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Projektwohnung geschlossen, Umzug an die Hellteichschule / Integrationsarbeit für Kinder und Familien geht weiter

Nach neun Jahren Abschied vom Dürerring

Augenmerk auf Kinder und Frauen: Die Projektwohnung am Dürerring mit dem bunten Fenster war bisher der Anlaufpunkt für viele Familien. Charlotte Schließauf (im karierten Hemd) und ihre ehrenamtlichen Mitstreiter hoffen nun, dass es an der Grundschule mit der Integrationsarbeit ähnlich erfolgreich weitergehen wird.Fotos: Diakonisches Werk/Silvia Herrmann
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Augenmerk auf Kinder und Frauen: Die Projektwohnung am Dürerring mit dem bunten Fenster war bisher der Anlaufpunkt für viele Familien. Charlotte Schließauf (im karierten Hemd) und ihre ehrenamtlichen Mitstreiter hoffen nun, dass es an der Grundschule mit der Integrationsarbeit ähnlich erfolgreich weitergehen wird.Fotos: Diakonisches Werk/Silvia Herrmann
WALSRODE - 31. Januar 2020 - 22:00 UHR - VON REDAKTION

Viele Jahre fiel es sofort ins Auge: Ein buntes Fenster mittendrin im Wohnblock am Dürerring. Es war das Fenster einer ganz besonderen Wohnung. Neun Jahre lang konnten dort vor allem Kinder mit Migrationshintergrund Hilfe beim Lernen und Einfinden in die deutsche Gesellschaft bekommen. Nun steht eine große Veränderung an, denn in Absprache mit der Stadt Walsrode stand bereits seit einiger Zeit fest: Wenn die Hellteichschule Ganztagsschule wird, dann können die Kinder nachmittags nicht mehr in den Dürerring kommen, dann soll das Projekt an die Schule überführt werden.

Das “Gesicht” am Dürerring war und ist die Walsroderin Charlotte Schließauf. Unzählige Male war sie vor Ort, fuhr Gruppen zum Schwimmen, vermittelte Kinder in Sportvereine, stellte Kontakte her. Ausflüge mit den Familien gehörten ebenfalls zum Angebot rund um die Projektwohnung wie die Interkulturellen Mitmachtage. Schließauf brachte auch ältere Jugendliche als Teamer mit - und viele Kinder vom Dürerring zu dieser besonderen Sommerferienwoche im Gemeindehaus Walsrode.

Noch im Herbst 2016 startete ein neues Projekt: Kompass. In Zusammenarbeit mit der Stadt Walsrode und dem Stephansstift sollte Flüchtlingen hier Orientierung gegeben werden. Da es keine Neuzuweisungen von Asylsuchenden an den Heidekreis mehr gab, veränderte sich der Ansatz schnell. Aber die Arbeit mit den Kindern und Familien lief erfolgreich neu an. Über das Diakonische Werk wurden Ehrenamtliche gefunden, die tageweise unterstützten und auch für einzelne Kinder Zeit hatten zum Lesen, zum Zuhören oder zum Spielen.

Für Charlotte Schließauf gehörten auch Hausbesuche dazu, der Kontakt zu den Eltern war sehr eng und gut. Mit den Familien, meist den Frauen, reinigte sie so auch all die Jahre die Wohnung in Eigenregie. Auch beim Lernen wurden Mütter und Väter immer wieder einbezogen. Vor allem mit den Erstklässlern lernten manche Eltern selbst, wie man in Deutschland lernt. Selbst ältere Kinder, die dem Projekt eigentlich längst entwachsen waren, kamen gerne wieder. Für Frauen und Mütter gab es eine Frauengruppe für den Austausch zu Fragen der Erziehung und Bildung, zum Deutschlernen und Deutschsprechen. Frauen wurde Mut gemacht, an Integrationskursen teilzunehmen, sie wurden zur Internationalen Frauengruppe oder zum Frauenfest begleitet.

Vor allem aber wurde auch die Zusammenarbeit mit der Grundschule Vorbrück intensiviert und ausgebaut. Rektorin Ursula Delventhal betont: “Ich kenne einzelne, die hätten ohne die Arbeit von Charlotte Schließauf nicht den Weg zur weiterführenden Schule geschafft.” Teilweise begleiteten nicht nur Schließauf, sondern auch Sprachmittler des Diakonischen Werks Eltern zum Sprechtag, zu Elternabenden oder zu gemeinsamen Elterngesprächen und trugen so zur Verständigung untereinander und zum Verständnis füreinander bei.

Zum neuen Schulhalbjahr endet nun die Arbeit in der Projektwohnung. Das Diakonische Werk, die Ehrenamtlichen, Eltern und Kinder nahmen mit gemischten Gefühlen Abschied. Zum Glück gibt es die Perspektive in der Schule. Die Arbeit soll zunächst ähnlich weitergehen wie in der Projektwohnung und sich weiterentwickeln. Es bleiben dennoch Fragen bei allen Beteiligten: Wird sich die Elternarbeit weiter so intensiv gestalten lassen? Wird alles an der Schule so möglich sein, wie in Wohnortnähe am Dürerring, gerade nicht in der Schule, die für manche Kinder und Familien auch angstbesetzt ist?

Diakoniepastorin Rosl Schäfer ist zuversichtlich, dass es noch im Februar losgehen kann. Finanziert wird das Projekt zurzeit vor allem aus Flüchtlingsmitteln der Stadt Walsrode und aus Projektgeldern der Landeskirche Hannovers.

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