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Besitzer sorgen sich um die Zukunft ihrer Baumbestände: Nahezu alle Baumarten verzeichnen durch ungewöhnliche Wetterextreme Ausfälle

Klimawandel hat Walsroder Wälder fest im Griff

Ein Wald in der Auflösung: Die vom Borkenkäfer befallenen Bäume müssen so schnell wie möglich aus dem Wald gebracht werden. Fotos: Kai Hildebrandt (2)
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Ein Wald in der Auflösung: Die vom Borkenkäfer befallenen Bäume müssen so schnell wie möglich aus dem Wald gebracht werden. Fotos: Kai Hildebrandt (2)
WALSRODE - 23. August 2019 - 13:10 UHR - VON REDAKTION

Seit dem vorletzten Sommer wird der Wald ordentlich von den Wetterbedingungen in die Mangel genommen. Ein sehr feuchter Sommer in 2017, der sehr trockene Sommer 2018, fehlende Niederschläge im Winter und die Trockenheit in diesem Jahr hinterlassen ihre Spuren. Vielen Walsroder Waldbesitzern sind die Sorgenfalten auf der Stirn anzusehen, und die Bezirksförster der Landwirtschaftskammer Niedersachsen entdecken eine “Kleinkatastrophe” nach der anderen im Wald. Denn in der Region ist es nicht nur die Fichte, die leidet: Nahezu alle Baumarten verzeichnen durch diese ungewöhnlichen Wetterextreme Ausfälle.

Nicht nur aus dem Harz hört man von dem großen Fichtensterben durch Borkenkäfer. Doch auch im Heidekreis sterben derzeit vermehrt neben den Fichten auch Buchen, Lärchen, Kiefern und Douglasien. Aber auch absterbende Eichen, Birken und Küstentannen wurden von dem Bezirksförster Kai Hildebrandt bereits entdeckt.

Woran das liegt? Mitarbeiter der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) untersuchten nun diese Wälder. Vermutet wird, dass die stark wechselnden und insgesamt abgesunkenen Grundwasserstände dafür sorgen, dass der Baum durch den Wassermangel nicht die natürliche Stärke hat, Baumkrankheiten abzuwehren. “Die Douglasie, eigentlich eine der Zukunftsbaumarten, ist von dem sogenannten Diplodia-Triebsterben betroffen, dieses Krankheitsbild kennen wir eigentlich nur bei der Kiefer”, berichtet Heiner Beermann, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Walsrode, aus seinem Wald. Bei dieser Krankheit verfärben sich die Nadeln im oberen Kronenbereich rotbraun. Ein starker Befall führt letztlich zum Absterben des Baums - auch bereits binnen eines Jahres.

In diesem Sommer kam der Großvater von sechs Enkelkindern stark ins Grübeln: eigentlich hat er die Waldbewirtschaftung in den vergangenen Jahrzehnten immer mit viel Herzblut und Engagement betrieben. Er hat sich viele Gedanken darüber gemacht, mit welchen Baumarten seine Enkel auch bei einem Klimawandel weiterwirtschaften können. Sein Augenmerk lag darauf, dass die Waldbestände artenreich und stabil wachsen. Doch mit dem jetzt spürbaren Klimawandel ist nun doch alles anders. Vieles Bekanntes wird widerrufen, viele Fragezeichen stehen im Raum. Wie soll es weitergehen? Mit welchen Baumarten ist ein Wald für die Zukunft gut vorbereitet? Wie kann die Waldbewirtschaftung weiterhin nachhaltig funktionieren? Denn es sterben nicht nur alte Bäume, sondern auch in 20-jährigen Misch-Beständen verlieren Bäume ihre Nadeln oder Blätter. Mit diesen Bäumen hatte Beermann finanziell in die Zukunft seiner Enkel investiert - nun könnte diese Investition verloren sein.

Wie viele Försterkollegen in Deutschland steht auch Kai Hildebrandt vor einer großen Herausforderung. Die Baumarten Ulme und Esche sind aufgrund von komplexen Krankheiten schon in den vergangenen Jahren aus dem Baumarten-Repertoire im Wald verschwunden. Nun scheinen weitere dazu zu kommen. Trotz aller Bemühungen in der Vergangenheit braucht es möglicherweise neue waldbauliche Ansätze und Denkweisen, die selbst die Wissenschaft so nicht erwartet hat. Vor diesem Hintergrund wird es Anfang Oktober in der Heidmark-Halle in Bad Fallingbostel eine Informationsveranstaltung für Waldbesitzer und Förster zum Thema “Waldsterben in der Heide - Welche Baumarten sind zukunftsträchtig?” geben. Klar scheint, dass unter diesen Klimaveränderungen der Wald mehr denn je eine gute Mischung aus vielen Baumarten benötigt. Nur so kann das Risiko verteilt werden. Doch zunächst hat der Waldbesitzer den Schaden. Und der ist schon jetzt immens: Die Holzpreise fallen ins Bodenlose, die Aufarbeitungskosten werden von den Erlösen kaum gedeckt, es fehlt das Geld für Ersatzanpflanzungen.

Vor dem Hintergrund des Klimawandels eine gefährliche Entwicklung: Die Gesellschaft setzt auf den Wald und seinen Rohstoff Holz als CO2-Speicher. Doch der Wald kränkelt - und noch ist keine Besserung in Sicht.

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