bedeckt
1 ° C - bedeckt
» mehr Wetter

Lokales

/lokales/kaum-noch-lebensraum-fuer-turteltauben_10_111823750-21-.html/ / 1

Vogel des Jahres 2020 ist stark gefährdet / Nabu fordert verbesserte Landwirtschaftspolitik und Aussetzen der Abschussgenehmigungen

Kaum noch Lebensraum für Turteltauben

Bedrohte Art: Die Turteltaube steht auf der weltweiten Roten Liste. Foto: Ralf Thierfelder/NABU
Bedrohte Art: Die Turteltaube steht auf der weltweiten Roten Liste. Foto: Ralf Thierfelder/NABU
AHLDEN - 30. Dezember 2019 - 10:00 UHR - VON REDAKTION

Sie ist ein Symbol für die Liebe, ihre Lebensbedingungen sind aber wenig romantisch: Die Turteltaube wurde vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und seinem bayerischen Partner LBV (Landesbund für Vogelschutz) zum “Vogel des Jahres 2020” gewählt. Damit wollen die Verbände darauf aufmerksam machen, dass die Turteltaube stark gefährdet ist. Europaweit sind die Bestände seit 1980 um fast 90 Prozent zurückgegangen, auch in Deutschland sind ganze Landstriche inzwischen turteltaubenfrei. “Unsere kleinste Taube findet kaum noch geeignete Lebensräume. Zudem ist sie durch die legale und illegale Jagd im Mittelmeerraum bedroht”, sagt der 1. Vorsitzende des Nabu Heidekreis, Klaus Todtenhausen.

“Früher hat man das markante Gurren der Turteltaube an jedem Dorfrand oder Flussufer gehört”, erinnert sich Frank-Ulrich Schmidt von der Avifaunistischen Arbeitsgemeinschaft. Wildkräutersamen an Feldwegen und Feldfrüchte aus Zwischensaaten hätten ausreichend Nahrung geboten. Nach einer leichten Bestandzunahme in den 70er Jahren sei die Anzahl der Brutpaare im Heidekreis zunächst leicht und seit 2008 rasant gesunken. Aktuell geht der Experte davon aus, dass im gesamten Landkreis nur noch zehn bis 20 Paare brüten.

Die Turteltaube ist der erste vom Nabu gekürte Vogel, der als global gefährdete Art auf der weltweiten Roten Liste steht. Heute brüten in Deutschland noch 12.500 bis 22.000 Paare. Die meisten der höchstens 5,9 Millionen Paare Europas leben in Spanien, Frankreich, Italien und Rumänien. Turteltauben sind die einzigen Langstreckenzieher unter den mitteleuropäischen Taubenarten. Sie verlassen Europa zwischen Ende Juli und Anfang Oktober, um südlich der Sahara zu überwintern.

Die 25 bis 28 Zentimeter großen Vögel mit dem farbenfrohen Gefieder ernähren sich fast ausschließlich vegan. Sie bevorzugen Samen von Bäumen und Wildkräutern wie Klee, Vogelwicke, Erdrauch und Leimkraut, die aufgrund der Verwendung von Herbiziden in der intensiven Landwirtschaft auf Äckern kaum noch zu finden seien, kritisiert der Nabu. Daher habe sich die Taube seit den 60er Jahren angepasst und ihre Nahrung umgestellt. Der Anteil von Sämereien aus landwirtschaftlichen Kulturen mache nun in weiten Teilen ihres Verbreitungsgebiets mehr als die Hälfte der Nahrung aus statt wie früher nur 20 Prozent. Im Gegensatz zu Wildkrautsamen stünden diese aber nur für kurze Zeit zur Verfügung und fehlten während der kritischen Phase der Jungenaufzucht, was zu sinkenden Bruterfolgen führe. Außerdem gehe die Ausweitung von Anbauflächen mit einem Verlust von Brachen, Ackersäumen, Feldgehölzen und Kleingewässern einher. Damit verschwänden Nistplätze, Nahrungs- und Trinkstellen.

Eine zusätzliche Bedrohung sei die Vogeljagd im Mittelmeerraum. “Wissenschaftler konnten nachweisen, dass die jährlich mehr als 1,4 Millionen in der EU legal geschossenen Turteltauben von der Art nicht mehr verkraftet werden können”, sagt die Pressesprecherin des Nabu Heidekreis, Dr. Antje Oldenburg.

Um den gefiederten Liebesboten zu schützen, fordert der Nabu Bundesumweltministerin Svenja Schulze mit einer Petition (www.vogeldesjahres.de/petition) auf, sich neben einer verbesserten Landwirtschaftspolitik auch für das dauerhafte Aussetzen der Abschussgenehmigungen in den EU-Mitgliedsstaaten einzusetzen.

Kommentare

Noch keine Kommentare vorhanden.
Diese Beitragsdiskussion wird moderiert. Die Redaktion behält sich das Recht vor, eingereichte Kommentare zu löschen, wenn diese gegen den Verhaltenscodex verstoßen. Ihr Kommentar sowie Ihr vollständiger Name werden in der Beitragsdiskussion veröffentlicht. Einzelne Kommentare können zur Veröffentlichung in der Walsroder Zeitung verwendet werden.