Lokales

/lokales/kernbotschaft-wir-sind-ein-landkreis_10_111997992-21.html/ / 1

Vertreter der politischen Jugendorganisationen ziehen gemeinsam in den Wahlkampf - für einen Neubau des Heidekreis-Klinikums am Standort F4 bei Bad Fallingbostel

Kernbotschaft: “Wir sind ein Landkreis”

Gemeinsame Sache über Parteigrenzen hinweg: Jonas Pagels (Jusos), Elisabeth Petersen (Bündnis90/Die Grünen), Jan Hendrik Linke (JuLis) und Timo Albeshausen (Junge Union, von links), wollen mit Flyern und auch an Informationsständen für den Neubau des Heidekreis-Klinikums am Standort F4 in Bad Fallingbostel werben. Foto: Reinbold
  • Bild 21
Gemeinsame Sache über Parteigrenzen hinweg: Jonas Pagels (Jusos), Elisabeth Petersen (Bündnis90/Die Grünen), Jan Hendrik Linke (JuLis) und Timo Albeshausen (Junge Union, von links), wollen mit Flyern und auch an Informationsständen für den Neubau des Heidekreis-Klinikums am Standort F4 in Bad Fallingbostel werben. Foto: Reinbold
WALSRODE - 05. März 2021 - 15:38 UHR - VON JENS REINBOLD

Am 18. April sollen die Bürger des Heidekreises entscheiden, ob ein neues Klinikum in Bad Fallingbostel oder “bei Dorfmark” (und damit wahrscheinlich gar nicht) gebaut werden soll. Für Nachwuchspolitiker steht fest: Die gesundheitliche Versorgung steht auf dem Spiel - weshalb sie parteiübergreifend in den Wahlkampf ziehen.

Sie sind jung, sie sind politisch engagiert - und sie sind herrlich undogmatisch. Zumindest, wenn es um das wichtige Thema Heidekreis-Klinikum (HKK) geht. Timo Albeshausen (Vorsitzender Junge Union), Jan Hendrik Linke (Vorsitzender Junge Liberale), Jonas Pagels (Vorsitzender Jusos) und Elisabeth Petersen (Bündnis 90/Die Grünen) verlieren sich nicht im Klein-Klein von alten Kreisgrenzen oder Parteizugehörigkeiten, schon gar nicht befassen sie sich mit irgendwelchen belastenden Vergangenheitsbewältigungen. “Wir wollen uns gemeinsam für zukunftsfähige medizinische Versorgung im Heidekreis einsetzen”, sagt Albeshausen, “das ist ein Neubau des HKK - und den wollen wir nicht am Standort scheitern lassen.”

Völlig anderer Blickwinkel

So wollen sie fernab von in aller Öffentlichkeit oder hinter verschlossenen Türen zankenden “Alt-Politikern” nun im “Wahlkampf” für den Bürgerentscheid gemeinsame Sache machen. Und unter ihresgleichen ist die Phalanx gebildet: “Fast alle Mitglieder aus unseren Nachwuchsorganisationen stehen dahinter”, sagt Albeshausen, mit 27 Jahren der älteste der vier Jungpolitiker. Die jungen Leute offenbaren dabei einen völlig anderen Blickwinkel, wenn es um Standortdebatten geht. “Wir wollen nicht auch noch die nächsten Jahre über die 1970er sprechen”, sagt Albeshausen im Rückblick auf die Kreisreform, “das alles spielt für uns keine Rolle, das war vor unserer Zeit”, assistiert ihm Elisabeth Petersen, “wir sind in einem Kreis aufgewachsen, wir nutzen Begrifflichkeiten wie Nord- oder Südkreis eigentlich gar nicht.”

Frühere Debatten ausklammern

Und auch Jonas Pagels sieht keine Veranlassung, der Vergangenheit in der Gegenwart mehr Raum als nötig einzuräumen: “Die Diskussionen von vor zehn Jahren spielen für uns keine Rolle”, sagt der “Juso” im Hinblick auf die damalige HKK-Umstrukturierung, “das hat mit der aktuellen Debatte nichts zu tun.”

Flyer und Stände

So haken sie sich unter, schmieden eigene Pläne, wie sie für das “Nein” am 18. April beim Bürgerentscheid werben und damit den Neubau in Bad Fallingbostel unterstützen wollen - zum Teil durchaus argwöhnisch beäugt von dem einen oder anderen “Altvorderen” in der Kreispolitik. Einen Flyer für ihr Ansinnen haben sie bereits entworfen. Er soll in zahlreichen Orten verteilt werden. Für alle Haushalte im Heidekreis indes reichen die finanziellen Mittel nicht - dafür wollen sie auch mit Präsenz überzeugen. “In Walsrode und Soltau wollen wir an Ständen informieren. Vielleicht auch noch an anderen Orten”, erklärt Albeshausen die Marschroute, die aber auch gar nichts von Krawall beinhalten soll.

“Das Bürgerbegehren ist ein zulässiges Mittel”

So wollen sie keine Angriffe auf die Initiatoren des Bürgerbegehrens fahren - nicht aus taktischem Kalkül, sondern aus Überzeugung. “Denn das Bürgerbegehren ist ein zulässiges Mittel”, wie der 23-jährige Jonas Pagels erklärt, “aber die Fakten sind in den Diskussionen einfach untergegangen.” Und die sehen zumindest aus Sicht der “jungen Garde” ziemlich simpel aus: “Unsere Kernbotschaft ist, dass wir ein Landkreis sind”, sagt Albeshausen, der diesbezüglich auch gerne den Ärztlichen Direktor des Heidekreis-Klinikums, Professor Dr. Michael Schmitz, zitiert: “Wir müssen der Standortfrage die Bedeutung geben, die sie hat - und die ist untergeordnet.”

Wie weit gehen die Widersacher?

Gleichwohl können die jungen Politiker zumindest im Ansatz die Motivationslage der Initiatoren des Bürgerbegehrens nachvollziehen. “Dass in den vergangenen Jahren nicht alles gut gelaufen ist, respektiere ich”, sagt Albeshausen in Bezug auf das HKK. “Aber die Frage ist, wie weit geht man in der Folge? Ist man bereit, dafür die Chance auf ein neues Krankenhaus platzen zu lassen?”, fragt der 27-Jährige, der sehr wohl weiß, dass Bad Fallingbostel für einige nicht unbedingt ein Wunschstandort ist. “Dass nicht alle ,juchhu‘ schreien, das kann man verstehen.”

“Zum Teil ein komplettes Ignorieren von Fakten”

Dennoch sollt es nach Ansicht des Jungliberalen Linken, der übrigens in Schneverdingen wohnt, doch um die konkrete Sache gehen. “Es gibt zum Teil ein komplettes Ignorieren von Fakten”, sagt der 23-Jährige, “und da spielen auch Vorbehalte gegen den Südkreis eine Rolle.” Es gehe um ein zukunftsfähiges, modernes Krankenhaus - und das könne nach aktueller Faktenlage am Standort F4 in Bad Fallingbostel gebaut werden - oder aber eben überhaupt nicht.

Debatte entglitten?

Das Thema spiele übrigens in der Generation der unter 30-Jährigen durchaus eine Rolle, sagt die 21-jährige Elisabeth Petersen. “Es gibt da ein Interesse”, sagt sie. SPD-Kollege Jonas Pagels spürt unter Seinesgleichen “viel Unverständnis, wie die Debatte so entgleiten konnte”. Kilometermessungen rückten plötzlich in den Fokus, “aber dabei geht es nicht um sieben oder acht Kilometer, sondern um die Sicherung der medizinischen Versorgung”, wie Petersen erklärt.

Das aus ihrer Sicht Wesentliche wollen die vier jungen Menschen an den Ständen und im Flyer wieder in den Mittelpunkt der Diskussionen rücken. Dass sie dafür nicht nur Schulterklopfer einheimsen werden, sondern auch knüppelharte Diskussionen werden führen müssen, ist ihnen bewusst. “Es wird schwierig”, sagt Albeshausen, “aber wir ziehen das durch.”

Kommentare

Andreas Wagenholz - 06.03.2021 - 11:31 Uhr #1
avatar Genau so muss es sein! Die Jugend entscheidet über ihre eigene Zukunft und nicht diese Generation Tattagreis aus Soltau!
Diese Beitragsdiskussion wird moderiert. Die Redaktion behält sich das Recht vor, eingereichte Kommentare zu löschen, wenn diese gegen den Verhaltenscodex verstoßen. Ihr Kommentar sowie Ihr vollständiger Name werden in der Beitragsdiskussion veröffentlicht. Einzelne Kommentare können zur Veröffentlichung in der Walsroder Zeitung verwendet werden.