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Ausstellung von Randi Nygård im Kunstverein Springhornhof in Neuenkirchen / Besuche bis 19. Dezember möglich

Von Gletschern, Baumwolle und Veilchen

Eine persönliche Führung mit der Künstlerin: Randi Nygård (rechts) im Gespräch über eines ihrer Spiegelobjekte.Foto: Jörn Ostermeyer
Eine persönliche Führung mit der Künstlerin: Randi Nygård (rechts) im Gespräch über eines ihrer Spiegelobjekte.Foto: Jörn Ostermeyer
NEUENKIRCHEN - 17. Oktober 2019 - 08:00 UHR - VON REDAKTION

Die Ausstellung “Gesichte, Geschichte, Gedichte - Sicht, Schicht, Dicht” der norwegischen Künstlerin Randi Nygård wurde im Kunstverein Springhornhof in Neuenkirchen eröffnet. Wie häufig bei den Ausstellungseröffnungen im Springhornhof, gab es im Anschluss an die offizielle Begrüßung einen gemeinsamen Ausstellungsrundgang mit der Künstlerin persönlich. Aufmerksam verfolgten die rund vierzig Besucher und Besucherinnen die Erläuterungen von Randi Nygård über ihre künstlerische Vorgehensweise, über ihren Umgang mit verschiedenen Materialien und über die vielen Themen, die sie inspirieren.

Ausgangspunkt ihrer Werke, so berichtete die Künstlerin, seien in der Regel gesammelte Fakten, Bilder und Geschichten. Diese nimmt sie auseinander und arrangiert sie in einer Weise, sodass neue Beziehungen und Bedeutungsebenen zur Erscheinung kommen. So zeigt sie eine Reihe von Buch-Skulpturen, die aus je zwei Zeitschriften zu unterschiedlichen Themen bestehen - etwa eine Modezeitschrift in Kombination mit einer Tier-Reportage in “National Geographic”. Einzelne Seiten werden so zerschnitten, gefaltet und ineinander montiert, dass neue poetische Bilder, Anordnungen und Reihenfolgen entstehen. Mit ihren “Spiegelcollagen” aus teils transparenten, teils reflektierenden Glasflächen inszeniert Nygård kleine theatralische Räume, die zum Beispiel dem zwiespältigen Schicksal des Usambaraveilchens gewidmet sind: Diese Pflanze, die man in Europa im Supermarkt kaufen kann, ist aufgrund des Klimawandels in ihrer natürlichen Umwelt vom Aussterben bedroht.

In der Ausstellung im Springhornhof zeigt Randi Nygård zudem eine neue Serie von Arbeiten, die auf Interviews basieren, die sie während eines Arbeitsaufenthalts in Svalbard mit zwei Forschern geführt hat. Einer der Forscher beschreibt das Eis wegen der vielen Mikroorganismen, die darin leben, als “atmend”. Tatsächlich zeigen aktuelle Studien, dass mi-krobielle Gemeinschaften auf schmelzenden Gletschern der Antarktis zum weltweiten Kohlenstoffkreislauf beitragen. Die Ergebnisse sind angesichts des Rückgangs der weltweiten Gletscher von weitreichender Bedeutung. Der andere Forscher beschäftigt sich mit dem “Arktischen Dunst”, einem Schadstoff-Nebel aus industriellen Rußpartikeln, der sich auf dem Eis absetzt und zur Klimaerwärmung beiträgt.

Randi Nygård hat diese Prozesse zum Anlass für eine Serie von Frottagen genommen, einem simplen und sehr direkten Druckverfahren, wie es mit Kindern oft praktiziert wird. Sie legt große Papierbögen auf die Oberfläche der Gletscher und reibt deren plastische Strukturen mit Kohle ab. Die Gesten der Künstlerin machen die natürlichen Reliefs sichtbar und visualisieren globale Klimakreisläufe.

Die Ausstellung läuft noch bis zum einschließlich 19. Dezember und ist geöffnet von Dienstag bis Freitag im Zeitraum von 14 bis 17 Uhr.

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