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Jubiläumsjahr von “Frauen helfen Frauen”: Lesung mit der Schauspielerin Stephanie Trapp in Soltauer Bibliothek

Gleichberechtigung und die Rolle der Frauen

Stephanie Trapp zu Gast in Soltau: Von Gleichberechtigung und Gänsehautmomenten.Foto: Frauen helfen Frauen
Stephanie Trapp zu Gast in Soltau: Von Gleichberechtigung und Gänsehautmomenten.Foto: Frauen helfen Frauen
SOLTAU - 15. Oktober 2020 - 18:00 UHR - VON REDAKTION

Es war ein großer Spannungsbogen mit einer nicht minder großen Zeitachse, den Stephanie Trapp bei ihrer Lesung in der Soltauer Bibliothek “Waldmühle” gewählt hatte. Und dabei blieben, weder mit Blick auf inhaltlichen Tiefgang noch auf die Vielfalt der ausgewählten Persönlichkeiten oder die tagespolitische Aktualität, Wünsche offen. Ganz im Gegenteil.

Die Schauspielerin Stephanie Trapp, die unter anderem auch als Dozentin für Moderation, Präsentation und Kommunikation tätig ist, kam auf Einladung des Vereins “Frauen helfen Frauen” nach Soltau. Sie war die Hauptakteurin bei einer der wenigen Veranstaltungen, die im 30. Jahr des Vereins stattfinden konnten. Sowohl die Vereinsvorsitzende, Frauke Flöther, als auch Stephanie Trapp zeigten sich sehr erfreut darüber, dass die lange geplante Lesung stattfinden konnte.

“Der Ton ist (frauen-)politisch längst wieder rauer geworden”

Die Powerfrau bewies dabei nicht nur eine berufsbedingt überzeugende Vortragsart, sie outete sich spätestens im Verlauf der Lesung sehr deutlich als überzeugte Feministin. Trapp startete mit Auszügen einer Rede der ehemaligen First Lady der USA, Michelle Obama, gehalten anlässlich der Präsidentschaftswahl 2016. Den aktuellen US-Präsidenten Donald Trump kennzeichnete die einstige First Lady als Sexisten und Zyniker. Dass die tatsächliche Gleichberechtigung von Mann und Frau zwar im Grundgesetz fixiert, aber längst nicht in Stein gemeißelt, sondern vielmehr eine permanent zu bewahrende Herausforderung sei, machte Trapp an Rückblenden zu Bundestagsdebatten in den frühen 1980er-Jahren deutlich. Außerdem präsentierte sie aktuelle Interviewausschnitte mit der Grünenpolitikerin Claudia Roth sowie Zitate von AfD-Abgeordneten im deutschen Bundestag. Die Aussagen würden laut Trapp untermauern, dass der Ton (frauen-)politisch längst wieder rauer geworden sei und nicht unwidersprochen hingenommen werden könne.

Anlass zu Sorge und Wachsamkeit

Stephanie Trapp traf mit ihrer Textauswahl voll ins Schwarze, löste einerseits Stirnrunzeln oder Schmunzeln über Schwachstellen aus Vergangenheit und Gegenwart aus. Sie legte aber auch den Finger in Wunden und beleuchtete Probleme, die längst nicht der Vergangenheit angehören und Anlass zu Sorge und Wachsamkeit sein sollten.

Gänsehautmomente erzeugte sie im letzten Teil des Abends, als sie die erste deutsche Frau mit Doktortitel in Chemie porträtierte: Clara Immerwahr, die vor mehr als 100 Jahren mutig ihren Weg ging und sich der Forschung widmete. Zeitlebens stand sie konsequent für ihre Ideale und Überzeugungen ein, auch dafür, dass Wissenschaft den Menschen zu dienen und ihnen nicht zu schaden hat. Als Frau sah sie sich aber schließlich mehr und mehr an der Seite eines immer selbstsüchtiger agierenden Ehemanns und als Wissenschaftlerin sowie Humanistin einem Partner gegenüber, der auch als “Vater des Giftgases” bekannt wurde und entscheidend mitverantwortlich für dessen Einsatz als Massenvernichtungsmittel im Ersten Weltkrieg ist: Fritz Haber. Welche innere Zerreißprobe dieses Spannungsfeld für Immerwahr bedeutete, hat Stephanie Trapp in einem fiktiven Brieftext der Chemikerin an ihren Mann zum Ausdruck gebracht. Immerwahr sah für sich selbst, in ihrer Zeit und Lebenssituation, letztlich keinen anderen Ausweg der Befreiung als den Suizid.

Dass der Nobelpreis für Chemie in diesem Jahr an zwei Frauen verliehen wurde, wäre für Clara Immerwahr eine große Freude und Befriedigung gewesen, so Trapp. In ihren Augen sei es ein erneuter Beleg dafür, dass Frauen stark sind und ebenso viel leisten könnten wie Männer, resümierte .

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