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Strukturunterschiede führen zu unterschiedlichen Preisen bei Wasser

Landeskartellbehörde prüft Kosten

Landeskartellbehörde hat Ergebnisse aus dem Trinkwasserpreisvergleich vorgelegt. Foto: samopauser/stock.adobe.com
Landeskartellbehörde hat Ergebnisse aus dem Trinkwasserpreisvergleich vorgelegt. Foto: samopauser/stock.adobe.com
WALSRODE - 02. August 2020 - 18:00 UHR - VON REDAKTION

Die niedersächsische Landeskartellbehörde vergleicht regelmäßig die Trinkwasserpreise der landesweiten Wasserversorger. Dazu weisen die Stadtwerke Böhmetal und der Wasserverband Heidekreis darauf hin, dass es auch bei Unternehmen von vergleichbarer Größenordnung entscheidende Strukturunterschiede und damit unterschiedliche Preise geben kann.

Stadtwerke und Wasserverband würden laut eigener Auskunft eine aufwendige Infrastruktur zur Verfügung stellen, damit jeder Verbraucher jederzeit Trinkwasser aus der Leitung in der gewünschten Menge nutzen könne. Dabei müsse man auf die örtlichen Gegebenheiten eingehen. Diese ganz unterschiedlichen Bedingungen erfasse der Preisvergleich der Kartellbehörde nicht (siehe Infokasten rechts). Kosten verursache auch der individuelle örtliche Grundwasserschutz, um dieses Wasser auch noch in vielen Jahren für die Versorgung der Region nutzen zu können, erklärt der Stadtwerke-Geschäftsführer Martin Hack. Beide Versorger würden fortlaufend hohe Summen in ihre Trinkwasseranlagen investieren. Ganz aktuell erneuert und erweitert der Wasserverband für mehrere Millionen Euro die Wasseraufbereitung im Werk Düshorner Heide.

Die Stadtwerke versorgen die Städte Bad Fallingbostel und Walsrode (ohne Ortsteile), der Wasserverband den Südkreis von Bomlitz im Norden bis Grindau im Süden. Bereits aus der unterschiedlichen Zahl der Hausanschlüsse pro Kilometer an Netzleitung und der Gesamtlänge der Netzleitungen würden sich unterschiedliche Investitions- und Unterhaltskosten und daraus wiederum unterschiedliche Preise ergeben. Der Wasserverband als Zweckverband unterliegt keiner Gewinnerzielungsabsicht.

Faktoren für den Trinkwasserpreis sind ebenfalls einerseits der Anteil von gewerblichen oder industriellen Verbrauchern, die Brunnenqualität, die Förder- und Abgabemengen, andererseits aber auch Einflüsse durch Klimawandel und nicht zuletzt ständige neue rechtliche Rahmenbedingungen. Die öffentliche Wasserversorgung - und auch die Abwasserentsorgung - sind wesentlicher Bestandteil der “kritischen Infrastruktur” in Deutschland. Die Corona-Pandemie zeige, dass die Wasserversorger dank bestehender Notfallpläne und vieler, oftmals pragmatischer Maßnahmen gut vorbereitet seien.

 

Landeskartellbehörde legt Vergleich vor:

Die beim Niedersächsischen Wirtschaftsministerium angesiedelte Landeskartellbehörde hat Ergebnisse aus dem Trinkwasserpreisvergleich zum Stichtag 31.12.2019 vorgelegt. Die Untersuchung gibt einen Überblick über die Strukturen der niedersächsischen Wasserbranche und der Entgelte beziehungsweise über deren Entwicklung seit der letzten Abfrage 2009.

Daten geliefert haben insgesamt 114 Preise erhebende Wasserversorgungsunternehmen (WVU) mit 134 Tarifgebieten und 64 Gebühren erhebende WVU mit 68 Tarifgebieten. Wie der Trinkwasser-Vergleich der Landeskartellbehörde ergeben hat, würden Bürger in Niedersachsen derzeit 2,12 Euro (netto) für den Bezug eines Kubikmeters Trinkwasser bezahlen. Dabei ergeben sich indes gravierende Unterschiede zwischen Regionen und Unternehmen. Die Rangliste der Preise und Gebühren für Trinkwasser sind im Internet veröffentlicht: www.mw.niedersachsen.de/wasserkartellrecht. Nach Stichtagsende bis Juli 2020 hätten laut Bericht 38 Wasserversorgungsunternehmen in ganz Niedersachsen ihre Preise angehoben.

Die Landeskartellbehörde kündigt daher an zu überprüfen, ob einzelne Wasserpreise missbräuchlich überhöht sein könnten. Dabei wird den WVU Gelegenheit geben, Rechtfertigungsgründe zu nennen. So können die Preise in dünn besiedelten Gebieten oder in Gegenden, in denen es aufgrund der Topographie aufwendiger ist, das Leitungsnetz zu betreiben, durchaus zu Recht teurer sein als in anderen Gegenden.

Anders als bei Strom oder Gas können Kunden bei Wasser nicht zwischen verschiedenen Anbietern wählen, sondern sind auf den örtlichen Versorger angewiesen.

Die Untersuchung der Landeskartellbehörde bezieht alle WVU ein, die privatrechtliche Preise erheben. Die Gebühren erhebenden Wasserversorgungsunternehmen unterliegen der Kommunalaufsicht und werden kartellrechtlich nicht überwacht. Um einen Gesamtüberblick über die niedersächsischen Wasserpreise zu bekommen, wurde auch die Höhe der Gebühren abgefragt.

Quelle: Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung

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