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Die Landfrauen Rethem hören den Vortrag einer Referentin, die Verständnis auf beiden Seiten fordert

Landwirt versus Gesellschaft

Viel zu essen, aber wenig Verständnis: “Schimpf nicht über die Landwirtschaft, wenn du den Mund voll hast” - zu diesem Thema referierte Ricarda Rabe.Fotos: Landfrauen Rethem/pixabay
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Viel zu essen, aber wenig Verständnis: “Schimpf nicht über die Landwirtschaft, wenn du den Mund voll hast” - zu diesem Thema referierte Ricarda Rabe.Fotos: Landfrauen Rethem/pixabay
STöCKEN - 15. Oktober 2019 - 18:00 UHR - VON REDAKTION

Zur Erntedank- und Frühstücksversammlung in der Schützenhalle in Stöcken begrüßte der Landfrauenverein Rethem die Referentin Ricarda Rabe vom kirchlichen Dienst auf dem Lande. Der Titel ihres Vortrags: “Schimpf nicht über die Landwirtschaft, wenn du den Mund voll hast”.

Ricarda Rabe informierte über die ständigen Veränderungen und Entwicklungen in der Landwirtschaft. Ob infolge der Milchpreiskrise oder nach drei Jahren extremen Wetters in der Region (2017 viel Regen, 2018 und 2019 Dürre): Die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe sei zurückgegangen und nehme weiter ab, die Stimmung unter den Landwirten sei schlecht, sagte Rabe.

Die Gesellschaft suche gern einen Schuldigen beziehungsweise Sündenbock für etwas, Hauptsache sie selbst sei nicht schuld, so die Referentin. Aber auch wenn ein Sündenbock gefunden sei, verändere sich nichts. In den Medien würden Landwirte für einige Skandale verantwortlich gemacht, für Massentierhaltung oder Überdüngung.

Rabe berichtete, dass der Graben zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft in der Stadt tiefer sei als im ländlichen Raum. Die Gesellschaft meine häufig, dass Landwirte sich nicht korrekt verhalten, zum Beispiel “zu viel spritzen”. Landwirte würden dann oft denken: “Egal, was wir tun, wir machen es falsch.” Es helfe, miteinander zu reden oder auch in den Schuhen des anderen zu gehen, um seine Situation zu verstehen. So könnte beispielsweise ein Verbraucher bei einem Landwirt hospitieren und andersherum. Landwirte sollten der Gesellschaft mit Ehrlichkeit und Transparenz, beispielsweise einem offenen Hof, begegnen.

Rabe erläuterte, dass ein Landwirt vor 100 Jahren vier Menschen, heutzutage 144 Menschen ernähre. “Wer heute Landwirtschaft betreibt, tut dies meistens aus Leidenschaft. Wir leben in einem Schlaraffenland und haben Lebensmittel in Hülle und Fülle.” Die Referentin gab den Landfrauen einige Tipps mit auf den Weg. Beim Kauf von Lebensmitteln sollte der Verbraucher sich fragen: “Muss ich auf den Preis gucken oder kann ich für gute Lebensmittel auch einen guten und fairen Preis zahlen?” Verbraucher sollten bei Lebensmitteln nicht zu wählerisch sein, sodass eine Kartoffel auch “kartoffellig” sein dürfe und nicht bereits gewaschen und in perfekter Form. Jeder Konsument sollte nur das Nötige einkaufen, beispielsweise keine Großpackung, die verlockend günstig sei, nur, um danach die Hälfte wegzuschmeißen. “Nach dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums von Lebensmitteln sind diese häufig noch lange gut und genießbar”, appellierte Rabe.

Die Referentin beendete ihren Vortrag mit den Worten: “Schimpf nicht auf die Landwirtschaft. Sei dankbar für das, was da ist, und gehe sorgsam damit um.”

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