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Spendengelder, Matratzen, Schutzwesten, Generatoren: Der Kinderhilfe-Kovel-Vorsitzende kümmert sich derzeit fast rund um die Uhr um die Menschen in seiner zweiten Heimat und auf der Flucht.

Michael Haacke koordiniert die Ukraine-Hilfe aus Walsrode

Schulterschluss bei der Hilfe für Flüchtlinge aus der Ukraine, insbesondere aus Walsrodes Partnerstadt Kovel: Bürgermeisterin Helma Spöring, Petra und Michael Haacke (von links).Foto: Hillmann
Schulterschluss bei der Hilfe für Flüchtlinge aus der Ukraine, insbesondere aus Walsrodes Partnerstadt Kovel: Bürgermeisterin Helma Spöring, Petra und Michael Haacke (von links).Foto: Hillmann
ALTENBOITZEN - 02. März 2022 - 16:41 UHR - VON ROLF HILLMANN

Den vergangenen Donnerstag, 24. Februar, wird Michael Haacke nie vergessen. “Ich habe selten so geweint, wie an dem Tag - aber seit dem immer wieder.” Am 24. Februar begann der Krieg Putins gegen die Ukraine. Und Michael Haackes Herz schlägt schon seit vielen Jahren für die Ukraine, genauer die Stadt Kovel und vor allem für die Menschen dort. Er hat zwischenzeitlich die Landessprache gelernt, kennt zig “Kovelaner” und hat auch “Ziehkinder” dort. Seit vergangenen Donnerstag “blende ich alles andere aus, ich arbeite nicht, sondern bin nur noch am Telefon.”

Jedes Jahr Ferienaktionen in Walsrode

Michael Haacke ist seit fast 25 Jahren Vorsitzender des Vereins Kinderhilfe Kovel. Seit rund 30 Jahren kommen jeden Sommer Kinder aus der westukrainischen Stadt für vier Wochen in die Vogelparkregion, um bei Gasteltern Ferien zu machen. Hunderte von Acht- bis 14-Jährigen sind seit den Anfängen in Walsrode gewesen, mittlerweile kommt sogar schon die zweite Generation. Aus Gastmüttern sind bereits “Gastomas” geworden. Doch seit dem 24. Februar ist alles anders.

Bei Michael und Petra Haacke klingelt im Fünf-Minuten-Takt das Telefon. Die Welle der Hilfsbereitschaft ist groß. “Ich habe 150 bis 200 Adressen notiert, wo ich Ukrainer unterbringen könnte.” Pausenlos bekommt er Whatsapp-Nachrichten oder E-Mails. Der im alten Altenboitzer Bahnhof lebende Tischler ist 24 Stunden lang Koordinator, Ansprechpartner, Ratgeber. Und das ist gut so. “Denn ich muss etwas tun, ich kann nicht tatenlos herumsitzen, während in meiner zweiten Heimat Krieg ist.”

Kaum Schutzmöglichkeiten in Kovel

Die Situation in Kovel, einer Stadt mit rund 70.000 Einwohnern, 60 Kilometer hinter der polnischen Grenze auf der Hauptachse Warschau-Kiew gelegen, ist noch nicht kriegerisch. Nachts gibt es gelegentlich Fliegeralarm. Aber die gestrige Nacht war ruhig. Sollte es zu Kriegshandlungen kommen, gäbe es für die Kovelaner kaum Schutz. Es gibt dort keine Luftschutzbunker, die Häuser haben keine Keller, es gibt auch keine U-Bahn-Schächte. Bei Alarm werden die Menschen aufgefordert, nicht in den Häusern zu bleiben, sondern auf die Straße zu gehen. Der Kovelhilfe-Vorsitzende macht sich zudem Sorgen wegen der strategischen Lage von Kovel; denn wenn sich der Krieg Richtung Polen ausweitet oder Waffentransporte von der polnischen Grenze in Richtung Kiew bewegen, wäre die westukrainische Stadt unmittelbar betroffen. Der kleine Flughafen in der Stadt Lutzk wurde bereits bombardiert.

Es fließen Tränen

Die Sorge von Michael und Petra Haacke ist ihnen ins Gesicht geschrieben. Auch während des Pressegesprächs fließen Tränen, besonders als der Vorsitzende der Kinderhilfe von seiner mittlerweile fast erwachsenen Ziehtochter Oksana spricht, die als Invalidin auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Auf seine Initiative hin und durch eine Spendenaktion wurde Oksana vor vielen Jahren in Deutschland operiert. Zwischenzeitlich konnte sie mit ihrer Mutter und anderen Verwandten die Ukraine verlassen und ist in Deutschland in Sicherheit.

Ebenfalls in Sicherheit sind die aus vielen Ferienfreizeiten bekannten Dolmetscherinnen Ljuba und Oksana. Der Uetzinger Ortsvorsteher Herwig Sager hat sie am gestrigen Mittwoch, 2. März, aus Hannover abgeholt, wo sie mit einem Bus angekommen waren. Sager hat Mutter, Tochter und zwei Enkel im Haus seiner verstorbenen Mutter in Bomlitz untergebracht.

Matratzen, Generatoren, Schutzwesten

Michael Haacke ist - neben anderen Hilfsprojekten, die er organisiert - gerade dabei, einen Transport an die polnisch-ukrainische Grenze zusammenzustellen. Dabei geht es um Matratzen, Generatoren und Schutzwesten. Er zieht alle Register seines Könnens und nutzt seine vielfältigen Kontakte. Unterstützung, Hilfe, Erfahrung: Die kann Michael Haacke auch anbieten, wenn es darum geht, die Weiterreise von Ukrainern zu organisieren, die kostenlos mit der Bahn bis Berlin fahren, von dort aber nicht weiter wissen.

Unterstützt werden Petra und Michael Haacke von der Stadt Walsrode und Bürgermeisterin Helma Spöring. Die Sozialarbeiterin Cristine Idrizaj ist ebenfalls Ansprechpartnerin, wenn es um die Koordination von Hilfen geht. Michael Haacke appelliert an Spendenwillige, vor allem Geldspenden vorzunehmen, aber besonders von Kleider- und Buchspenden abzusehen, “die brauchen wir derzeit nicht.”

Weitere Flüchtlinge werden erwartet

Ukrainische Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, müssen sich registrieren lassen. Dies geschieht auch im Ankunftszentrum im Camp Bad Fallingbostel. Erste Flüchtlinge sind bereits dort. Michael Haacke rechnet in den nächsten Tagen mit weiteren Geflohenen aus Kovel. Er steht im Kontakt mit der dortigen Stadtverwaltung und hat dazu aufgerufen, einen Bus mit Flüchtlingen zu füllen und nach Walsrode zu schicken. “Wir sind da, wir helfen”, lautet sein Versprechen.

Als Spendenkontonummer gibt die Stadt Walsrode folgendes Konto an: Kreissparkasse Walsrode IBAN DE43 2515 2375 0001 0007 28, BIC NOLADE21WAL; Verwendungszweck: Spende ukrainische Flüchtlinge: Das auf dieses Konto gespendete Geld wird ausschließlich für die ukrainischen Flüchtlinge verwendet, die im Stadtgebiet Walsrode ankommen.

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