegend dieselben Köpfe zu Wort kommen - und die sind meist fortgeschrittenen Alters und wiederholen sich allmählich in ihrer Wortwahl. Frischen Wind in die Thematik brachte am Mittwoch die Anwesenheit zweier junger Menschen im Online-Format “Klinik im Dialog”, bei dem es um die Perspektiven der Gesundheitsversorgung aus der Sicht jüngerer Generationen im Heidekreis ging.

Für Bjarne Graetsch ähnelt der Nord-Süd-Konflikt im Heidekreis einem Tom-und-Jerry-Cartoon. “Eine Seite verkloppt die andere”, sagt der 16-Jährige unverblümt. “Was wir brauchen, ist die Fernbedienung, um den Fernseher auszuschalten.” Bei der Online-Livediskussion des Heidekreis-Klinikums ging es am Mittwoch, 24. März, um Zukunftsperspektiven, die sich mit dem Bau eines Gesamtklinikums im Landkreis ergeben könnten - vor allem für junge Leute. Deshalb war nicht nur Schüler Bjarne Graetsch neben HKK-Geschäftsführer Dr. Achim Rogge auf dem Podium, sondern auch Isabelle Lohrengel, Lehramtsstudentin. Beide haben von einer Unterscheidung zwischen “Nord- und Südkreis” erstmals im Zusammenhang mit der aktuellen Standortdebatte gehört.

Erschrocken über Heftigkeit des Konflikts

“Auch, wenn ich im Heidekreis geboren bin, kann ich mit diesen Begrifflichkeiten nichts anfangen”, räumt Graetsch ein. “In unserem Alltag ist da keine Grenze zwischen Nord und Süd”, ergänzt Lohrengel. “Wenn wir Freunde in Soltau oder Schneverdingen besuchen, haben wir dabei nicht im Kopf, dass wir uns jetzt nördlich irgendwelcher Koordinaten befinden”, sind sich beide einig.

Auch Dr. Rogge sei von der Heftigkeit der Standortdebatte überrascht worden: “Ich habe diesen Landkreis immer als sehr offen, freundlich und warmherzig erlebt”, erinnert er sich an die Zeit, als er seine Arbeit am HKK aufnahm, “und ich war sehr erschrocken, als dieser Konflikt plötzlich ausbrach.” Der Heidekreis sei ein “prosperierender Landkreis - von Landflucht keine Spur”, sagt Dr. Rogge. “Aus dem Wachstum können wir ableiten, dass wir hier ein großes, modernes Krankenhaus brauchen. Die beiden aktuellen Standorte können so nicht in die Zukunft geführt werden.”

Apropos Zukunft: Die würden Bjarne Graetsch und Isabelle Lohrengel gern im Heidekreis verbringen. “Ich habe mir damals extra einen Studienort ausgesucht, von dem aus ich auch herpendeln kann”, bekräftigt die 25-Jährige. “Hier habe ich meinen Partner und meine Familie - aber auch den Supermarkt, den man kennt, oder den Lieblingsspazierweg.” Die Anbindung an die großen Städte in Verbindung mit dem Leben im ländlichen Raum mache den Landkreis so reizvoll. Auch für Bjarne Graetsch wäre es “ein Riesenvorteil, wenn man in der Heimat bleiben und gleichzeitig das erreichen kann, was man möchte.”

Standortdebatte schadet Image des Hauses

Stichwort erreichen: Sowohl Lohrengel als auch Graetsch gehören zu einer Generation, die viel mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist und unterwegs sein möchte - beide seien vor der Veranstaltung am Mittwoch von ihren Freunden darauf angesprochen worden, doch unbedingt auch nach einer Bahnhaltestelle am potenziellen Klinikstandort F4 zu fragen. Dafür will sich auch Dr. Rogge einsetzen. Eine gute Verkehrsanbindung sei nicht nur wichtig für Besucherinnen und Besucher, sondern vor allem auch für potenzielle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. “Wir haben einen enormen Bedarf an Arbeitskräften: 35 Prozent unserer Belegschaft wird den Umzug in ein neues Haus aus Altersgründen gar nicht mehr in ihrer Dienstzeit erleben”, erklärt der HKK-Geschäftsführer. Es stelle ein Problem dar, dass das Klinikum weiter durch “Negativschlagzeilen in der Presse erscheint, die absolut nichts mit Medizin zu tun haben”, betont Dr. Rogge. “Diese Standortdebatte tut uns nicht gut.” Um Fachkräfte zu gewinnen und auszubilden, sei ein modernes Gesamtklinikum vonnöten. “Aktuell müssen unsere Auszubildenden nach Soltau und Walsrode fahren”, so Dr. Rogge.

Kritische Stimmen ernst nehmen

“Was wir hier in der Debattenkultur gerade erleben, trifft den Zeitgeist”, bedauert Bjarne Graetsch. “Wenn du nicht meiner Meinung bist, dann bist du immer gegen mich - wo kommen wir da hin?” Auch Isabelle Lohrengel wünscht sich statt Polarisierung einen Dialog auf Augenhöhe: “Ich erkenne es an, wenn Menschen sagen: Ich bin so enttäuscht von dem Ganzen. Dass da Wut und Emotionen mit im Spiel sind, respektiere ich”, stellt sie klar. “Aber wir sollten nicht vergessen, dass es hier eigentlich nicht um eine Standortfrage geht, sondern um Fördermittel und eine einmalige Chance für unsere Region. Die sollten wir nicht verspielen, sondern uns darauf konzentrieren, das mitzugestalten, was da kommt.” In dieselbe Kerbe schlägt Dr. Rogge: “Die Stimmen aus Teilen des Landkreises, die sich hier in einer Bürgerinitiative zusammengefunden haben, nehme ich sehr ernst. Und die machen mich sehr betroffen - in der Form, dass sie weniger konstruktiv sind, sondern immer nur sagen: Das wird kritisiert. Vielleicht ist nicht alles gut gelaufen”, räumt der HKK-Geschäftsführer ein. “Man kann kritisieren, wie die Kommunikation verlief.” Das sei in Teilen der Corona-Pandemie, aber auch handelnden Personen zu schulden. “Aber die Eckdaten sind nun einmal, wie sie sind.”

“Für uns gibt es nur einen Landkreis”

Graetsch kommt noch einmal auf den Tom-und-Jerry-Vergleich zu sprechen: “Was wollen wir denn machen: uns noch 30 oder 60 Jahre weiter kloppen? Wenn ich mich mit meinen Geschwistern noch so streiten würde wie früher, wären wir heute keine Familie”, gibt er zu bedenken. Dr. Rogge stimmt zu: “Ein Gesamtklinikum sollte zur Heilung alter Wunden und zur Überwindung dieser Thematik beitragen. Wir sollten nicht übereinander, sondern miteinander reden. Sechs Kilometer und drei Minuten Fahrtzeit sind kein Streitwert.” “Für uns gibt es nur einen Landkreis”, schließt Isabelle Lohrengel, “und das ist der Heidekreis.”

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